Schwabbeln

13. August 2004 § 2 Kommentare

Weils mich schon lange beschäftigt, und mal gesagt werden muß: Es ist schon erstaunlich, daß ausgerechnet diejenige Hälfte der Menschheit (zumindest dort, wo die Menschen genug zu essen haben) sich Sorgen um den eigenen Leibesumfang macht, die sich am wenigsten sorgen müßte – denn weibliche Attraktivität wird von einem bißchen Fleisch mehr auf den Knochen nur unterstrichen, ja, gesteigert, während dies für Männer kaum gelten dürfte. Bei Frauen ist das allseits gefürchtete zuviel eigentlich ein genau richtig. Quellen soll es und schwellen, und schwabbeln und wackeln, so ist es schön. Wem gefällt denn ein Bündel hautumspannter Knochen, jetzt mal ehrlich, wem gefällt das? Und wer hat sich ausgedacht, daß Hungerdürre schön sein muß? Ich verstehe diese hysterische Anbetung der Magerkeit nicht, die derzeit, und nicht erst jetzt, allerorten zelebriert wird. Hat das nicht etwas hochgradig Ungesundes? Ja, ist es nicht gar ein Ablehnen dessen, was Weiblichkeit gerade ausmacht, nämlich, nicht zerkantet und sehnig, sondern rund und voll zu sein? Pulchra enim sunt ubera quae paululum supereminent et tument modice … Abgesehen davon, daß es offener Zynismus ist, die Folgen des Vorzugs zu bejammern, daß man sich täglich mehr als sattessen kann, während auf der anderen Seite des Globus Mangelernährung und Hungertod an der Tagesordnung sind: abgesehen davon also mögen Menschen wie Frau Schiffer in einem abstrakten Sinn „schön“ sein – doch in ihrer Klapprigkeit zum Gähnen unattraktiv.

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§ 2 Antworten auf Schwabbeln

  • fragmente sagt:

    Es gibt da eine interessante Theorie dazu. Früher waren sehr wohl die fülligeren Damen begehrter: ihr Äußeres zeigte, daß sie wohlhabend waren und für sich und andere sorgen konnten.
    Zum Zeitpunkt der Industrialisierung hingegen wurde dieses bäuerliche Ideal ersetzt durch das Ideal der Städterin. Der Grund für deren Hohlwangigkeit – die schlechten Ernährungsbedingungen und die Armut – wurden jedoch verkannt.

    Heutzutage steht Magerkeit vor allem für Jugendlichkeit, gar für einen präpubertären Körper, den Körper eines Mädchens, nicht einer Frau.
    Einer meiner ehemaligen Kommilitonen sagte einmal über seine Liebschaft, man könne sie gut „hin-und herschieben“. Ich denke, er meinte das in sexuellem Kontext. Auch das mag eine Rolle spielen.

  • Talakallea Thymon sagt:

    REPLY:
    das ist die gängige (und gar nicht unplausible) ansicht, ja. ich frage mich nur, warum das heute, in einem zeitalter des hysterischsten individualismus, noch eine rolle spielen kann.

    hin und her schieben? na, wer’s mag. ich versinke ja lieber (*hüstel*)

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