Nach dem Warten

10. September 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Singula quid referam? nil non laudabile vidi

Nach dem Warten: Computer runterfahren, Fenster zumachen, noch ein Schluck Wasser. Tief durchatmen. Tür abschließen. Gang, endlos langer Gang. Glastür. Herzklopfen. Treppenhaus, noch eine Glastür, noch mehr Herzklopfen. Das Foyer. Verschwitzte Hände, trockener Mund. Zittrige Beine. Hastiger Abtastblick von Gesicht zu fremdem Gesicht. Da: Du. Du von weitem. Du näher. Du ganz nah.
Dein Lächeln. Neu, so neu, und ich erschrecke darüber, wie wirklich Du in Wirklichkeit bist, als hätten sich alle meine Gedanken an Dich (der letzte vor dem Einschlafen, der erste beim Erwachen) mit einem Mal als falsch und andirvorbei erwiesen; nein, leuchtet es mir plötzlich ein, so bist Du ja in echt. Und es schmerzt mich zu sehen, daß Du so viel schöner bist, als ich mir Dich, solange Du fern warst, in Erinnerung rufen kann, übersteigend schön. Plötzlich sind nicht drei Wochen, sondern Monate vergangen.
Ich setze mich neben Dich, die Worte bröckeln, kantig und zittrig, versperrt in der Kehle liegend, und während sich der Herzschlag langsam beruhigt, beginnen wir, uns unsere eigene Sprache wiederzuerfinden und wiederzuschenken … langsam öffnen sich die Tore zu einem herrlichen, viel zu rasch dahinrollenden, viel zu früh wieder schrumpfenden Spätsommernachmittag.
Ein Nachmittag, der erst lange vorbei sein muß, ehe Worte ihn erfassen, und rückblickend neu erschaffen können.

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