Traum vom Weltuntergang

19. Oktober 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Es hatte sich angekündigt. Etwas war geschehen, auch wenn man noch nichts davon merkte, nicht sogleich, etwas Endgültiges, war geschehen oder geschah gerade irgendwo, oder würde zwangsläufig, unausweichlich, geschehen. Keine Massenpanik, keine Flüchtlingsströme, keine Plünderungen, keine Aufrufe zur Umkehr, zum Sündenbereuen. Alles geht seinen Gang. Gleichzeitig ist alles anders, verschoben, falsch, alsobnichtswäre. Eine Kulisse? Dumpfe Angst, eigentlich eher das Gefühl, jetzt alles aufgeben zu müssen. Nicht der Tod steht bevor, sondern eine gräßlich veränderte Welt.

Später ein glühender, hitzewabernder Ozean. Daraus steigen glutflüssige Stränge zitternd und langsam, wie Schlangen oder Schleimpilze aus Öl, empor. Tropfen lösen sich aus der leuchtenden Masse, ein gelbliches Magma. Der Ozean kocht. Über dem Gezitter der aufstrebenden Fäden flimmert Glutdunst. Dunkler Himmel, violett, fast schwarz. Es ist ganz still, eine schweigende Hölle.

Später im Wasser. Ich schwimme. Da sind noch andere Menschen mit mir. Rotbraune Flächen aus irgendeiner Säure schwappen träge auf der sanften Dünung. Jemand sagt, daß es Säure ist. Ich weiß nicht, ob ich es berührt habe. Ich spüre nichts.

Dann an Land. Ein felsiges, kahles Ufer. Ich klettere barfuß über Klippen. Andere Menschen sind auch da. Überlebende? Da liegt ein Stein mit so etwas wie einer Inschrift. Ich freue mich. Irgendeiner lacht aber wütend über mich, will den Stein, den Text darauf, weghaben. Für mich ist er ein Überbleibsel, eine Erinnerung, eine Hoffnung. Ein Bewahren. Der andere weist mich ruppig darauf hin, daß das ein christlicher Text sei, in einem Ton, der mir sagt, daß mir das doch klar sein müsse. Und wirklich, da ist ein Symbol, ein Fisch? Ein Kreuz?

Später wieder die Kulisse. Ein Reisebüro. Die Welt gleichzeitig vor und nach dem Weltuntergang. Oder der Weltuntergang des einen Traumes stiehlt sich heimlich in den nächsten Traum, und bildet einen düsteren Hintergrund. Ich will verreisen, gleichzeitig ist mir klar, daß es Wahnsinn ist, jetzt ans Reisen zu denken. Am selben Tag will ich fliegen, nach Griechenland. Aber es ist alles ausgebucht, kein Hotelbett mehr frei, den ganzen August. Aber ich will ja kein Hotelbett, ich will nur den Flug. Nein, sagt man mir und sieht nicht einmal zu mir hin dabei, auch Flüge gebe es keine mehr. Da beschließe ich mit schwacher Hoffnung, zum Flughafen zu gehen und es dort zu versuchen. Ich verlasse den Schalter des Büros und zwänge mich unter enormen Schwierigkeiten mit meinem Gepäck durch eine sperrige Glastür.

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