Ethologie

21. Dezember 2004 § Ein Kommentar

Gestern ein Kurzflirt (wenn man das schon so nennen kann) mit C, was ungemein wohltut und mich für wenige kostbare Augenblicke schweben und heiter sein läßt. Wie immer bei solchen Gelegenheiten, wenn denn einmal meine sporadisch auftretende Schlagfertigkeit über mich kommt, überrascht sie mich selbst. Ich verfüge nicht über sie, sie ist wie etwas außerhalb meines Willens, Geistesblitz und Inspiration, als spräche nicht ich, sondern etwas in mir, ein kleiner Flirtsouffleur. Eine launische Gabe allerdings, auf die ich mich wahrlich nicht verlassen kann. Und so ist sie denn auch meist stummgeblieben im entscheidenden Moment.

Ich wünschte ich verstünde das Balzverhalten der Spezies, der auch ich angehöre. Man stelle sich ein Pfauenweibchen vor, das den Federkranz des Männchens zwar sieht, aber absolut nicht weiß, was das soll, weil sie nur einen bunten Kranz Federn sieht, wo andere Weibchen ein Zeichen wahrnehmen. Wie leicht wäre alles, verstünde ich die Sprache von Blick, Geste, Mimik, Lächeln und die wahre Bedeutung von Wann, Wie, Wo und Was des gesprochenen Wortes. Ich stochere nur darin herum, werfe zergrübelt Frage um Frage auf, und deute in einem fort die Symbole, wie eine Art Kabbala der Liebe, außerstande, die Zeichen auf Anhieb und unbewußt zu deuten. Ich muß alles zerpflücken. Während andere sich amüsieren und sich an den Gedichten des Flirtens erfreuten, bin ich der Germanistikprofessor, der diese fremde Lyrik Zeile für Zeile, Vers für Vers mit dem Skalpell sezieren muß, um ihr etwas zu entnehmen. Vom eignen Dichten ganz zu schweigen. Da bleibt nicht viel am Leben. Artfremd innerhalb der eigenen Art muß ich die Zeichen studieren wie ein Zoologe unter Pavianen, die alle wissen, was sie tun. Oder vielmehr, nicht wissen, was sie tun, und dann ist es das untrüglich richtige.

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§ Eine Antwort auf Ethologie

  • Talakallea Thymon sagt:

    (21.12.04 11:33)
    Wozu soll ein Kurzflirt gut sein?

    (21.12.04 11:35)
    Der hat seinen Sinn und Zweck in sich selbst. Das ist schon alles. Genauso wie Smalltalk. Ist informationstheoretisch überflüssig, aber äußerst beliebt.

    rosmarin / Website (21.12.04 13:29)
    also total unpassend an dieser stelle, aber lieber tala… du hattest danach gefragt: grins
    Ein Mathematiker und ein Physiker stehen gelangweilt vor der Uni und warten auf den Bus. „Wie hoch mag wohl die Schranke zum Parkplatz sein?“ fragen sie sich.
    Der Mathematiker: „Hm… wir wissen die Uhrzeit, also den Winkel der Sonne über dem Horizont… da könnte man die Länge
    des Schattens messen und etwas rumrechnen, so findet man den Wert.“
    Der Physiker „Hm… eine ausreichend schwere Kugel genau in die Höhe werfen, dann findet man unter Vernachlässigung der Reibung die Höhe.“
    In dem Augenblick kommt ein Ingenieur vorbei und fragt, was die beiden dort so gedankenverloren machen. Als er die Antwort hört, klappt er den Schlagbaum runter und mißt nach.
    Nachdem er weg ist, sagt der Mathematiker zum Physiker: „So ein Idiot. Wir wollten doch die Höhe wissen und nicht die Länge.“

    (21.12.04 23:29)
    leichtigkeit scheint eines der schwersten dinge zu sein,
    wenn es darum geht, sie zu erlernen. was könnte helfen? üben, vergessen, darüberhinweggehen vielleicht?
    springen, über eigene schatten und innere interpretationsschemata?
    mitfühlend
    lynx

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