Incipe!

27. Oktober 2005 § Ein Kommentar

dimidium facti qui coepit habet; sapere aude,
incipe! Viuendi qui recte prorogat horam,
rusticus expectat dum defluat amnis; at ille
labitur et labetur in omne uolubilis aeuum.

halb hat die arbeit getan schon, wer anfängt nur. klug zu sein, wage,
mach dich ans werk! denn wer aufschiebt die stunde des richtigen lebens
wartet dem bauer gleich, daß nur versiege der strom, aber jener
fließet und wirbelnd wird fließen dahin bis ans ende der zeiten.

(Q. Horatius Flaccus, Epist. I, 2)

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§ Eine Antwort auf Incipe!

  • Talakallea Thymon sagt:

    (27.10.05 21:24)
    ich hab ja nur das kleine latinum
    obwohl ich das nie gebraucht habe für slawistik. also reine schikane.
    aber ich hab es also.
    griechisch kann ich überhaupt nicht, dafür hab ich einen benoteten schein in altkirchenslawisch (!).
    hab ich auch nie gebraucht.
    aber egal jetzt, was ich mich immer gefragt habe, und jetzt bei dieser übersetzung auch wieder frage:
    was waren das für denkstrukturen, in denen die antiken geister sich bewegten? haben die wirklich nie einen molly-bloom-bewusstseinsstrom abgelassen, sondern genauso gezirkelt gedacht, wie sie formulierten?

    (28.10.05 08:52)
    mh. was verstehst du unter „gezirkelt“? die lateinische/griechische dichtung ist ausgesprochen artifiziell, meiner meinung. meinst du das mit „gezirkelt“? das obige zitat ist natürlich metrisch, und von daher schon sprachlich sehr gefeilt, damit alles schön ins versmaß paßt. (so ähnlich wie es ja auch in deutschen metrischen gedichten sprachlich kurios zugehen kann; „die ich rief, die geister, werd ich nun nicht los“ — so dürfte Goethe im alltag keineswegs gesprochen haben. prosa ist da schon eher geradeheraus, wenn man von Cicero absieht, dem Thomas Mann der Antike, sozusagen.
    Ähem, wer ist Molly Bloom? und was ist ein ihrentsprechender bewußtseinsstrom?
    alles, was wir aus der antike haben, ist halt nunmal das, was die alten uns schriftlich hinterließen — und da das in den allermeisten fällen kunst ist (die auch als solche gehandelt wurde), wissen wir wenig über das alltagsdenken und -sprechen. man darf jedenfalls bei antiken texten (ausnahme: inschriften, graffiti und papyri) davon ausgehen, daß sie eine sorgfältige redaktionelle arbeit hinter sich haben.
    zudem ist es ja überhaupt hochproblematisch, von sprache auf das denken zu schließen. abgesehen davon gibt und gab es schon damals sprachliche konventionen, in die ein jeder gedanke gegossen werden mußte; auch wenn dennoch himmelweite unterschiede zwischen den autoren bestehen. leider liest man in der schule ja immer nur Cicero und Caesar, was eine rein willkürliche kanonisierung ist, die mit qualität nichts zu tun hat (nur mit dem geschmacksurteil einiger älterer herren — es waren damals nur männer, die sich damit beschäftigten — des 19. jahrhunderts. tacitus beispielsweise mit seinem abgehackten, asyndetischen, sprunghaften stil steht unserem eigenen ästhetischen empfinden viel näher als Cicero, wie ich finde.
    war das eine zufriedenstellende antwort? oder hab ich vielleicht deine frage nicht richtig verstanden?

    (28.10.05 12:39)
    nein, das war schon die richtung, die ich meinte. ich hatte das nicht bedacht, das beispiel mit goethe war ja SCHLAGEND! und natürlich war es kunst, das hatte ich auch nicht bedacht. in der antike hat ja nur eine verschwindend kleine minderheit geschrieben, und es wurde nicht so wie heute (etwa in den blogs *grins*), jeder pups aufnotiert. was festgehalten wurde, war wertvoll und eben „kunst“.
    es war ein denkfehler meinerseits.
    molly blooms innerer monolog am ende von „ulysses“ ist das paradebeispiel für DEN literarischen inneren monolog, er war wohl der erste überhaupt und seither gibt es ihn als literarisches ausdrucksmittel.
    oder so. ich bin kein anglist.

    nötigenfalls googeln.
    auf keinen fall ulysses lesen, es ist sterbenslangweilig.
    wenn du gar nicht drum rum kommst, dann nur den monolog am ende.

    (31.10.05 22:41)
    Der Molly-Bloom-Monolog ist nicht nur nicht langweilig, sondern saugeil, wie mein Sohn sagen würde. Und das nicht nur im umgangssprachlichen Sinn.
    Zu Ulysses hat mir mal jemand das Buch von Hugh Kenner empfohlen, was ich parallel mitgelesen habe. Lohnt sich. Unbedingt mit dem Kenner-Buch lesen.

    (2.11.05 09:14)
    (lacht) na, da haben wir ja schon auf kleinstem raum das phänomen, daß sich am „ulysses“ die geister scheiden. probieren kann ich es ja mal.

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