über weblogs

31. Oktober 2005 § Ein Kommentar

was ich bei der ganzen sache nicht optimal finde, das ist — aber natürlich eine definitorische eigenschaft — die strikt und unänderbar chronologische darstellungsform eine weblogs. alles, was jenseits der „neuesten einträge“ ist, verschwindet auf immer in der versenkung, höchstens noch einmal überflogen von augen, die über einen suchbegriff hereingeschneit sind — und wohl meist ebenso schnell wieder herausschneien. (die meisten zugriffe über suchmaschinen sind bei mir aus dem bereich der botanik zu verzeichnen, was nun wirklich nicht ein zentrales thema auf meinem blog ist).
mir geht es so, daß meine texte fast nie mit ephemerem tagesgeschehen zu tun haben, meist jedoch auf ein allgemeines hinausweisen, und, sofern es mir gelingt, als text für sich allein stehen können. neue leser kann man in einer blogsphäre immer nur mit neuen texten gewinnen (denn niemand stöbert in den archiven, ich übrigens auch nicht; und niemand „sucht“ dich, der autor muß zum leser kommen, nicht umgekehrt), was einen ständigen druck bewirkt, immer neues zu produzieren. wenn man erreichen will, daß ein bestimmter text von möglichst vielen gelesen werden soll, so darf man aber lange nichts veröffentlichen, damit der text am anfang stehenbleibt. daraus ergibt sich ein paradox: um gelsen zu werden, muß man viel schreiben; damit etwas bestimmtes gelesen wird, darf man nicht viel schreiben. daher denke ich in letzter zeit verstärkt über eine eigene hp nach.

auch sehr enttäuschend finde ich die discrepanz zwischen eigener und fremder beurteilung meiner texte. meist bekomme ich gerade auf arbeiten, die mir besonders wichtig sind, auf die ich besonders viel mühe und nachdenken verwendet habe, die mich schweiß und ausdauer gekostet haben, auf die ich dann stolz bin, bekomme ich auf solche texte keinen kommentar. nicht einmal ein „find ich gut“, ein „find ich langweilig“ oder ein „verstehe ich nicht“, nein, nichts. schweigen. atmosphärisches rauschen. dann wieder schreibe ich einen text aus drei wörtern („halt dich raus“), der mich kaum mehr zeit gekostet hat als nötig war, ihn einzutippen, und bekomme 8 Kommentare. das dürfte anderen auch so gehen; ich habe schon einträge gesehen, die nur aus „ich hab kopfweh“ oder „der regen geht mir auf’n keks“ bestanden, und kommentare im zwanzigerbereich auslösten.

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§ Eine Antwort auf über weblogs

  • Talakallea Thymon sagt:

    (31.10.05 13:05)
    guck nochmal bei mir!
    Ich hab mir da was ausgedacht. Deine Meinung würd mich interessieren.

    (31.10.05 15:00)
    Aber Martin, Du hast zwar sehr recht mit Deinen Beobachtungen, doch will ich anmerken, dass wir, die wir auf Deine 3-Worte antworten, doch jene sind, welche beinah täglich Deinen Blog aufsuchen und nach neuen Einträgen kontrollieren. Insofern mag es wohl so aussschauen, als sähe niemand nach, und doch gibt es uns im Hintergrund.
    Indes mache ich selbige Beobachtung gleich Dir mit meinen Einträgen – und vermerke, es ergibt sich nur selten ein Kommentar von dritter Seite. Man freut sich natürlich über jeden Einzelnen, der mal ein paar Zeilen hinterläßt.
    Aber habe ich dann, wenn niemand antwortet/reagiert/kommentiert, nur Schmuh geschrieben oder einfach nur am Ansinnen anderer vorbei, sprich: hab ich nichts Interessantes für andere hinterlassen?
    Ich schreibe meine Einträge, wie mir der Schnabel gewachsen ist, ja nach Lage und Laune des jeweiligen Tages – denn dazu (und nur dazu) nutze ich mein Blog.
    Ich rate daher sogar zu einer eigenen HP, auf der sich viel besser die eigene Meinung und das eigene Empfinden gar trefflich ausweiten läßt denn hier in diesen wilden Gefilden der mal jungen, mal unprüfenden, mal unreflektierenden Bloggemeinschaft.
    Nichts dasto trotz merke ich auch noch an, daß mir gerade die beiden Talakallea Thymoi-Blogs überaus gefallen und zu meinem täglichen, persönlichen „Nachrichten“ zählen. Ich bin schon fast enttäuscht, wenn Du mal nichts schreibst.
    In diesem Sinne, loin

    (2.11.05 21:24)
    man könnte ja, wenn man fleißig wäre, sich selbst beständig verlinken, aber ich bin meist zu faul dafür und schreib halt linear weiter, was solls.
    bei mir sind die meisten anfragen unter „erotische texte“ oder „schamlippenpiercing“ zu verbuchen, magst du mit mir tauschen?
    schöne und gelungene texte rufen meist keinen widerspruchsgeist hervor. drei wörter – parolen wie: niemand hat schlechten sex (okay, es sind vier wörter), reizen halt zu einer äußerung (ebenso wie das von dir angeführte beispiel).
    zu schönen und gelungenen texten schreibt natürlich auch niemand: ja das kenn ich auch! doch, manchmal schon, wenn man glück hat.
    fazit: mach dich von kommentaren unabhängig. obwohl sich natürlich jeder freut, wenn er ein freundliches feedback erhält. je mehr man bei anderen kommentiert, desto mehr wird man auch selbst kommentiert, was ich manchmal lästig finde, wenn ich keine lust habe, bei anderen zu antworten, aber auch sehr schön, wenn ich sehe, wie sich übergreifende gespräche entspinnen.

    (3.11.05 08:52)
    stimmt, das allfällige „nackt tanzen“ und „achselhaar“ hab ich nicht erwähnt; das macht die andere hälfte der suchbegriffe aus.
    verlinkt habe ich recht viel. aber diese funktion gefällt mir in ihrer machart nicht so richtig (daß man nur auf die kommentarseite verlinken kann, nicht auf einen bestimmten begriff innerhalb eines eintrages und so. aber die einträge werden halt nicht als eigene datei gehandelt, und das ist ja schließlich der kern des problems (chronologie). du hast natürlich recht, elsa_laska, wenn du sagst, daß texte, die gefallen, keinen kommentierimpuls auslösen.
    @loin: danke fürs dicke lob. ich weiß natürlich, daß man mich liest, auch wenn nichts kommentiert wird; manchmal ist mir das aber zu wenig. es ist gut, eine art von „lesegemeinschaft“ zu sein und zu haben; aber die illusion, die ich anfangs nährte, wirklich im publizistischen sinne „gelesen“ zu werden, hat sich verflüchtigt. oder anders herum: ich stelle fest, daß ich diese vorstellung (daß mich hunderte von „außerhalb“ lesen werden) überhaupt genährt habe, macht mich jetzt ein bißchen peinlich betroffen.

    (4.11.05 06:19)
    Ich fürchte die Erwartung hier eine breite Resonanz für Texte zu finden, in die viel Mühe gesteckt wurde, wird in erster Linie Enttäuschung nach sich ziehen. Gerade 20six kommt mir zunehmend wie ein Kontaktforum vor. „hallo, mir geht es gut oder schlecht, ich bin schon wach, seit ihr schon da“, das sind die großen Renner. Der Blogeintrag ergänzt oder ersetzt das tägliche Socializing, was – da vom menschlichen Bedürfnis nach Anerkennung angetrieben – auch OK ist. Die Freude am geschriebenen Wort und die Lust am Diskurs darüber wird dadurch zumindestens in der Masse immer weniger greifbar. So wird es immer schwerer auf sprachliche und inhaltlich Leckereien in neuen Blogs zu stossen.

    (4.11.05 09:31)
    ist das bei anderen anbietern anders? bei today etwa? ich habe manchmal den eindruck, aber vielleicht täusche ich mich?

    (4.11.05 19:18)
    Also ich bin zufrieden. Ich habe meine Lieblinge, sowohl innerhalb als auch außerhalb. Die „Heiß diskutiert“ Rubrik ist allerdings tatsächlich nicht besonders zuverlässig, wenn man auf der Suche nach einer spannenden Diskussion ist

    (15.11.05 13:41)
    Vielleicht hilft es, die Dir wichtigen Texte immer unter der Rubrik Startseite einzustellen. Wie der Name schon sagt, erscheint diese Seite immer zuerst, auch wenn Du chronologisch aktuellere Texte in andere Rubriken eingestellt hast.
    Beste Grüße
    Bafu

    (15.11.05 23:53)
    Ich traue meinen Auge nicht, zwicke mich selbst in die Wange, um mir die reale Existenz der Wahrnehmung zu bestätigen. Wen sehe ich da tatsächlich als aktiven Kommentator?

    (16.11.05 13:11)
    Liebster Üwi, bei Dir kann ich ja nicht mehr kommentieren, ohne Gefahr zu laufen, auf den Schleimspuren auszurutschen und in dornigen Versverirrungen zu landen

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