Windmühlen

7. Dezember 2006 § Hinterlasse einen Kommentar

mich zurückziehen oder mich weiter aufreiben in einem widerstand, der rein innerlich bleibt und mir nur schadet? wenn die frage überhaupt sinnvoll ist. meine wut, meine entrüstung, meine fassungslosigkeit manchmal, darüber, daß die welt einfach nicht hinhört, wenn ich einen bescheidenen anspruch an sie habe, ist primär. unhinterfragbar. ausgangspunkt.
wie damit umgehen?
wenn es einen rückzug gibt, wie sähe er aus? wohin überhaupt, noch weiter ins innerliche? aber die entrüstung ist ja auch schon innerlich, die wut eine wut des vergeblichseins. ich kann nichts ändern. die autos werden weiter fahren, der baustellenlärm wird sich nicht ausschalten lassen, durch kein handeln von mir, selbst der schärfste protest meinerseits würde nur ein der-ist-ja-bekloppt-vogel-zeigen ernten. man würde mein anliegen ja nicht einmal verstehen.
der rückzug müßte entweder darin bestehen, daß ich die tatsächlichen ereignisse, die mich kränken, eliminiere, indem ich ihnen ausweiche. das ist kaum zu bewerkstelligen, vor allem deswegen nicht, weil ich als zoon politikon von denen abhänge, die mich kränken, sei es auch nur über den umweg der verhältnisse, die, so wie sie nun einmal sind, auch mir zum vorteil gereichen. gereichen müssen, denn ich kann mich gar nicht gegen sie entscheiden. nehmen wir an, ich richte an die stadt Bonn eine offizielle beschwerde. der lärm dieser baustelle sei nicht tolerierbar, die schläge der bohranlage kilometerweit vernehmbar, durch geschlossene türen und fenster nicht aufzuhalten, die art des lärms, diese rhythmischen, metallischen, hart nachfedernden explosionen und das klingende stein-auf-stein seien eine folter; an konzentration sei nicht zu denken; schließlich gebe es menschen, die zu hause arbeiteten und ruhe bräuchten etc. was würde ich damit erreichen? im besten fall eine antwort, die phrasen wie „haben Sie bitte verständnis“ und „gemeinwohl geht vor einzelinteresse“ enthielte. was weiter? der gerichtliche weg: aussichtslos, und obendrein noch mit der schmach der niederlage verbunden.
aufgerieben.
oder der rückzug besteht darin, sich einfach nicht mehr kränken zu lassen. den lärm einfach mit wohlwollen betrachten. aber schon der gedanke ist eine zumutung.
ich will das nicht hören müssen. ich will einfach nicht. diesen lärm nicht und all den anderen auch nicht.

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