Ceterum censeo

14. März 2009 § 7 Kommentare

Ich werde mich ganz bestimmt niemals einem Intelligenztest unterziehen. Das fehlte noch, daß ich mir meine eigene Beschränktheit in Zahlen vorführen lasse.

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§ 7 Antworten auf Ceterum censeo

  • Köppnick sagt:

    Gerade Gladwell könnte einem die Angst vor dieser „Zahl“ nehmen, weil er ihre relative Bedeutungslosigkeit behauptet. Aber deine Empfindung kann ich nachvollziehen. Was uns bei Körpergröße, Gewicht und Ergebnissen im 100m-Lauf problemlos gelingt, die Anerkennung, dass einigen eine kleinere und anderen eine größere Zahl zugewiesen wird, das akzeptieren wir beim Intellekt nur schwer.

    Implizit gelingt es uns schon, denn die meisten haben keine Schwierigkeiten damit, einem anderen Menschen zuzuhören, der über ein Thema offenkundig mehr weiß und darüber präziser referieren kann als man selbst. Aber als Zahlenwert möchte man es dann doch besser nicht wissen – weil irgendein verachteter, ungebildeter Dödel in der Bekanntschaft einen höheren Wert haben könnte.

    Ich kann es eigentlich keinem raten, sich einem solchen Test zu unterziehen, wenn er nicht sehr gute Gründe dafür hat. Wenn man zufrieden mit seinem Leben ist, beruflich und privat, und gut mit seinem Umfeld klarkommt, ist das auch vollkommen überflüssig. Die Tests sind psychologische Methoden, und immer wenn man Psychologie an das eigene Ich heranlässt, dann…

  • Talakallea Thymon sagt:

    REPLY:
    nun, einem menschen zuzuhören, der mehr weiß etc ist nicht schlimm; anzuerkennen, daß er mehr weiß, auch nicht. aber deinen eigenen ausführungen zum thema intelligenz zufolge ist diese ja eben nicht ein mehr an (erwerbbarem) wissen oder (lernbaren) können, sondern ein strikt inhärenter wert, der ein leben lang gleich bleibt und an dem man ebenso wenig etwas ändern kann wie an segelohren oder plattfüßen. das heißt, wenn ich einen menschen bewundere, der viel weiß, bleibt mir der trost, daß ich mit harter arbeit es so weit bringen kann wie er. bei der intelligenz ist es nicht möglich, mit der muß ich, gering oder hoch, leben, ebenso wie mit meinen segelohren.

    das schlimme ist aber: eine kindheit lang hat man uns eingetrichtert, wenn wir nicht zufrieden waren mit unserem äußeren, wenn der nachbarsjunge stärker war, wenn der banknachbar die kleineren ohren hatte: kinder, hat man uns gesagt, es kommt auf die inneren werte an.

    also trösteten wir uns mit der hoffnung, wenigstens die (schlechter vergleichbaren) besseren inneren werte zu besitzen. nur: intelligenz ist ein solcher innerer wert. und der iq eine methode, ihn knallhart zu vergleichen. (ich vermute, deshalb haben sich einige unzufriedene den eq ausgedacht, um auch etwas zu haben, sozusagen ein noch innererer „innerer wert“ …

  • Köppnick sagt:

    REPLY:
    Es gibt sehr viel mehr „innere“ Werte, z.B. Geschlecht, Haarfarbe, Klang der Stimme, die kann man auch nicht ändern. Man sollte seinen eigenen Wert nicht an einer Zahl festmachen, sondern daran, ob man das Gefühl hat, die einem gegebenen Möglichkeiten so auszunutzen, wie man es vermag.

    Das Konzept der multiplen Intelligenzen von Gardner hat zwar den falschen Namen, vermittelt aber die richtige Einsicht, dass die menschlichen Begabungen sehr vielfältig sind. Je mehr ich mit dem IQ-Konzept beschäftige, desto mehr gelange ich zu der Einsicht, dass dieses Messverfahren mehr Schaden anrichtet und Verwirrung stiftet, als es Nutzen hat.

  • Köppnick sagt:

    REPLY:
    Muttests gibt es jede Menge: In der Sächsischen Schweiz haben die Kletterer ganz eigene Skalen der Schwierigkeitsbewertung entwickelt, es gibt z.B. eine Skala für Sprünge zwischen zwei Felsen. Die Schwierigkeiten reichen von 1 bis 4, wobei die 4 als „Gottesurteil“ bezeichnet wird. Der gegenüberliegende Fels könnte da z.B. 3 Meter weit weg sein und die Landestelle 2 Meter weiter oben. Selbst wenn man angeseilt ist: Man springt, schlägt gegen die andere Felswand, reißt sich beim Versuch des Festhaltens die Hände auf, dann wird man von der Schwerkraft zurückgerissen und knallt ein paar Meter weiter unten, vom Seil gehalten, gegen die eigene Felswand. Dann wird man hinaufgezogen und darf nochmal.

    Oder Schmerztests: Man muss, solange man es aushält, seine Hand in einen Eimer mit Eiswasser halten. Mit diesem einfachen Test wurde übrigens das Märchen widerlegt, dass Frauen größere Schmerzen aushalten können als Männer. Bereits im unbeobachteten Zustand ziehen Männer ihre Hand später aus dem Wasser als Frauen. Und wenn zusätzlich ein Frau zuschaut, dann halten sie es doppelt bis dreimal solange aus. Bei Frauen bleibt das Verhalten hingegen immer gleich. Die Schmerzrezeptoren bei Männern liegen tiefer, weil ihre Haut dicker ist.

  • Talakallea Thymon sagt:

    das mit der dickeren haut ist dann ja aber gepfuscht. was mich allerdings entzückt, das ist der unterschied, den das wissen, vom anderen geschlecht beobachtet zu werden, ausmacht. ich hab es doch geahnt …

  • Schreibman sagt:

    sehr interessant zu lesen. Habe sehr viel dazugelernt. Bin wie Rosmarin zu feige, so einen Test zu machen. Und mit Sicherheit auch zu dumm, einen so hohen Wert zu erzielen wie ich ihn verdiene.

  • Köppnick sagt:

    REPLY:
    Na, wenn dir das gefällt mit dem dickeren Fell des Mannes und seiner Kontextabhängigkeit vom weiblichen Geschlecht, dann habe ich noch was Geklautes aus der Witzekiste:

    Gott erschuf den Esel und sagte zu ihm: „Du bist ein Esel. Du wirst unentwegt von morgens bis abends arbeiten und schwere Sachen auf deinem Rücken tragen. Du wirst Gras fressen und wenig intelligent sein. Und du wirst fünfzig Jahre leben.“

    Darauf entgegnete der Esel: „Fünfzig Jahre so zu leben ist viel zu viel, gib mir bitte nicht mehr als dreißig Jahre!“

    Und es war so.

    Dann erschuf Gott den Hund und sprach zu ihm: „Du bist ein Hund. Du wirst über die Güter der Menschheit wachen, deren ergebenster Freund du sein wirst. Du wirst das essen, was der Mensch übriglässt und 25 Jahre leben.“

    Der Hund antwortete: „Gott, 25 Jahre so zu leben, ist zu viel. Bitte nicht mehr als zehn Jahre.“

    Und es war so.

    Dann erschuf Gott den Affen und sprach: „Du bist ein Affe. Du sollst von Baum zu Baum schwingen und dich verhalten wie ein Idiot. Du wirst lustig sein, und so sollst du für zwanzig Jahre leben.“

    Der Affe sprach: „Gott, zwanzig Jahre als Clown der Welt zu leben, ist zu viel. Bitte gib mir nicht mehr als zehn Jahre.“

    Und es war so.

    Schließlich erschuf Gott den Mann und sprach zu ihm: „Du bist ein Mann, das einzige rationale Lebewesen, das die Erde bewohnen wird. Du wirst deine Intelligenz nutzen, um dir die anderen Geschöpfe untertan zu machen. Du wirst die Erde beherrschen und für zwanzig Jahre leben.“

    Darauf sprach der Mann: „Gott, Mann zu sein für nur zwanzig Jahre ist nicht genug. Bitte gib mir die zwanzig Jahre, die der Esel ausschlug, die fünfzehn des Hundes und die zehn des Affen.“

    Und so sorgte Gott dafür, dass der Mann zwanzig Jahre als Mann lebt, dann heiratet und dreißig Jahre als Esel von morgens bis abends arbeitet und schwere Lasten trägt. Dann wird er Kinder haben und fünfzehn Jahre wie ein Hund leben, das Haus bewachen und das essen, was die Familie übrig läßt. Dann, im hohen Alter, lebt er zehn Jahre als Affe, verhält sich wie ein Idiot und amüsiert seine Enkelkinder.

    Klingt lustig, beschreibt aber ziemlich zutreffend die männliche Rolle in der Evolution. Das Zitat enthält allerdings einen Fehler, den ich drin gelassen habe: Der Esel hat 20 Jahre abgegeben, der Mann lebt aber 30 Jahre wie ein Esel!? – Aber vielleicht steckt auch darin eine tiefe Wahrheit: Die 20 Jahre kommen einem wie 30 vor.

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