Albträume

21. August 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Immer wieder zwischen vergessenen Bildern das fehlende Bein, die Frau, Freundin, Bekannte, ich kenne sie nur halb, die den Fuß verloren hat. Ein Text mit Riesenbuchstaben schwarz und kantig und enggedruckt wie die Warnhinweise auf Zigarettenpackungen, aber keine Warnung, sondern die Feststellung einer Tatsache, „Ein roter Schnitt wird jetzt dein Leben teilen und bestimmen“, das meint den Fuß, sein Fehlen, die Tatsache, daß sie, wer immer es ist, diese Verletzung erlitten hat. Die Folgen dieser Verletzung jetzt aushalten muß, und ich mit ihr. Erschüttert mich bis ins Innerste. Quält mich. Im Traum der Gedanke an Prothesen, klack-klack. Die Hilflosigkeit. Das Nicht-mehr-Gehen-können.

Ich erwache, alles nur ein Traum. Bevor ich aber richtig erleichtert sein kann, schlafe ich wieder ein, und alles geht von vorne los. Diesmal fehlt der Fuß jemand anderem, einer Frau auch diesmal, die ich jedoch noch weniger kenne als die erste. Sie spricht davon, erzählt das Unglück, burschikos, wie man über ein kleineres Mißgeschick spricht. Meine Erschütterung genauso tief wie die des ersten Traums.

Dann Szenenwechsel. Meine Vermieterin spricht mir und meinen Eltern die Kündigung über unsere Wohnung aus, und es ist die Vermieterin, mit der ich in Wirklichkeit seit Juli einen Vertrag habe. Wir müßten das dann noch unterschreiben sagt sie und gibt uns mehrere unterschiedlich lange Plexiglasplatten, auf denen vermutlich irgendein Text abgedruckt ist. Ich habe den Hintergedanken, vielleicht noch einmal mit der Vermieterin zu sprechen und zu einer Einigung dahingehend zu gelangen, daß ich alleine doch wohnen bleiben darf, daß für mich also eine Ausnahme gemacht wird, ein Vorzug.

Später laufe ich in einem Gewächshaus und bin ganz enttäuscht über die kurzen Strecken, und daß man sich auf so kleinem Raum ja unmöglich verausgaben könne. Fast ist es ein Traum, wo man nicht vorankommt, die Beine nicht vom Boden lösen kann. Dahinein mischt sich noch ein weiteres Bild, eine Frau in einem Bus auf dem Platz neben mir, eine Schwarze mit langem Kraushaar, sie weint, und ich versuche sie zu trösten, sie sagt, es ist nicht deswegen, es ist, weil sie Angst um ihren Job hat. Das ist mir unangenehm, ich weiß, daß ihre Angst berechtigt ist, und kann ihr nicht helfen, nicht einmal Mut machen.

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