Von vorn

1. Juli 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Man müßte alles noch einmal von vorne erzählen. Es fällt schwer zu glauben, daß es nur eine einzige Geschichte geben soll. Der Raum hinter dem Rücken ist dämmrig. Jemand spricht gegen den Hinterkopf, lächelt einen Energiestrahl hinüber, und das Gewebe von Schatten und Raum erfährt eine winzige Erschütterung, die sich auf die Nackenhaare überträgt und sie in feine Schwingung versetzt. Es ist Sommer, noch einmal wäre Sommer. Eine Taube stürzt sich von der Dachrinne ins Sonnennetz, wo sie flügelklatschend im Nachmittag verschwindet. Stop.
Hier anhalten, in diesem Moment.
Das Lächeln
Die Schatten
Die Taube
Und von hier aus. Die Taube ist verschwunden, das Licht hat sich hinter ihrem Flügelschlag wieder geschlossen. Von hier aus einen anderen Atem nehmen und das, was jetzt normalerweise folgen würde, links liegen lassen. Stimmt alles nicht, es war anders. Ich beweise es dir. Du lächelst. Die Taube, in Ordnung, das stimmte noch, aber dann? Ich habe ganz anders geatmet, die Luft, sie schmeckte ein bißchen anders, ein Herzschlag folgte eine Mikrosekunde später oder früher, ein Blick rutschte nicht weg, blieb haften, ein winziger Riß läuft durchs Licht, entlang einer Sollbruchstelle in der Textur der Zeit. Eine Mikrosekunde früher oder später, das ist der ganze Unterschied. Und jetzt, von hier aus …
Man wird das alles noch einmal erzählen müssen.

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