Nostos kai algos

24. August 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wäre man erst gar nicht weggefahren, hätte man es nicht bemerkt, nicht in solch gräßlicher Schärfe. So aber kommt dem aus der Stille der abgelegenen Insel Heimgekehrten angesichts der brausenden Fahrzeugströme, der überfüllten Pendlerzüge, des polyglotten Elends allenthalben überscharf zu Bewußtsein, in was für einer mühseligen, stampfenden, lärmenden und banalen Tretmühle er sein tagtägliches Dasein fristet.

Fern von hier kann man, wenn man den Kopf dem Sand nähert, so daß das Meeresrauschen hinter die Dünen zum Gemurmel zurückfällt, die Sandkörner hören, wie sie sich an den Halmen des Strandhafers reiben. Am morgen war das. Da hatte man noch Schlick an den Füßen und die Sonne im Haar, und nichts stand dem Auge im Weg. Es gibt wenige Dinge, die so elementar sind, so unprätentiös machtvoll, wie die See. Und es gibt weniges, was so trivial ist wie eine Millionenstadt.

Langeoog

Ich habe mir einmal geschworen, es nie so zu machen wie meine Eltern. Vergebens, ich stecke schon mittendrin im Mist.

Besser, man fährt erst gar nicht weg. Wenn der einzige Effekt einer Urlaubsreise der ist, einem die Trübsal des Alltags durch Gegensätze zu Bewußtsein zu bringen, bleibt man besser zu Hause. Dann bleibt einem auch der Schmerz des Heimkehrens, die Nostalgie in ihrer Schattenbedeutung erspart.

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