Elternhaus

4. Oktober 2012 § 4 Kommentare

Beruhigend: Im Schatten einer Bücherwand einschlafen, Frieden finden unter der stillen Gewißheit der Buchstaben. Ihrem jederzeit entnehmbaren Sinn. Wie sie sich sanft anbieten, voller Zurückhaltung, sich nicht aufdrängen, zur Verfügung stehen. Wie sie bis unter die Decke wachsen und ihre Welten hinter Leder und Karton bergen, ins Schweben kommen, während die einbrechende Dämmerung ihre Titel durcheinanderwirft. Ihre Beredheit, hinter höflichem Schweigen versteckt. Das Licht ausmachen und ihre Stimmen losflüstern hören. Das Verläßliche einer solchen Wand. Die geordnete Vielfalt alter und ältester Stimmen, und alles, was schon war, und daß du dem mit den eigenen Schmerzen nichts mehr wirst hinzuzufügen haben. Du warst schon. Sie wissen dich. Angeschaut sein und erkannt und schon aufgehoben zwischen den Zeilen und Absätzen, wenn die Augen zufallen und der Finger aus den Seiten rutscht. Ein ruhiger Schatten über der müden Stirn: Aufgereiht stehen da die stummen Geschichten freundich an die Ränder des Schlafs geneigt; wartende Träume, bereit, sich dem Schläfer zu nähern, wenn er nur will.

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