Kritzel

16. Januar 2014 § 3 Kommentare

Ein Morgen wie ein Buch, in das man nicht hineinfinden will. Schon die ersten Minuten verwirren. Figuren tauchen auf um zwei Augenblicke später wieder verschwunden zu sein. Wenn sie sprechen, tun sie das nicht miteinander. Andere wechseln den Namen. Wieder andere das Gesicht. Die Architektur eines Wohnzimmers erschließt sich nicht, die Landschaft eines Flußtales ergibt keinen Sinn, so vermischt aus Nahem und Fernem sind ihre Merkmale. Ereignisse bewirken ihre eigene Ursache. Stunden werfen mir Namen zu, die sich an keinem Gesicht festmachen. Zurückgebogen in sich selbst, verknäuelt in Schleifen, an den Rändern ins Ungangbare flimmernd, führen die Wege nicht hinaus, nicht hinein, nicht her, nicht hin. Der Blick kann ihnen nicht folgen, fällt aus der Spur, während sie die Dimensionen wechseln.
Mühsam lege ich Wörter aus, klopfe Silben fest, schnüre Sätze zusammen, braue brüchige Stege, die mir diesen fremden Morgen mit Eigenem gangbar machen. Ein Buch, das ich in ein fremdes Buch hineinschreibe. Atemzüge aus Papier. Blicke aus Tinte. Meine Herzschlag: Ein Palimpsest.

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