Lebensmaschine

13. Dezember 2016 § Ein Kommentar

Und so geht es immer weiter.
Als wäre nichts gewesen. Es ist erstaunlich. Es ist unheimlich. Es hat die Unerbittlichkeit einer Maschine, einer Lebensmaschine, die ich, der Teil von mir, der glaubt, zu denken, zu lenken und den Überblick zu haben, mühsam bewohne. Mühsam. Weil man ja nicht anders kann, als zu wohnen. Nicht mehr zu wohnen, gar nicht mehr … unvorstellbar. Keinen zweiten Gedanken wert.

Leben als eine Droge. Der Stoff macht keinen Spaß mehr, man braucht ihn. Man ist seiner überdrüssig, man saugt ihn ein. Gierig saugt man. Weil man nicht anders kann. Auf dem Leben hängengeblieben.

Morgens, vor dem Aufstehen. Der Radiowecker plärrt. Gleich stehe ich auf, denke ich, gleich, und bleibe liegen. Gleich, denke ich, wirst du aufgestanden sein, wirst die Bettdecke weggeschlagen haben, die Beine über die Bettkante geschwungen haben. nach den Hausschuhen getastet haben. Gleich wird, denke ich, dieser Gedanke Wirklichkeit sein. Wie kann es dazu kommen? Unbegreiflich. Warum bleibe ich nicht liegen? Unbegreiflich. Warum vergeht die Zeit? Warum wird gleich später sein, warum – – –

Habe ich wirklich eben die Bettdecke weggeschlagen, die Beine über die Bettkante geschwungen, nach den Hausschuhen getastet, setze ich gerade wirklich die Brille auf, gehe ich wirklich in die Küche, schließe ich wirklich das Fenster, fährt dort wirklich ein Mofa durch die Straße, bin ich das überhaupt? Wie ist es möglich, daß ich das bin?

Lebensmaschine. Zeitmaschine, ein Werk, das Zeit produziert und vernichtet, unaufhörlich, noch im Schlaf. In dieser Maschine feststecken und sich selbst beobachten, wie man sich selbst beobachtet, wie man vorausschaut auf den Moment, wo man, eine halbe Stunde später, auf einem Feldweg laufen wird. Die Furcht davor. Die Furcht, diesen Moment wirklich Wirklichkeit werden zu lassen, um dann auf den Moment zurückschauen zu müssen, an dem man zu dem, was jetzt (jetzt?? dann??) wirklich ist, vorausschaute, um den Moment, wo man zu dem Moment, wo man zu dem, was jetzt ist, vorausschaute, vorausschaute. Um dann den Moment … wo man …

Die Furcht davor, diesen Moment nicht Wirklichkeit werden zu lassen.

Vielleicht nie mehr. Niemals.

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