COP23

6. November 2017 § 7 Kommentare

Es ist im Grunde ganz einfach:

    – Nicht fliegen
    – Nicht Auto fahren
    – Energie sparen
    – Regionale und saisonale Produkte essen
    – Güterkonsum aufs Nötigste reduzieren

Das ist nicht übermäßig kompliziert und hinlänglich bekannt. Das muß man auch nicht lange #erklimadasmal-en. Und statt sich den Kopf über den klimafreundlichsten Föhn zu zerbrechen, könnte man auch einfach die Haare an der Luft trocknen lassen.

Man könnte noch einen sechsten Punkt anführen:

    – Keine Hoffnung auf politische Lösungen (Stichwort „Klimagipfel“) setzen.

Eine Verminderung des Ausstoßes von Treibhausgasen (geschweige denn eine echte Absenkung des Kohlenstoffdioxidgehalts der Erdatmosphäre) ist innerhalb der herrschenden Wirtschaftsordnung (Wachstum! Wachstum!) und unter Beibehaltung des derzeitigen westlichen Lebensstils (mein Auto, mein Wäschetrockner, meine Ägyptenreise, mein Föhn) nicht zu erreichen. Da können die Damen und Herren Politiker gipfeln, solange sie wollen. Auch die Demonstrationen gegen den Braunkohleabbau sind zwar gut gemeint, hakeln aber an inneren Widersprüchen. Woher soll denn – bei unverändert anwachsender Produktion, anhaltendem Konsum und steigender Mobilität – die Energie bitte kommen? Aus Atomkraftwerken? Man hört die Atomkraftgegner aufjaulen. Aus dem Windpark? Man hört die Landschaftsschützer aufjaulen. Also woraus dann? Aus Maoam?

Wissen Sie, was mich depressiv macht? Da gibt es jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit an der Kasse mancher Supermärkte schulkindgroße Weihnachtsmänner aus transparentem Plastik. In diese Form eingelassen eine wahre Cornucopia aus allerlei pralinoiden Süßigkeiten, jede Sorte in ihrem eigenen Schächtelchen, und jedes einzelne Pralinoid innerhalb der Schächtelchen in Alufolie verpackt. Und von diesen monströsen Dingern steht da ein halbes Dutzend in jedem Supermarkt. Zum Kaufen, versteht sich, nicht zum Anstaunen. Stehen da und gesellen sich zu Tonnen Lamettas, Schokobischöfen, blinkenden Pudelmützen, künstlichen weißen Bärten, in drei Lagen Cellophan gewickelten Freßkörben, Polyethylen-Weihnachtsbäumchen, Leuchtstoffkerzen mit elektronisch generiertem Flackern, Steiff-Rentieren, Pralinenschlitten, Adventskränzen aus Polystyrol und Fertigbau-Adventskalendern in allen Farben, Werbeaufdrucken und Dimensionen, die man sich nur vorstellen kann. Und drei Tage nach Weihnachten landet das alles auf dem Müll. Da stehe ich an der Kasse mit meinem Mehl, Zucker, Butter, Eiern und Korinthen, und muß mir auf die Lippe beißen, um nicht loszuheulen.

Sie müssen nicht die Sache mit der globalen Erwärmung den Klimagipflern überlassen. Sie können selbst tätig werden. Heute schon. Jetzt.

Die Sache ist nämlich wirklich ganz, ganz einfach. Fangen Sie am besten mit dem Föhn an.

Edit: Das hier ist ungefähr auch meine Position.

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§ 7 Antworten auf COP23

  • Lakritze sagt:

    Danke. Weniger asketisch ginge es auch: Güterkonsum aufs Nötige reduzieren. Weglassen, was man überhaupt nicht braucht, wär schon ein ganzer Berg.
    Das „Weil ich es mir wert bin“ des Konsums ist gründlich anerzogen. Das stellt man nicht gern in Frage.

    • Solminore sagt:

      Weniger ist eben manchmal werter. Wir brauchen eine Ästhetik des Weglassens.

      • Lakritze sagt:

        Ästhetik ist schön, reicht aber nicht. Wenn Wert nur ist, was man kaufen kann, wird es sehr, sehr eng.

        • Solminore sagt:

          Deswegen eine andere Ästhetik. Eine, die mit Geld nicht zu haben ist. So wie es grad läuft, wird noch aus vermeintlichem Verzicht ein Geschäft gemacht, indem man was anderes dafür anbietet. Darum, daß Weglassen ein Gewinn sein kann (weil es das Leben übersichtlicher und einfacher macht), geht es nie. Höchstens um Konsumberater, und da könnte ich schon wieder ausrasten.

  • „Eleganz und Verzicht“ hat hier jemand auf ein Mäuerchen gesprüht. Die Eleganz, die im Verzicht liegt, erscheint mir erstrebenswert und hat etwas mit Würde zu tun, also mit der Würde, die darin liegt, sich nicht mit Konsum betäuben zu müssen. Die Antwort kann, je nach der persönlichen Lebenssituation allerdings unterschiedlich ausfallen. Ein Rollstuhlfahrer, eine Mutter mit Kleinkind oder eine alte Person brauchen Dinge, auf die ich (noch) verzichten kann.

    Ich bin Ihrer Meinung, Herr Solminore, nur habe ich wenig Hoffnung, dass genügend Menschen die Notwendigkeit des Verzichts erkennen werden (wollen). Viel eher sehe ich um mich herum ein völlig rücksichtsloses Verlangen nach „schneller, höher, weiter“.

    • Solminore sagt:

      Nahrung, Kleidung, ein Dach überm Kopf, oder eben ein Rollstuhl, ein Rollator, ein Asthmaspray — es gibt unhintergehbare Bedürfnisse, von deren Erfüllung das Leben abhängt. Und es gibt allerlei Firlefanz, der nur dazu da ist, die Räder am Laufen zu halten, wie etwa diese süßkramgefüllten Weihnachtsmänner. Ich glaube, da sind wir uns eh einig.

      Pessimistisch bin ich wie Sie, ich fürchte aber, der Verzicht wird eines Tages sowieso kommen, dann aber unter dem Zwang des Mangels. Und die Verteilungskämpfe, die dann ausbrechen werden, nun: Die möchte ich lieber nicht erleben. Dann lieber jetzt schon freiwillig verzichten, um es nicht so weit kommen zu lassen.

  • Lakritze sagt:

    Ha, der Herr Paech traut sich was; das gefällt mir. Der Zwang zum Glück durch Übertrumpfen des Nachbarn mag menschlich sein, sinnvoll ist er nicht.

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