8. November 2017 § 5 Kommentare

 
Der Himmel, wie er zwischen den ausgedünnten Wolken hervorschimmert, so blaß, als müßte er sich, nach Tagen des Im-Flachen-Dümpelns, erst seiner alten Tiefe entsinnen.

Die Wege und Flußadern und Meeresküsten in den Atlanten des Laubs. Noch einmal Muskelspiel der Farben, schon ausgezählt.

Ich habe jemanden enttäuscht. Das bedeutet immer auch: mich selbst. Ich weiß es noch nicht, während ich durch den Herbst laufe wie durch ein nicht ganz artgerechtes Vivarium, noch glaube ich mich meiner Unabhängigkeit wirklich zu freuen, aber der Abend wird in Tränen enden.

Nichts kommt näher, nichts entfernt sich. Um von einem Ende des Felds zum andern zu gelangen, verbrauchen Spaziergänger das Licht eines ganzen Nachmittags. Die Gesicher bleiben helle Flecke, die Scholle keucht dunkel, das Rascheln von Schritten trägt Meilen. Irgendwo hinter den Wipfeln haben Krähen zu tun. Kinderwagen zählen, und Hunde.

Die Wolken sind gespannte Schleudern. Die Ladung ist Wind.

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§ 5 Antworten auf

  • Unabhängigkeit ist schwer, wenn sie auf anderer Leute Kosten geht. Ich habe die Erfahrung gemacht, einmal von der einen, einmal von der anderen Seite. Manchmal geht es aber nicht anders.

  • Eine Enttäuschung ist für mich das Ende einer Täuschung, wie eine Bitte um Entschuldigung. Beide haben mit mir zu tun. Wie gehe ich damit um?
    Unabhängigkeit. Ein grosses Wort, auch ich strebe danach. Ich kaufe keine Hosen. in denen schon Löcher sind, auch wenn das grad modern. Löcher kriege ich da selbst hinein, schon lebenslang.
    Abhängig möchte ich von keinem Menschen sein.
    Bei Hosen ist es mir leichter zu unterscheiden.
    Wo mache ich mich abhängig? Vielleicht am Arbeitsplatz?

  • Lakritze sagt:

    So traurig, so schön. (Und Verbundenheit kann wehtun; das weiß ich auch. Aber es ist Verbundenheit.)

  • rotewelt sagt:

    Ja, schön und traurig. Ich bin vor kurzem enttäuscht worden, indem ich getäuscht wurde. Der Mensch, der mich enttäuscht hat, ist gleichzeitig von mir enttäuscht, weil er seine Täuschung nicht erkennt oder vielmehr als Grund für meine Enttäuschung vollkommen unwichtig findet. So bleibt Sprachlosigkeit auf beiden Seiten.

    • Solminore sagt:

      Ich denke, in den seltensten Fällen geht der Ent-Täuschung der einen eine bewußte Täuschung der anderen Seite voraus. Eher täuschen wir uns selbst (in uns und im andern), als daß wir getäuscht werden, sind also im Irrtum, und die Ent-Täuschung wäre dann treffender als Ent-Irrung zu bezeichnen.

      Nach jeder Enttäuschung ist man aber den tatsächlichen Verhältnissen ein Stück näher gekommen, nicht? Man könnte auch sagen, man ist er-nüchtert.

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