21. Februar 2018 § 2 Kommentare

Allein bei Nacht im finsteren Wald, das ist nicht schlimm. Schlimm ist nicht allein bei Nacht im finsteren Wald.
Da war zum Beispiel neulich dieses Geräusch. Es hörte sich an wie ein Hundegebell – und doch wieder nicht. Eher ein Knall. Ein Gerumpel. Und dann doch wieder ein Bellen. Egal, was es war, es machte Angst, weil es unbekannt war. Die normalen Geräusche des nächtlichen Waldes sind mir alle vertraut, nicht einmal ein Wildschwein oder Hirschgebell kann mich ernstlich aus der Fassung bringen. Aber das hier, das war etwas ganz anderes, das war keiner Quelle zuzuordnen, das klang sofort nach Gefahr. Selbst wenn es Hunde gewesen wären: Hunden, die so bellen, will ich nicht begegnen, nicht allein im dunklen Wald und auch sonst nicht. Viel beunruhigender als die eventuelle Tatsache von Hunden war aber der Ort und der Zeitpunkt. So tief im Wald führt gegen sechs Uhr niemand seinen Hund aus. Es sei denn, es ist ein Jagdhund. Mit Jagdhunden habe ich indes keine Erfahrungen, ich kann nur alles zwischen Promenadenmischung und Pinscher einschätzen. Natürlich dachte ich sofort an den Fall der britischen Touristin, die in Griechenland einer Meute Wildhunde zum Opfer fiel.
Das sind Momente – zum Glück sind sie sehr selten –, wo ich mir allen Ernstes überlege, umzukehren. Nun habe ich das zwar noch nie wirklich gemacht, aber spaßig ist der Lauf dann – bis zum Moment, wo sich der Lärm als das Gerumpel von Baumstämmen beim Umladen entpuppt – ein Spaß, wie gesagt, ist das dann nicht mehr.

Oder Lichter. Was zum Kuckuck! Da leuchtet doch was. Links im Wald, in unbestimmter Entfernung. Da gibt es nichts zu beleuchten, da ist nichts von Interesse, da ist nicht einmal ein Weg! Lichter haben da nichts verloren. Jetzt schwankt es, verschwindet hinter Bäumen. Jetzt taucht es wieder auf. Lautlos. Manchmal begegne ich Fahrradfahrern. Aber Fahrradfahrer benutzen, genau wie ich, Wege. Dieses Licht da drüben, ein weißes Scheinwerferlicht, zuckt in wegloser Wildnis. Und jetzt geht es aus.

Ich denke da immer an Science-Fiction-Filme, wo das außerirdische Raumschiff auch immer bei Nacht in irgendeinem nebligen Sumpf landet. Es gibt keinen besseren Katalysator für Horrorphantasien als sich allein im Wald bei Dunkelheit aufzuhalten. Doch: sich in einem Wald aufhalten, bei Dunkelheit, in dem Lichter umherspazieren und unklare Ursachen Geräusche machen. ein Wald, in dem man nicht länger allein ist.

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