Von einer Reise zurück finde ich

20. Mai 2019 § 8 Kommentare

Von einer Reise zurück finde ich Sonntag abend im Briefkasten zwei Zeitschriften. In der einen, dem Propagandablatt meiner Versicherung, findet sich ein Loblied auf die neue „Gesundheitsakte“, mit der Versicherte „ab sofort digital alle für sie relevanten Gesundheitsdaten (wie den aktuellen Stand aller Vorsorgeuntersuchungen, Diagnosen, Termine, Medikamentenübersicht, Krankenhausentlassungsberichte) sammeln“ könnten. Einfach die erforderliche App aufs Smartphone runterladen, fertig. Die Daten würden „auf deutschen Servern verschlüsselt abgelegt“. Die Teilnahme sei freiwillig. Freiwillig ist auch die Teilnahme an einem Preisausschreiben für Versichterte, die neue Mitglieder angeworben haben: Es winkt als Hauptgewinn ein Fitnesstracker.

Die zweite Zeitschrift ist die neueste Ausgabe des Magazins von Amnesty International mit einem langen Bericht über den Wandel Chinas zum vielleicht technisch versiertesten Überwachungsstaat der Welt.

§ 8 Antworten auf Von einer Reise zurück finde ich

  • Und die Süddeutsche wunderte sich dieser Tage, warum die Deutschen immer noch so gerne bar zahlen. Hier: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bargeldloses-bezahlen-norwegen-skandinavien-1.4451056

    Kürzlich habe ich von Berufs wegen an einem Seminar zum Thema „Digitalisierung“ teilgenommen. Es hat mich darin bestärkt, mit meinen Daten noch vorsichtiger umzugehen. Diese Wirkung sollte das Seminar allerdings gerade nicht haben.

    • Solminore sagt:

      Man kann nur hoffen, daß diejenigen, die das Bezahlen mit elektronischen Mitteln für praktisch halten, nicht eine Mehrheit werden. Die Abschaffung des Bargelds ist einer der gruseligeren Alpträume meiner pessimistischen Nächte.

  • Anhora sagt:

    Genau wie in China fragen sich auch hier die Menschen, ob das alles nun gut für sie ist oder nicht. Kann man auch nicht mit einem Satz beantworten.

    • Solminore sagt:

      Ich habe leider den Eindruck daß die Menschen sich bei weitem nicht genug fragen, ob das alles gut für sie ist. Sie finden es praktisch. Das ist das, was man meistens so hört. Oder sie haben nichts zu verbergen und ähnlichen Unsinn.

      • Anhora sagt:

        In einer Doku sah ich, dass die Menschen in China sicherer fühlen seit der Totalüberwachung. Die Kriminalität sei tatsächlich gesunken. Da weiß man dann nicht mehr, was richtig ist und was falsch.

        • Solminore sagt:

          Man darf sich die Frage stellen, ob eine niedrige Kriminalitätsrate die Totalüberwachung rechtfertigt. Oder welches Gut die Totalüberwachung rechtfertigen würde. Da wird man immer was finden, fürchte ich. Die Frage bleibt, ob der Preis der Freiheit nicht zu hoch dafür ist.

          Außerdem suggeriert eine solche Argumentation, daß Hinz und Kunz sofort straffällig werden, sobald sie sich unbeobachtet glauben. Das darf man bezweifeln. Kriminalität hat viele Ursachen (beispielsweise Armut und soziale Ungerechtigkeit), von denen jede einzelne je eigene Maßnahmen zur Prävention nahelegt.

          • Anhora sagt:

            Interessant ist dazu noch das Detail, dass lt. Der Doku in China immer mehr Menschen, die es sich leisten können, aus den Großstädten mit ihrer Totalüberwachung wegziehen. Ob sie auch das Land verlassen, weiß ich nicht mehr.

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