Locus transiens

5. November 2020 § Ein Kommentar

Die Zeit: Gestern im Hauptgebäude wegen der Grippeimpfung. Dozentenzimmer, ein heller, unbestuhlter Raum mit Parkett, gegenüber der Aula 2. War es hier, dachte ich, als ich darauf wartete, eingelassen zu werden und durch die halboffene Tür schaute, hier muß das doch gewesen sein, jener Abend der Verabschiedung Professor Stephanys. Oder nicht? In diesem Moment kam es mir wieder so vor, als vergingen die Orte ebenso wie die Zeit, mit ihr, in ihr. Es gibt ein Damals des Dozentenzimmers (wenn es dieser Raum war, aber was heißt dann noch dieser Raum? Es heißt so viel oder so wenig wie ein wiederkehrendes Datum, also etwa der 22. Juli, jedes Jahr ein anderer Tag und auf eine recht sublime Weise nur „derselbe“), ein Damals dieses Raumes, so wie es ein Jetzt dieses Raumes gibt, seine Fortsetzung ins Heute. Aber in welchem Sinne ist es derselbe Raum? Ich versuche mir vorzustellen, wie das damals war, Sommerabend, der Raum mit Tischen und Stühlen versehen, die zu vorgerückter Stunde zusammengeschoben wurden, um eine vertrautere Runde zu bilden. Ich weiß kaum noch etwas über den Abend, außer, daß ich damals auf dem Weg zum Institut einem Trupp von dort begegnete, der bereits auf dem Weg zur Festlokalität war, was Erheiterung auslöste und mir die Hektik des Erklärenmüssens einflößte; daß Stephany statt Blumen und Geschenken um Spenden für irgendein Kinderhilfswerk bat; daß ihre Ziehtochter anwesend war, und von diesem Menschen her ein schmaler Streif Lichts in das Privatleben der strengen Wissenschaftsgouvernante fiel, das fällt mir jetzt erst wieder ein; und daß Frau Ohlshausen, von der ich doch glatt den Vornahmen vergessen habe, zu diesem Zeitpunkt selbst schon in Rente, mit Frau Stephany zum Du übergegangen war.

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