Gehacktes

5. Februar 2021 § 4 Kommentare



Soja-Hack von R*genwalde. Angeblich täuschend echt und von echtem Hack aus Thier nicht zu unterscheiden. Lecker? Sagen wir so: Die Fasern kleben nicht so sehr zwischen den Zähnen wie bei echtem Fleisch.

(Im Ernst, wer sich davon täuschen läßt, der hat ein gestörtes Verhältnis zum Rind.)

Mahlzeit

27. September 2019 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn die Katze endlich zu fressen beginnt, gibt es ein Geräusch, als drehte man den Löffel in der Zuckerdose um. Dann folgt ein Schmatzen. Wenn die Katze endlich zu fressen beginnt, wählerisch, vorsichtig, als wäre die Mahlzeit noch fast zu heiß, fängt sie vorne an, am Schädel, sie beißt mit den hinteren Zähnen seitwärts zu. In der Mitte knirscht es nicht mehr, erst das letzte Stück, das am Schwanz festhängt wie ein Köder an der Angelschnur, gibt noch einmal ein mürbes Krachen, ein Krächeln, von sich. Der Bauchraum läßt eine graue Ziehharmonika aus Enddarm frei, der bleibt übrig und schleift eine Blutspur über den gekachelten Boden des Hausflurs. Magen, Leber, Lunge wandern ins Maul der Katze. Die Nieren werden verschmäht, scheinen, wie der Enddarm, nicht zu schmecken. Es krächelt, und der Unterleib verschwindet zwischen den Zähnen, nicht einmal der Schwanz, den ich mir unangenehm im Kaugefühl vorstelle, (aber was weiß ich schon vom Kaugefühl einer Katze, und wäre mir der Schädel samt Kiefer und Nagezähnen oder das Becken lieber?) ähnlich einem Stück Pelle am Ende der Wurst, bleibt übrig, übrig bleiben neben dem Darm nur zwei, halt, drei hellrote, glatte Kügelchen. Drei? Wieso hat diese Maus drei Nieren besessen? Doch was da nach dem Aufwischen kleinfingernagelgroß und annähernd rund auf dem Küchenkrepp liegt, sind keine Nieren. Unter einer gespannten glatten, transparenten Membran zeichnen sich Körperformen ab, liegt etwas eingefaltet wie eine Made, wie ein Parasit, sind am Ende einer Raupenform, aus der Pfotenwülstchen herauswachsen, winzige Schädelchen mit punktförmigen, schwarzen Augen daran auszumachen, die betreten dreinblicken, als wären sie bei einem dummen Streich ertappt worden, dessen tatsächliche katastrophale Folgen sich noch gar nicht zu erkennen gegeben haben.

24. Juli 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

(Was man im Bruchteil einer Sekunde sieht (und den Rest muß man dazuerfinden): Den Speckbauch, schon sommerlich vollgefressen. Wie das Stumpfe der Borsten auf Rücken und Flanke an der Bauchunterseite des Tiers ins Glänzende von nackter Haut übergeht. Die Streckung des Körpers, gefolgt von einer muskulösen Kontraktion, der im Galopp eine weitere Streckung folgt, es ist, als fliege da ein nackter Bizeps übern Weg. Die sagenhafte Größe des Schweins, es fehlen nur noch Hörner auf der Nase. Die immerhin hat es nicht, oder sie waren in der kurzen Zeit nicht erkennbar. Erkennbar aber die Eile, die gehetzte Panik, mit der es hofft, noch vor diesem seltsamen Zweibeiner von Deckung nach Deckung zu gelangen. Es entschließt sich, hat sich entschlossen, kann nicht mehr zurück, kann nur noch voran mit seinem enormen, beweglichen Gewicht und alles geben. Danach ein Schnaufer aus dem Unterholz, als atme da jemand erleichtert auf oder vielleicht ist es ein Wildschweinfluch, der dem zweibeinigen Störenfried gilt.)

Mitnotiert: Rehe

12. Oktober 2017 § Ein Kommentar

Noch nie bin ich einem Reh so nahe gekommen, fast hätte es einen Zusammenstoß gegeben. Das erste entschied sich, noch über den Weg zu laufen, fürs zweite wurde die Zeit zu knapp – es blieb mit einem Ruck stehen, den Körper halb zur Flucht gedreht, die Beine unsortiert über Kreuz, die Augen zwei Reflexe des Schreckens. Das Tier war verblüffend klein; hätte es neben mir gestanden, hätte es mir höchstens bis zum Knie gereicht. Die im Vergleich zum Kopf riesigen Ohren waren aufgestellt und nach vorne gerichtet. Alles an diesem Tier war Alarm. Und mir tat es leid, es erschreckt zu haben. Ich entließ es aus dem Bannkreis der Lampe, ließ den Wald hinter mir in die Dunkelheit zurückfallen, wandte mich, fiel wieder in Trab. Hinter mir knackte es leise im Unterholz.

Einmal habe ich an einem Herbstmorgen am Bahnhof einen Vogel am Boden liegen gesehen, von dem ich glaubte, er sei tot. Es war ein Rotkehlchen. Neben dem winzigen Leib, so winzig, daß man glauben mochte, er wiege nichts, lag eine zerfledderte Illustrierte; abseits rollte ein Coffee-to-go-Becher vor sich hin; vor dem Vogelköpfchen erhob sich riesig und das Leuchtstoffröhrenlicht des Unterstands spiegelnd eine Glasscheibe. Wahrscheinlich war der Vogel dagegengeflogen. Jetzt lag er halb auf der Seite, halb hockte er aufrecht, so daß das zum schmalen Schlitz geöffnete linke Auge in der leichten Drehung des Körpers nach oben wies, auf mich gerichtet war. Ich bekam einen Schreck: Lebte der Vogel denn noch? Tote Vögel, überlegte ich, haben geschlossene Augen. Ich bückte mich näher. Das Rotkehlchen lag völlig reglos, sein Auge starrte mit halbem Blick, es war nicht zu sagen, ob es tot war oder tief in seinem winzigen Innern noch lebte, noch litt.

Man kommt dem Tier nie wirklich nahe; es bleibt immer eine Kluft. Wir wissen ja nicht einmal, wie unsere menschlichen Zeitgenossen fühlen, wieviel weniger können wir es bei einem Tier ahnen. Eine Kluft, eine Traurigkeit, eine Sehnsucht: Nach dem verlorenen Leben, nach der verlorenen Unschuld. Die Sehnsucht danach, fraglos dazusein, und dazu keiner Hilfsmittel zu bedürfen: selbstwirksam und selbstgenügsam, sein eigener Herr. Die Sehnsucht auch, keine Zukunft zu kennen, keine Not, bis auf den Hunger des Augenblicks. Sicher, auch das Tier stirbt. Es stirbt, und weiß aber nicht, daß es stirbt. Wir aber haben den Tod ein ganzes Leben lang bei uns. Ist dieser lang erwartete Tod besser?

Ich konnte nichts tun. Ich entfernte mich leise, wie man sich von einem Schlafenden entfernt, stellte mich in eine andere Ecke des Unterstandes und schaute in den zunehmenden Regen. Ich war völlig allein auf dem Bahnsteig. Ich und der Vogel. Ein paar Momente verstrichen. Ich schaute wieder hin. Das Tier war im verschlissenen Licht der Leuchtstoffröhren kaum mehr als ein unscharfer Fleck. Ich schaute wieder weg. Tiere sterben, dachte ich, Tiere leiden, du kannst nichts tun. Ich schaute wieder hin, zwanghaft, wie man das Photo einer Greueltat in der Zeitung anschauen muß. Ich bekam einen Schreck: Hatte der diffuse Fleck sich bewegt? Oder war es das schwache Licht, das im Verein mit meiner unausgeschlafenen Müdigkeit die Umrisse des Vogelflecks neben der Illustriertenruine tanzen ließen?

Einmal, auf einer Wanderung, traf ich auf ein totes Frettchen. Es lag, alle Viere von sich gestreckt, auf dem Rücken, den Kopf nach hinten und zur Seite geneigt, mitten auf dem Feldweg, vollständig außer Deckung. Äußerlich unverletzt, klebte auf der Schnauze ein winziger Blutstropfen. Um den buschigen Schwanz herum trocknete eine Urinpfütze in der warmen Sommersonne. Was immer geschehen war, es war eben erst geschehen, und es war endgültig geschehen. Die Felder waren menschenleer. Kein Raubtier, kein Auto, kein Traktor zu sehen. Die Wege spannten sich in alle Richtungen. Am Himmel zogen Schönwetterwolken. Ich war der einzige Zeuge. Ich ging weiter.
Man dachte, es müßte verschwinden, so ein Anblick hielte die Entfernung nicht aus, das Triviale des Raums, das Triviale der Unkenntlichkeit; aber als ich mich nach ein paar, nach zehn, nach hundert Schritten umdrehte, war es immer noch da, kleiner und unkenntlicher mit jedem Umdrehen, einem absurden und trivialen Gesetz unterworfen, für das es einfach nicht gemacht schien, nicht passen wollte. Aber es war genauso tot wie etwas, das nie gelebt hatte. Und dann war es nur noch ein Fleck in der Wegtiefe, der alles mögliche bedeuten konnte, Pferdeapfel oder Erdkrümel oder Maiskolben.

Nein, das Rotkehlchen bewegte sich wirklich. Der Kopf pickte, spähte, drehte sich hierhin und dahin, mit jener zuckenden Bewegung, wie sie kleinen Vögeln eigen ist. Ich beobachtete das eine Weile, trat aus dem Unterstand heraus und näherte mich der Stelle von der anderen Seite, von außen. Ich hatte den Fleck kaum ausfindig gemacht, als das Rotkehlchen auch schon davonschoß, mühelos, flink. In drei Bögen war es über die Gleise weg und verschwand, nur ein Fingerschnippen der Nacht, in der Dunkelheit jenseits der Bahnhofslaternen.

Fasan

18. Mai 2017 § Ein Kommentar

Auf den Feldern, an einer Hecke, die eine Pferdeweise abteilt, ein leuchtender Fleck am Boden. Ich bin schon fast vorbei, als mir dämmert, was das war, bleibe stehen, sehe nach, tatsächlich: ein Fasan samt Fasenne. Sie, Lieschen Müller, geduckt und grau im Gras, er unerschrocken bunt und mit aufgerichtetem Haupt nach mir spähend. Und wie ich so stehe und zurückspähe, setzt sich der Hahn in Bewegung. Nicht von mir weg, nein, parallel zum Weg über die Wiese stakst er kühn in die freie Fläche des niedrigeren Grases und präsentiert mir dabei seinen bunten Kopf, bleibt stehen, reckt sich noch höher. Stolz, als hätte er gerade das Mannsein erfunden, läßt er mich keinen Moment aus den Augen. Ich vermute, er will mich von seiner Fasenne ablenken, die tatsächlich längst verschwunden ist, wahlweise, sie vor mir verteidigen. Gegen so einen prächtigen roten Lappen um den Schnabel habe ich hier mit meiner eher unscheinbaren Mütze und dem rasierten Kinn nichts zu melden. Eine Weile messen wir uns mit Blicken, aber es ist klar, wer hier nachgeben muß. Als der Vogel merkt, ich gehe weiter, zieht er sich, langsam und gelassen, soll hier ja keiner an Flucht denken, zurück und schreitet, immer erhobenen Hauptes, in Siegerpose, davon, aber kaum hat er die Beine der unbeeindruckt weitergrasenden Pferde erreicht, gibt er, schon fast in Reichweite der Deckung, wo nichts mehr schiefgehen kann, Fersengeld (haben Vögel Fersen?) und verschwindet mit einem Satz im Schutz der Hecke. Erst als ich sicher außer Reichweite bin, krächzt er mir noch seinen Triumph nach, unsichtbar aus dem Gebüsch, oder vielleicht gibt er auch bei seiner Fasenne an, wer weiß.

Befreund’te Scharen

12. November 2016 § 2 Kommentare

Den ganzen Tag das Trompeten der Kraniche, Schwarm um Schwarm ziehen sie, immer die gleiche Spur haltend, über die Stadt.
Wie hoch mögen sie fliegen? Man sieht die langen, schlanken Hälse, die Schwingen, es müssen gewaltige Schwingen sein, sähe man sie aus der Nähe. Sie flattern nicht, sie schreiten am Himmel, sie marschieren. Sie haben es eilig, sie halten sich nicht auf, als wären sie spät dran. Man hört sie, lange bevor man, knapp unter den tiefhängenden Wolken, ihre V-Formation entdeckt. Über den Köpfen ziehen sie vorbei, immerzu trompetend, und weiter und davon, bis das letzte Schwingenpaar im Dunst der Ferne verschwunden ist. Da taucht schon im Norden der nächste Schwarm auf. Manchmal halten sie inne, kreisen, als müßten sie über die einzuschlagenden Richtung diskutieren. Bald aber übernimmt ein anderes Tier die Führung, der Keil formiert sich, und weiter geht’s. Wenn man ganz genau hinhört, kann man das Rauschen an den gespreizten Schwungfedern hören.
Sie sind wunderschön.
Kaum jemand am Grund schaut auf, obwohl das Trompeten nicht zu überhören ist. Alle, scheint es, haben hieniden wichtigeres zu tun. Aber das stimmt ja nicht.
Die Kraniche sind es, die wichtigeres zu tun haben, bedeutsamere Geschäfte als wir, denke ich, und ich schaue und schaue, bis mir der Nacken schmerzt. Und: Nicht sie sind spät dran.
Wir sind es, mit allem.

Von drauß vom Walde

1. Januar 2016 § 2 Kommentare

IMG_4495

Keine Begegnung

23. Mai 2015 § 3 Kommentare

Auf einer Wanderung haben die Gefährtin und ich einmal am Wegesrand ein Wildschwein gefunden, einen Frischling, kaum größer als ein Dackel. Er lag in der Böschung, so grau und tot, daß man ihn zuerst für ein Büschel graues Heu hätte halten können, wenn nicht die kleinen Hauer gewesen wären, hell wie Kiesel, und die schmalen Hufe, so sehr am Rand des Bezirks aus zerfallendem Fell, als wären sie noch einen Schritt gegangen, ehe auch sie ereilte, was den Rest niederstreckte im Graben. Die Augenhöhlen, ausgefressen und so leer, daß sie voller Außen waren, sahen wir erst einen Moment später, und mit ihrer Wahrnehmung kam das Erkennen, was da vor unseren Füßen lag. Ein totes Tier. Mehr tot als Tier. Selbst das Fell war gestorben, sah stumpf aus, die Borsten wie eingetrocknet, brüchig, als genüge ein Windhauch, sie zu Staub zu zerblasen. Hinter den Hauern leuchteten Mahlzähne, winzig, kaum mehr als ein Streif Sand. Die Umrisse des Leibes hatten sich ins Gras verbreitet, waren unförmig geworden wie zerlaufene Knetmasse. Und wie auf einem Gemälde von Bosch oder Breughel war die Bauchhöhle offen, konnte man das Innere sehen, ein Nichts, um das sich die Haut so eben noch spannte. Der Körper war leer, war hohl, man konnte mit einem Stock darin tasten, man konnte sich die Haut ansehen, die Hülle, von innen; und sah doch nur wieder eine Front. Dieser Leichnam bestand nur noch aus Vorderseiten, es gab keine Rück- keine andere Seite, auf der der Tod vielleicht doch noch wäre zu finden gewesen.

(Beitrag zum Projekt *.txt, „Fassade“)

Falter (ein Versuch)

19. März 2015 § Ein Kommentar

Verwandelt in eine schwebende
Glyphe aus Papier kreuzt der Falter
die hektischen Gänge der Vögel.

Die Flügel ausgebreitet, schließt er
den Riß zwischen Wasser und Luft.
Er weiß, was die Vögel nicht wissen,
die den Himmel nur
von der Kopfseite kennen.

Zahl aber ist eine dünne Membran
zwischen Horizont und Tod,
wo es leuchtet aus der Schwindel
erregenden Tiefe wie aus Frau Holles Brunnen.

Schwimmend am Sonnenrand
wie ein Drache ohne Leine
klebt er am Ereignishorizont,
fällt und fällt immer weiter,

durch das Loch in der Erde,
dem Licht auf der anderen Seite
zu, fällt und

kann höher nicht fallen.

(Beitrag für das Projekt *.txt)

Noch einmal Rehe

21. Oktober 2014 § Ein Kommentar

Ein „Rudel“ Rehe heißt Sprung und besteht im Winter aus bis zu zwanzig Tieren. Charakterisiert wird der Sprung, ein eher loser Verband nicht zwangsläufig miteinander verwandter Tiere, durch die gemeinsame Fluchtrichtung und den räumlichen Abstand der Einzeltiere zueinander, der fünfzig Meter selten überschreitet. Geführt wird ein Sprung von einer Ricke.
     Einem solchen Sprung bin ich heute morgen beim Laufen in der Dunkelheit begegnet. Aufmerksam wurde ich durch ein seltsames Geräusch, das ich noch nie gehört hatte, das aber sofort als Tierlaut erkennbar war. Kein Ast würde so im Wind knarren, keine Eichel beim Herunterfallen so rasseln, es klang wie Knörk, knörk.
     Rehe knörken aber nicht. Was Rehe machen, heißt bellen, und sie tun es, um dem Freßfeind klarzumachen, daß man ihn entdeckt habe, eine weitere Fortsetzung der Jagd mithin sinnlos sei.
     Bellende Rehe also, vor Schreck oder Empörung, daß ich trotz der Warnung weiter heranpirschte, wieder verstummt, mindestens ein Dutzend, kleine und größere, deren Augen, als ich die Stirnlampe ins Gebüsch richtete, auf unterschiedlicher Höhe zu mir hersahen, eine ganze Galerie Augenpaare, blink, blink, wie in einem Zeichentrickfilm. Die Körper wurden erst sichtbar, als ich die Leistung der Stirnlampe hochsetzte: fahle, graue Körper, die eigentlich gar keine Körper waren, eher Geister, schattenhaft, Gewölk von Leibern, deren Umrisse miteinander verschmolzen. So wie neulich schon blieben sie stehen, starr, gebannt, während in ihren Köpfen Unbegreifliches ablief, oder vielleicht auch gar nichts, weil sie vermittels des Lichts in einen Zustand völliger Leere eingetreten waren. Ich besah mir das eine Weile, dann machte ich die Lampe aus.
     Wie eine Glocke stürzte die Dunkelheit über mir zusammen. Kaum war der Himmel vom Blattwerk der Kronen zu unterscheiden. Ich stand ganz still und lauschte. Nichts war zu hören außer dem Rascheln meiner Windjacke und meinem eigenen Atmen. Irgendwo da drüben standen die Rehe in der undurchdringlichen Finsternis und regten sich ihrerseits nicht. Wie ich so atmete und raschelte, kam ich mir sehr laut vor. Andererseits trugen die Rehe ja auch keine Windjacke. Außerdem hatten sie ja zuerst gebellt. Ich ging ein paar Schritte, dann, als immer noch keine Fluchtgeräusche zu hören waren, schaltete ich die Lampe wieder ein. Blink, blink, blink, gingen drüben die Lichter an, als hätten die Tiere nur darauf gewartet. Dann aber schien ihnen etwas anderes in den Sinn gekommen zu sein, vielleicht hatten sie’s satt, vielleicht nervte ich sie mit dem Licht. Wer kann es wissen? Vielleicht gefiel ihnen meine Windjacke nicht. Jedenfalls setzten sie sich langsam, durchaus nicht in Flucht, eher gleichgültig in Bewegung, wandten sich, eins nach dem andern, von mir ab, wie Blätter, die der Wind umdreht. Die Körper schoben sich vor die Augen, die Leuchtpünktchen erloschen. Die Vorstellung war beendet, und ich schob mich und die seltsame Glocke aus Tag um mich her weiter durch den stillen Wald.

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan die Kategorie O dieses ist das Thier, das es nicht giebt auf VOCES INTIMAE.