8. Dezember 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Schriftsteller Thódoros Kallifatídis in der Zeitschrift Avgí

… μπορεί όντως να μη βρίσκει κανείς το λόγο σήμερα να διαβάσει την “Απολογία του Σωκράτη” αλλά όταν φτάσουμε στο σημείο αυτό, ήδη έχουμε χάσει τη μάχη. Τελικά η κουλτούρα, η παιδεία είναι η υπέρβαση του αναγκαίου, χωρίς αυτή την υπέρβαση δεν νοείται πολιτισμός.

Kann tatsächlich sein, daß niemand heutzutage noch einen Grund sieht, die „Apologie des Sokrates“ zu lesen, aber wenn wir  einmal soweit sind, haben wie die Schlacht bereits verloren. Schließlich sind Kultur und Erziehung die Transzendenz des Notwendigen. Ohne diese Transzendenz läßt sich Kultur nicht denken.

Πότε ένας συγγραφέας φτάνει στο σημείο να πει “τώρα πέτυχα τον στόχο μου”;

Αυτή είναι η πιο συνηθισμένη φράση των συγγραφέων. Τη λένε σε κάθε φράση που γράφουνε, αυτό είναι το αίσθημά τους, έτσι προχωρούν. Γι’ αυτό όμως ο συγγραφέας χρειάζεται και την κριτική, γιατί δεν είναι αυταπόδεικτο ότι πετυχαίνει πάντα τον σκοπό του. Ας το συγκρίνουμε με μια άλλη κατάσταση, εκεί που κάθεσαι ακούς ένα τραγούδι και ξαφνικά σηκώνεσαι και χορεύεις, χορεύεις καλά ή κακά, δεν είναι το ζητούμενο αυτή τη στιγμή, το ζητούμενο είναι ότι κάνεις αυτό που αισθάνεσαι. Αυτό αυτόματα δε σημαίνει ότι είσαι και Μπαρίσνικοφ. Έτσι γράφεις. Αλλά δεν μπορείς να γράψεις χωρίς αυτή τη βεβαιότητα, δεν γίνεται και γι’ αυτό ίσως πολλοί συγγραφείς να μη γράφουν. Οι περισσότεροι άνθρωποι άλλωστε που δε δημιουργούν δεν είναι γιατί δεν έχουν ταλέντο, αλλά από φόβο.
Wann erreicht der Schriftsteller den Punkt, an dem er sagt: „Ich habe mein Ziel erreicht“?

Das zu sagen, ist für Schriftsteller ganz normal. Das sagen sie bei jeder Formulierung, die sie hinschreiben, so empfinden sie, auf diese Weise kommen sie voran. Deshalb aber braucht der Schriftsteller die Kritik, denn es ist ja gar nicht ausgemacht, daß er immer sein Ziel erreicht. Nehmen wir eine andere Situation zum Vergleich, da sitzt einer und hört Musik und plötzlich springt er auf und beginnt zu tanzen, er tanzt gut oder schlecht, darum geht es in dem Moment nicht, worum es geht, ist, daß er tut, was er fühlt. Das bedeutet natürlich nicht, daß man dadurch automatisch zu einem Baryshnikov wird. Und so ist es auch mit dem Schreiben. Man kann ohne diese Gewißheit nicht schreiben, es geht nicht, und viele Schriftsteller tun es deshalb vielleicht auch nicht. Übrigens sind die wenigsten Menschen unkreativ, weil sie kein Talent haben, sondern weil sie sich nicht trauen.

27. Oktober 2011 § 2 Kommentare

Ohren auf! Und wieder auf die Wörter hören. Nicht der Sprache mißtrauen, sondern noch einmal sich auf sie zu verlassen wagen.
Das Wort lachen hat ein Gesicht, dem der Mund aufsteht. Das Wort Zorn hat zusammengekniffene Brauen. Das Wort verzweifelt ringt die Hände in Auswegslosigkeit. Das Wort fröhlich lacht leise. Wörter haben Gesichter, haben Augen, schauen den Leser an. Wörter sind Angeln und Treppen. Sie sind vertraut, man kann ihnen vertrauen. Gekleidet in die Farben ihrer Lettern tragen sie von Kindesbeinen an zuverlässig ihre Theatermasken über die Bühne der Geschichten.

14. September 2011 § 6 Kommentare

Noch einmal Nacht. Abgerungen den Glocken des Schlafs. Träume von Hunden und elegischen Distichen fallen dem Wachbewußtsein später wieder ein, da ist die Nacht ohne Halt von den Scheiben gerutscht. Vögel halten sich versteckt, die Kamine haben die Fäuste in den Taschen vergraben. Ein seltener Gott heißt Vergnügen. Die Sprache baumelt von einem buntbemalten Apfelbaum.
Zeit, Feuer zu machen und einen Topf mit Kieseln zum kochen aufzusetzen.

VIA NOVAESIANA 13.9.2011

13. September 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Schreiben in den Spinnfäden des frühen Morgens. Schreiben gegen diese Spinnfäden. Schreiben und warten. Warten und denken. Das Haus ist still wie ein Tier. Wie nur schlafende Löwen still sein können, alle Kraft und Gefahr in die Träume aufgespult. Die Nacht hockt vor dem Fenster, ihre Klauen am Glas. Und die Worte wagen sich heraus wie schüchterne Mäuse. Wenn man nicht aufpaßt, sind sie gleich wieder futsch. Verhuscht in den Spalten der Müdigkeit.

Arbeitsprotokoll

14. Juni 2011 § 4 Kommentare

6:00 Nachrichten und Kaffee laufen. Während ich Wasser nachgieße (die Nachrichten laufen von alleine), fällt mir ein, daß ich mich gestern nach dem Umweg durchs Gebüsch nicht nach Zecken abgesucht habe. Ich hole das nach. Griechenland droht der Staatsbankrott. Interessant, wo man überall Bettfusseln findet.

6:05 Daniel Finkernagel begrüßt die Zuhörerschaft zur Sendung Mosaik. Finkernagel ist einer meiner Lieblingsmoderatoren. Keine Zecke. Kaffee fertig. Tag fängt gut an.

6:07 Erstmal E-Mails checken und Internet-Nachrichten.

6:10 Habe den Eindruck, daß die Mosaik-Sendung über die Jahre immer unruhiger geworden ist. Melancholische Gefühle streifen mich. Ich vermisse Landwirtschaft heute („die Sendung über Lebensmittel für morgen“). Man könnte eine Anfrage an Radio Eriwan machen. Natürlich wäre die Antwort klar: Im Prinzip ja. Aber sowas geht heute nicht mehr. Mir fällt auf, daß es von recht vielen Dingen heißt, sie gingen heute nicht mehr. Wahlweise heißt es auch, sowas könne man heute nicht mehr machen. In der Grundschule die Termini Substantiv, Adjektiv, Verb einführen. Kann man heute nicht mehr machen. Werbung für Zigaretten und Alkohol im Fernsehen zeigen. Kann man nicht mehr machen. Die Kinder unbeaufsichtigt auf die Straße lassen. In der vierten Klasse eine ungekürzte Ganzschrift lesen. Einfache Chemikalien wie Natronlauge oder Salzsäure in der Drogerie verkaufen. Atomkraftwerke bauen. Geht alles nicht mehr. Frische Sprossen im Salat: Kann man heute nicht mehr machen.
Die Menschen werden immer einfältiger, hat man den Eindruck. In ein paar Jahren, male ich mir aus, sagt man im Germanistikseminar immer noch „Tunwort“.

6:20 Zwei Absätze geschrieben. Gewagte Sprache, aber wer wagt, der gewinnt. Kaffee fast leer. Träume von einer zweiten Tasse.

6:30 Kulturnachrichten. Ich habe den Eindruck, daß überall nur gequasselt wird. Das Mosaik setzt sich aus immer kleineren Steinchen zusammen. Ständig wird irgendwo unterbrochen, Design im Dasein, Unfug mit Fugen, Migranten des Wortschatzes, das Radio ist zu einer Kultur der Unterbrechungen und Häppchen geworden, so eine Art akustisches Fingerfood.

6:35 Habe die zwei Absätze wieder gelöscht. Sowas kann man heute nicht mehr machen.

6:39 Jemand sagt, Regisseur A oder B habe einen Film realisiert. Ich bin beeindruckt. Realisiert hat er den Film. Nicht einfach gedreht, was hemdsärmelig, oder gar nur gemacht, was ja schon schludrig wäre, nein realisiert. Das klingt doch gleich ganz anders. Nach Idee, nach Einfall, nach Genie.

6:40 Bin in der Frage, was man heute machen kann, ratlos und realisiere einen Zweitkaffee.

6:50 Was ich schon immer geahnt habe, heute wird es offenbar: Händels Violinsonaten sind belanglos.

6:55 Ich frage mich, was die Macher von Mosaik bewogen hat, als letzte Musik vor dem Journal ein Vokalstück zu spielen. Was soll das sein, eine Erziehungsmaßnahme?

7:09 Noch unverständlicher ist mir, warum seit ein paar Tagen im Journal vor dem Wetter ein Fußballreporter in einer der frühen Stunde absolut unangemessen extatischen Tonfall Spielergebnisse des Vortages zusammenfaßt. Absurd scheinen mir in diesem Zusammenhang vor allem die Stadion-Hintergrundgeräusche. Es wird sich um sieben Uhr in der Früh wohl kaum um eine Live-Einblendung handeln. Nervensäge.

7:10 Kaffeeflash. Habe einen Absatz geschrieben, der mich nicht weiterbringt, und der das Problem, alles Vorformulierte im Plot unterzubringen, nur verschiebt. Ferner die Frage, wo die Erzählerlüge von dem, was in Echt passiert ist, abzweigt. Schwierig, Was ist überhaupt in Echt? Auch darum, fällt mir ein, wird es gehen in dem Roman.
Ein Musikstück wird angekündigt, Finkernagel gönnt sich wieder mal ein improvisiertes Rätsel. Der Komponist wird charakterisiert als ein sehr religiöser Mensch, der eins seiner Werke gar „dem lieben Gott“ gewidmet habe. Einfach! Das ist derselbe, der gegen Ende seines Lebens Buch über die täglich verrichteten Gebete geführt hat.

7:17 Nehme mir vor, über meine Kaffees Buch zu führen. Bruckners Streichquintett ist wie seine Symphonien, nur leiser.

7:30 Auch die Sätze haben ähnliche Spieldauer.

7:35 Kersten Knipp ticht uns frich die Kultur-Presse-Schau auf. Habe noch einen Absatz geschrieben, von dem ich weiß, daß ich ihn wieder löschen werde. Die Gedanken schweifen ab. Ich kann mich nicht konzentrieren. Entweder es fehlt an Koffein, oder ich habe zuviel davon im Kreislauf. Verdammte Sucht.
Gut wäre für die Lügenversion des Erzählers eine ménage à trois, oder die Ankündigung einer solchen. Ein Ereignis, das sich später, wenn die Wahrheit ans Licht kommt, als heimlicher Wunschtraum erweist.

7:43 Dreißig Seiten an der ménage-à-trois-Szee geschrieben. Kurzes Writer’s High. Muß aufpassen, daß die Phantasie nicht mit mir durchgeht.

7:44 Kirche in WDR 3. Zur Einstimmung singt der Troisdorfer Kinderchor den Choral zu vier Stimmen, „Herr Jesus will mich decken“ von Johann Gottlieb Sauertopf. Dieses Salbadern um kurz vor acht könnten sie mal wirklich abschaffen. Und dafür wieder Landwirtschaft heute senden.

7:54 Der Radiowecker schaltet sich zum Glück aus, bevor zum ersten Mal das Wort Gott fällt. Überlege mir, wie es wäre, einen Worterkenner zu haben, der automatisch die Lautstärke dimmt, sobald das Wort Kirche oder Jesus oder Kürzlich erzählte mir ein Freund fällt. So eine Art Kirchenscanner. Das wär mal was.

7:15 Die Phantasie ist mit mir durchgegangen. Habe die 30 Seiten ménage-à-trois-Szene wieder gelöscht.

7:20 Könnte die ménage-à-trois-Szene ja auf dem Blog posten. Haha.

7:25 Kaffee ist aus. Radio ist stumm.

7:30 Cursor blinkt erwartungsvoll.

7:31 Cursor blinkt erwartungsvoll.

7:32 Cursor blinkt erwartungsvoll.

Werkstatt

27. Januar 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Noch ein Versuch, abermaliges Umdeuten. Nicht die Erkenntnis über das Wesen der Frau, sondern das abermalige und letzte Scheitern an dieser Erkenntnis bringt die Geschichte zum Abschluß. Auch bei diesem neuerlichen Weiterdenken war alles schon da, Schlußbild, Handlung, Entwicklung, nur, daß es jetzt eine andere Deutung bekommt. Die Frage ist, wieviel Überraschung verträgt so ein Text? Dabei ist es nicht so wichtig, daß der Leser am Ende nicht mehr weiß, was er eigentlich glauben soll. Die Hauptperson weiß es ja auch nicht. Herrgott, ich weiß es nicht! Vielleicht hätte er (und ich) es wissen können, aber das ist ein konjunktivisches Vielleicht. Und deutet eben wieder auf das große Versäumnis: Die augen nicht aufgehabt zu haben in dem Moment, wo das Sehen notgetan hätte.

Faden

24. Juni 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Eine Geschichte wohnt nicht im großen Ganzen. Sie wohnt in kleinen und kleinsten Szenen, Blicken, Worten, Berührungen. In hunderten solcher.

Habe längst den Faden verloren.

2 Stunden

20. Februar 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Beruhigend: Der Verleger und Autor Michael Krüger schreibt auch nicht mehr als zwei Stunden am Tag.

Unendliche Geschichte

2. Februar 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Je länger ich mich mit dieser Geschichte beschäftige (man darf sagen: sehr lange), desto mehr wächst sie, wobei sie wahllos neue Gedanken und Möglichkeiten zu ihrer Verzwirbelung an sich saugt und zu verwerten trachtet. Jede neue Krise ihrer Bewältigung war von der Schwierigkeit ausgelöst worden, einen frischen Gedanken, eine bestimmte als magisch angesehene Atmosphäre, eine neue verrückte Konstruktion, eine weitere aberwitzige Verspinnung dem bestehenden Gerüst aufzupflanzen und im bereits ausgesponnenen Textkörper unterzubringen, bis das so aufgeblähte und überkonstruierte Geflecht unter der eigenen Spannung zusammenbrach und ich wieder ganz von vorne beginnen mußte. Tabula rasa, und dann ging alles wieder von vorne los. Ich konnte und kann mich nicht entscheiden. Jeder neue Gedanke ist so bestechend, daß er unter allen Umständen verwertet werden muß. Auch nur einen dieser Gedanken fallenzulassen hieße, in der Geologie der narrativen Räume eine wichtige Bedeutungsschicht auszuklammern, und damit, so scheint es, die Geschichte zu einem bloßen Ausschnitt eines viel größeren, eigentlich zu erzählenden Ganzen zu reduzieren, das dann immer noch zu erzählen bliebe. Wollte man dem erfolgreich vorgreifen, so erwüchse ein Erzählen von wahrhaft kosmischen Dimensionen daraus: Um zu gelingen, müßte es schlechthin alles enthalten, was je über das Scheitern der Liebe zu sagen war.

alles richtig

29. September 2008 § 2 Kommentare

Wenn es möglich ist, daß jemand alles richtig macht, und trotzdem ein miserables Buch schreibt, dann besteht doch die Hoffnung, daß vielleicht auch die Umkehrung stimmt, und man ruhig den einen oder anderen Fehler machen und dennoch ein wundervolles Buch dabei schreiben kann?

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