Denn Bleiben ist nirgends

22. Februar 2021 § 2 Kommentare

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser,

ich freue mich, daß Sie mir Ihr Wohlwollen und Ihre Aufmerksamkeit geschenkt und hier mitgelesen haben.
Jüngste Entwicklungen auf dem Gebiet der, wie es scheint, unaufhaltsam voranschreitenden Lückenlosisierung, Verwurstung, Entnischung, Entspielraumisierung und Vergeschäftisierung, kurzum der Oeconomisierung sämtlicher Lebensbereiche legen es mir dringend nahe, Wördpreß als Webhosting aufzugeben und den Publikationsort der vorliegenden „inneren Stimmen“ zu verlegen.
Sie finden mich ab sofort unter:

https://askionkataskion.blogda.ch/

Das gesamte Textkonvolut, wie es seit nunmehr 16 Jahren angewachsen ist, findet sich dort unverändert wieder. Ich würde mich freuen, wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mir mit Ihrem Wohlwollen und Ihrer Aufmerksamkeit, Ihren Ideen, Einwänden, Ihrem Lob und Ihrem Tadel dorthin folgen würden. Sie können dort lesen, kommentieren, mir ein Gefällt mir hinterlassen oder in den Archiven wühlen. Eine Anmeldung ist weiterhin weder zum Lesen noch zum Kommentieren erforderlich. Ihre bisherigen Kommentare und Links sind mit umgezogen und (hoffentlich) vollständig erhalten. Sollten Sie Probleme beim Lesen oder Kommentieren haben oder irgendetwas Liebgewonnenes vermissen, zögern Sie nicht, mir dies mitzuteilen. Dieses Blog wird am alten Ort noch eine Weile online bleiben; Neues gibt es aber nur noch am neuen.

Bleiben wir im Gespräch!

Herzlich,
Ihr Solminore

8. Februar 2021 § Hinterlasse einen Kommentar

Spornblume

Hier wird’s.

18. Januar 2021 § 2 Kommentare

Hier war’s!

Unzeit

12. Januar 2021 § Hinterlasse einen Kommentar


Das Jahr ist angesprungen, der Motor dröhnt, die Kolben stampfen. Los geht’s, mit Volldampf in die Zukunft, die man lieber erst gar nicht kennenlernen mag. Gestern im Büro den Kalender weggeworfen. Das Blatt zeigte den 12.3.2020, ein Donnerstag. Letzter regulärer Arbeitstag. Damals war die Vokabel in Präsenz noch unbekannt, und daß ich weder am folgenden Montag, noch Dienstag, noch Mittwoch, daß ich die ganze Woche nicht und auch den ganzen Monat nicht mehr ins Büro gehen würde; daß ich erst am Ostersonntag eine kurze Stippvisite machen würde, bei der ich den Kalender (aus Trotz? Aus Sturheit? Jedenfalls aus dem zähneknirschenden Vorsatz heraus, es erst zu tun, wenn ich wieder einen normalen Bürotag hätte, der Frage ausweichend, wen ich denn bitte mit dieser Aktion zu strafen gedächte) auch nicht aufs aktuelle Datum brachte — das war an diesem Donnerstag (jedenfalls für mich Vogel Strauß aus der subterranen Perspektive) nicht abzusehen, nicht einmal denkbar. Daß ich gar nicht mehr dazu kommen würde, weil die Zeit diesen Kalender verschlingen würde, und immer noch nichts ausgestanden wäre, das wäre allenfalls Stoff für Albträume gewesen. Und da sind wir nun. War es eine Vorahnung, die mich bei der Kalenderbestellung für 2021 den kleinen Wandkalender vergessen ließ? Was da jetzt über meinem Schreibtisch hängt, ist eine Jahresübersicht 2021, lauter unangebrochene Tage; aber kein Marker fürs aktuelle Datum, dessen Aktualisierung ich, als wollte ich die losstampfende Zeit auf Pause stellen, noch halsstarrig verweigern könnte.

Schnee & Schnee

10. Januar 2021 § 3 Kommentare



Die Nachbarin Lakritze hat’s vorgemacht, ich mach es eiskalt nach. Zweimal ein Bild von Schnee:

Vertumnus

21. Oktober 2020 § Hinterlasse einen Kommentar

 
Pappiges Rascheln, Dukelheit, Regen, rauschende Straßen noch vor dem Wachwerden. Und Blink- und Piepsfahrzeuge sind auch schon unterwegs. Hier ist praktisch täglich irgendeine Abfallspezies zur Abfuhr dran. Es lebe das Wachstum, der Fortschritt und die Mülltrennung.

Kein Sommer

15. Juli 2020 § 2 Kommentare

Kaum angekommen im Haus der Eltern, sehe ich überall nur Abschiede. Noch einmal in den Wald und fühlen: bald verstummen wieder die Vögel, und die Hallen weiten sich verlassen und wie ausgefegt. Staubige Wege saugen durstig am Schatten der Buchen. Auf einen Weg getroffen, den ich zuletzt vor vielen Jahren in umgekehrter Richtung hinaufgelaufen bin, dort abbiegen, wo ich oft abgebogen bin, aber in den letzten Jahren nie mehr. Auch hier, in diesem Gastwald, haben sich schon Vergangenheiten angesammelt, so viele, daß es wieder ein Abschied ist, jedes Mal, wenn ich mich hier bewege: Das eigentliche ist bereits vorbei, die Hoch- und Blütezeit, man blickt zurück, und weil es schon so viel gibt, auf das man zurückblicken kann, bewegt man sich nur noch in einem Nachhall der großen Musik, die längst verstummt ist.

Kein Sommer

14. Juli 2020 § 3 Kommentare

Es fehlten nur noch Algen auf den Kacheln und Laub auf der fahlen Wasseroberfläche. Heruntergekommen, ein Vorwurf, den man oft hört, wenn mal wieder ein Bad schließen soll, ist noch beschönigend. Dieses Bad am Wermelkirchener Eschbach gelegen, ist ebenso marode wie voller Charme. Der Beckenrand ist noch, wie früher überall üblich, eine Kopflänge über der Wasserfläche, die Kacheln sind heil, aber betagt, die Umkleiden sehen aus, als wären sie noch aus den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Nichts davon spielt eine Rolle, und ich wüßte nicht, daß je von einer Schließung des Bades die Rede gewesen wäre.
Das schlechte Wetter mag seinen Teil dazu beigetragen haben, daß der Ort verlassen und aufgegeben schien. Weit und breit kein Mensch, die Umkleiden abgeschlossen, der Kiosk unbesetzt, die Stühle auf der Terrasse wie in einem Klassenzimmer zur Ferienzeit, im Becken ein liegengelassener Schlauch. Ich suche mir die überdachte Terrasse zum Ablegen der Kleider aus, wo der Rucksack vor dem Regen geschützt ist. Kalt ist es, unter zwanzig Grad, regnerisch, grau. Das Becken liegt unberührt, das Wasser straff, der Boden wölbt sich herauf, der Sprungturm grübelt wie ein Angler. In der Nähe dröhnt die Autobahn.

Kein Frühling

4. Mai 2020 § 2 Kommentare

Nach Totholz suchen, das in seltsamen Formen erstarrt ist, wie Wachs, aus großer Höhe in Eiswasser getropft. Ein Wort zu erlauschen suchen, seine toten Zeichen. Unter Laub hockt noch und noch Sonne. Staub ohne Insekten, nur fern, im Talgrund, flattert ein einzelner Zitronenfalter, wie eine verlorene Visitenkarte des Frühlings, eine Einladung zu einem abgesagten Fest. Der Saal war schon geschmückt.

Wie ferne Segler auf einer Meeresbucht schweben Familien über die Wiese. Ich folge ihnen langsam, in den Augen das Flimmern von Scheren, in den Händen ein Bündel bleicher Knochen, wie ein Krieger Speere hält. Man kennt nicht meine Müdigkeit, mit der ich die Schritte nach Meilen zähle.

Wolken, die den Regen für sich behalten wie ein großes Geheimnis.

Sehnsucht, wie das Meer, überdrüssig seiner Küstenlosigkeit, sich nach Inseln sehnt, die es unterbrechen.
(12.4.2020)

Frühling

17. April 2020 § Hinterlasse einen Kommentar

Zum Gießen in den Garten, anwesend sein in einer Natur, die nur sich selbst gehört und von unserem Sterben nicht berührt wird. Nicht einmal anwesend sein: nur vorkommen, als weniger denn ein Stein, kaum mehr denn ein Schatten, ein Klang, der sich bricht und verhallt und keine Spuren hinterläßt.

Rhythmisches Vogelschnarren im Tiefenprofil von Kirchenglocken. Aprikosenblüten spiegeln sich im geöffneten Fenster. Dann Meisenpfiffe. Dann öffnet das Tal sein Maul voller Schweigen.

Verlassene Räume, die wir gerade noch bewohnen, einen Fuß bereits im benachbarten Nirgends. Bald gehören sie sich nur noch selbst. Schon holen die spiegelnden Scheiben den von Vögeln bewohnten Himmel ins Haus, sieht sich der Wind um im zu mietenden Objekt.
(9.4.2020)

Wo bin ich?

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