Wie dich selbst

29. Februar 2016 § 2 Kommentare

Froh, wer sich selber zum Freund hat! Doch hab ich, was jenem noch fehlte:
      Ganz mit mir selber genug, bin ich mein eigener Feind.

Aequinoctium

21. September 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Dunkel von Glocken halten die Türme die Ferne. Zum Abend
     gehn sie an Zeigern ins Land, bringen die Ziffern nach Haus.

Solstitium

21. Juni 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Abzählbar ruhen die Stunden in Palimpsesten der Amsel.
     Rückwärts strömendes Licht bringt alle Spiegel nach Haus.
Noch einmal sieht der Tag nach dem Rechten ringsum in den stillen
     Räumen. Wächter des Jahrs reichen die Schlüssel der Nacht.

Aequinoctium

21. März 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Unter dem Sägeblatt stirbt der Schatten im Mittag der Bäume.
     Tief in den Gründen des Tals graben die Bagger nach Licht.

Aequinoctium

22. September 2013 § 2 Kommentare


Wo wir einst gingen, weben die Spinnen das Ufer, der Spiegel
    Schenkt uns, verwandelt ins Jahr, freundlich die Tage zurück.
Küsse schmecken die Zeit, unter Blättern schlummern die Tage;
    tief in der Tasche die Nuß träumt vom vergangenen Jahr.
Wo wir einst gingen, bevor wir uns kannten, vor Jahren und Tagen:
    Dort, im ewigen Herbst, wandeln die Flüsse im Schlaf.

Solstitium

21. Juni 2013 § 2 Kommentare

Oft in den dunkelsten Tagen bist du zum Traum mir geworden,
        daß hinterm Blendwerk der Zeit schien mir dein liebes Gesicht.
Täuschen kann uns die Zeit, doch nimmer kann es die Liebe:
        Heut in der hellsten Nacht, wurde der Traum mir zum Du.

Aequinoctium

21. März 2013 § 6 Kommentare

Himmel, geklemmt zwischen Wein, über Steine klettern die Burgen.
     Wo deine Braue beginnt, öffnet die Ferne den Tag.
Höher greifen die Türme, entziffern die Gleichung der blauen
     Säume des Morgens, vom Feld holen die Wege den Lenz.
Mühlen gründeln im Tal, im Rucksack meutern die Karten,
     Hügel holen den Fluß zwischen den Büchern hervor.
Nie ist es weit zu den Schiffen, der Abend hält schon die Lampe.
     Wo deine Braue beginnt, schließt sich die Ferne im Kuß.

Solstitium (L. vermissen)

21. Dezember 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Lang ist der Tag ohne dich, ohne dich noch länger die Nächte:
       Nun in der längsten Nacht bist du am längsten nicht da.

Aequinoctium

21. September 2012 § 4 Kommentare

Immer von weit aus verschlossenen Räumen die Glocken des Abends
    tönen von dort, wo je lehnten die Türen am Licht.
Nah ist sonst alles. Die Türme, die Mauern stehn nah und die Straßen,
    nah ist der Baum und das Schild, Wege sind nah und ein Pfad
führt vom nahen ins nächste. Nah ist dein eigener Atem,
    nah, was du ißt und trinkst, nah dir die eigene Hand.
nah sind selbst noch die Boten. Wohin du auch gehst, es ereilt dich,
    daß du dir selbst bist so nah, daß du dir niemals entgehst.
Fern nur, das wären: Geschichten. Begegnen dir selber, das willst du,
    nah sein, dem, der du warst: Fern, wie Erzählung dich hat.
Dort, wo alles dich kennt, wirst du stapfen, wenn hinter den Glocken
    leuchtet, was einst dich enthielt, fern wie von Frauen ein Blick.

Solstitium

21. Juni 2012 § Ein Kommentar

Stramm stehn die Uhren. Im Gleichschritt gehn Weiser und Weg. Unter Vollzeug
    segeln die Fahnen vorm Tag über die Stunden hinaus.
Schon stehn die Schalter auf an, sind die Bücher am Ende, entschlossen
    trampeln die Schuhe dahin. Schnell ist der Tag, pfeift die Nacht
jählings um Säulen und Draht, wo kreischend die Straßen ins morgen
    düsen, auf Anfang getrimmt. Alles, was Zahl heißt, rast los.

Wo bin ich?

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