Hermaphroditos

26. März 2010 § 3 Kommentare

Noch einmal von einer Fellatio geträumt. Nein, nicht sie mir, sondern ich – ihr. Ja, ihr: Sie besaß nämlich, so fügte es der Traum merkwürdig zusammen, ein Organ, wie man es bei Frauen an dieser Stelle sonst nicht findet, und dieses Organ funktionierte ganz genauso wie es bei einem Mann für gewöhnlich funktioniert. Unter einer Decke zwischen Elenas Beinen hockend (ihr Gesicht, weit oben, war verborgen), hatte ich ihre Eichel (was für ein rätselhaftes Pronomen in diesem Kontext) im Mund und rieb mit der Zunge über das Frenulum, hatte die Hand mit sanftem Druck auf die Stelle gelegt, wo die Haut des Penisschafts in die Haut des Scrotums übergeht, und zog in langsamem, melkendem Rhythmus. Es dauerte nicht lange. Elena stöhnte, rief, gedämpft durch die Decke, etwas, das sich wie ein Protest anhörte, zuckte dann ein paarmal kurz aus dem Becken heraus, und im selben Augenblick strömte etwas Lauwarmes in meinen Mund, dicklich-süß wie Hafersuppe. Ein paar Silbertropfen glänzten auf Elenas Bauch. Fasziniert und voller Erregung, konnte ich mich dennoch nicht zwischen schlucken und spucken entscheiden. Indes machte mir Elena, alles andere als beglückt, zornige Vorwürfe: Sie hätte doch nicht kommen wollen, sie möge das nicht, weil ihr die Vorstellung unangenehm sei, daß ich das, was sie absondere, in meinem Mund habe, sie fände das ekelhaft.
Ich fand es wundervoll. Ich glaube, ich hatte ein bißchen ein schlechtes Gewissen, als hätte ich Elena zuvor versprochen, rechtzeitig aufzuhören, und ihr Vetrauen mißbraucht. Andererseits, dachte ich, warum sind Frauen manchmal so pienzig?
Was war das nun? Was für Wünsche und Sehnsüchte materialisierten sich da? Ich war beim Aufwachen wie berauscht. Nein, ich selbst hatte keinen Höhepunkt erlebt, vielmehr hatte sich der ganze Genuß einzig auf das Fühlen dieses fremdvertrauten Organs in meinem Mund und darauf konzentriert, wie Elena auf meine Liebkosungen reagiert, ihre Hüften gestreckt und gezuckt hatte und, gleichsam gegen ihren Willen, überwältigt, gekommen war. Ich empfand eine verzückte Wehmut beim Erwachen, eine untröstliche und süße Enttäuschung darüber, daß es so etwas ja nicht gibt, daß ich diese Erfahrung nicht machen werde, obwohl ich vor Neugier brenne; weil, wenn an dem Organ ein ganzer Mann festgewachsen wäre, die Hemmung jede noch so brennende Neugier bei weitem überwöge und es mich abstoßen würde, das zu tun, was der Traum mich mit der so wundersam ausgestatteten Elena hatte tun lassen … Und weil ich mich nur trauen würde, wenn eine Frau so ein Organ hätte; und schließlich auch wieder einmal darüber daß wir, Elena, alle Frauen, ich, alle Männer, für immer in unserem Geschlecht gefangen sind (für uns selbst und für den anderen) und zeit unseres Lebens nur herumrätseln können, wie es für die andere Hälfte unseres ursprünglich-zwittrigen Wesens sich anfühlen mag, liebkost zu werden – oder sich selbst zu liebkosen.

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Abermals Traum von E.

14. April 2008 § Ein Kommentar

Beim Erwachen der Regen, aus den Tiefen der Zeit aufrauschend, die Tücher der Helligkeit, die traurigen Tücher.

Ein Traum von E. Zuerst bei ihr in einer merkwürdigen Kellerwohnung. Wir sind uns wieder näher gekommen, trotzdem bleibt sie (Sinnbild unserer ganzen tatsächlich stattgehabten Beziehung) fremd, geheimnisvoll, unergründlich-unzugänglich oder sprunghaft unvorhersehbar, beginnt plötzlich Vorwärtsschwünge an einer niedrigen Reckstange zu üben (ihr schwarzes Haar fällt ihr vornüber). Später bin ich allein in der Wohnung, nackt im Bett, da kommt jemand herein, und ich habe panische Angst, es könne ihr Freund M. sein. Ich bedecke meine Köpermitte hastig mit der Decke und hersche den anderen an, er solle bitte gehen. Er ist einer von E.s Studenten, der etwas mit ihr besprechen will und durchaus keine Anstalten macht, zu gehen. Dann kommt noch jemand, wieder die Angst vor M., aber wieder ein anderer.

Es geht immer wieder darum, ob wir oder nicht, aber was genau? Miteinander schlafen? Uns wieder zusammentun?, Eine Daueraffäre habe? Alles zusammen. Ich umarme sie. Ich beruhige sie. Ich bin fern von ihr, sehe sie auf einem Poster, sie hat ganz kurze blonde Haare, ein rosafarbenes weites T-Shirt, eine Halskette. Ich bin fern von ihr, hoffnungsvoll, quälend-hoffnungsvoll fern.

Schließlich will sie mich spontan in den Mund nehmen, aber bevor sie sich noch richtig über mich gebeugt hat, glänzt schon ein Samentropfen auf ihrem Kinn, und dann werden es immer mehr, obwohl ich noch gar nicht gekommen bin, Schlieren, die ihr auch störend die Augen verkleben, und die ich, immer besorgt, es könne ihr gleich zuviel des guten sein, mit einem Taschentuch wegzuwischen versuche, wobei ich sie nur verteile, so daß sie fortfährt, ihre Augen zu reiben.

Beim Erwachen der Regen. Die traurigen Tücher. Das träge, aus den Tiefen der Zeit aufsteigende und in dieselben Tiefen zurückfallende Prasseln, Pladdern, Tropfen. Das Tropfen.

Ein Traum: Fellatio

27. April 2007 § 4 Kommentare

In den frühen morgenstunden von einer fellatio (vulgo: blowjob) geträumt, und nein, nicht von einer frau, die mir, sondern von einem mann, dem ich. das ganze spannend und außerordentlich erregend, tageslicht, zwei nackte körper, seiner und meiner, in aller klarheit ausgestellt. sein gesicht undeutlich, verschwommen, niemand, den ich in wirklichkeit kenne. sein körper ist jungenhaft, schlank, seine haut sonnenbraun. es gibt keine berührungsängste, kein zögern, dieser schöne männerkörper kostet mich nicht die geringste überwindung; es ist keine frage, ob wir das wirklich – nein. es ist alles so normal, daß die frage gar nicht aufkommt. sein geschlechtsteil weder groß noch klein, sich zur spitze ein wenig verjüngend, was überrascht, nicht beschnitten, von einer federnden, biegsamen härte, um die sich weiche, fast flauschige, trockene haut schmiegt, haarlos, die zu berühren sehr angenehm ist, wie überhaupt alles an dem vorgang sehr angenehm ist, seine eichel tief in meinem mund, meine hand auf seinem skrotum. gerüche kamen nicht vor, geräusche auch nicht. wie es sich anfühlte, als er kam, weiß ich nicht mehr, oder der traum ließ es aus (was schade ist). doch zuletzt, als alles vorbei war, eine unangenehm viskose substanz im mund, zäh wie harz und kaum zu schlucken, noch weniger auszuspucken, so daß es mir zunge und gaumen verklebte. geschmack nach samen.
zuerst verblüffend, so ein traum, doch bei weiterem nachdenken eigentlich nicht erstaunlich. bei allen hemmungen möchte man doch zu gerne mal wissen, wie … also, wie würde sich das anfühlen? ich stelle es mir sehr faszinierend vor, als eine abenteuerlich-atemberaubende mischung aus vertrautem und gänzlich fremdem, als etwas, das man von je zu kennen glaubt und sogar kennt: und doch sind alle dimensionen verschoben, die sinne ganz anders beansprucht, eine nähe zum anderen ist da, die zugleich eine nähe zu mir selbst ist, die nie mit mir alleine sondern nur auf dem umweg über den anderen möglich wäre.
oder ist, wer weiß.

Das beste Stück

11. September 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Gibt es einen schöneren, eleganteren, praktischeren, sinnlicheren Gegenstand, als gerade ihn? Er ist doch unübertroffen. Keine noch so ausgefeilte Technik kann ihn ersetzen, wenn es wirklich darauf ankommt. Er ist immer zur Stelle, funktioniert auch bei Stromausfall, ist nahezu unverwüstlich sowie leicht und unkompliziert zu handhaben; auch ist er pflegeleicht und meist liefert befriedigende Ergebnisse. Seine langgestreckte Form, seine Steifheit und die Glätte seiner Haut bestechen durch ihr schnörkelloses funktionales Design. Auch für das Auge ist er ein Genuß, und manch einen überkommt schon bei seinem Anblick der Wunsch, ihn in die Hand zu nehmen und damit herumzuspielen. Zwischen den Fingern fühlt er sich gut an, ganz gleich, ob er der eigene ist, oder einem anderen gehört.

Manchen Menschen genügt es, ihn ab und an zur Hand und in selbige zu nehmen; andere dagegen zögern nicht und nehmen ihn zuweilen auch gern in den Mund, vor allem dann, wenn sie nicht weiter wissen; andere wiederum stört der herbe Geruch und Geschmack, so daß sie schon der Gedanke, so etwas zu tun, ekelt; es soll aber sogar solche geben, die daran lutschen, ja, die gar darauf herumkauen – welch letzteres aber eine Unsitte und wovon dringend abzuraten ist.

Zwar ist er von Natur aus schön und praktisch und durch nichts zu verbessern; verspielte Menschen jedoch, Mädchen zumal, setzen ihm manchmal eine Gummikappe auf, die allerlei Verzierungen haben kann aber nicht muß: Noppen, Rillen, Fransen, Büschelchen, ja manche mögen es, wenn er ein Fellmützchen trägt. Derlei Zierat kann sogar sacht parfümiert sein. Erdbeere, Banane und Vanille sind gängige Noten und besonders bei Schulmädchen sehr beliebt. Doch so, wie er ist, ist er schon seine eigene Perfektion; alles, was man ihm sonst angedeihen läßt, alles, womit man ihn ersetzen mag, jede angebliche Verbesserung: sie sind doch nur zierendes Beiwerk. Deshalb wir man immer wieder auf ihn zurückkommen.

In manchen Kulturen bewahrt man ihn in einem Futteral auf. In anderen wiederum legt man nicht so viel Wert auf eine Verpackung. Jedenfalls sollte man ihn nach seinem Gebrauch wieder ordentlich verstauen.

Manchmal ist er hart, manchmal weich, je nach Bedürfnis, Anlaß und Vorhaben; am besten aber ist er zu gebrauchen, wenn er angespitzt ist. Man sollte aber hinterher saubermachen, damit nicht irgendwann jeder Ort, wo man ihn gebraucht hat, von seinen Spuren vollgesaut sei. Wird er jedoch oft und lange gebraucht, oh: so schrumpft er irgendwann und schnurrt zu einem lächerlichen Stummel zusammen. Er kann zärtlich sein und sacht, oder kraftvoll Akzente setzen; er kann ungestüm und unüberlegt sein, oder zögerlich und zagend seine Arbeit tun. Manchmal dauert es sehr lange mit ihm. Manchmal ist man schneller mit ihm fertig, als man gedacht hat. Und manchmal, ja, manchmal schafft er Werke von Bestand. Am schönsten aber ist es, wenn er eine Liebesbotschaft spricht:

Wo bin ich?

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