Parsen Sie bitte diesen Satz

11. Mai 2016 § 6 Kommentare

Ego enim adsentior eorum quae posuisti alterum alteri consequens esse, ut, quem ad modum, si, quod honestum sit, id solum sit bonum, sequatur vitam beatam virtute confici, sic, si vita beata in virtute sit, nihil esse nisi virtutem bonum.

Knifflig, was? Dies ist einer von diesen Sätzen aus der Feder des Meisters Cicero, bei dem man bei der Lektüre der Periode das dumme Gefühl hat, nach Ab- und Auftauchen aus der Verschachtelung nicht wieder in den Hauptsatz aufgestiegen zu sein, sich mithin irgendwo auf halbem Wege verheddert zu haben. Vielleicht hilft da eine Klammerung (zur besseren Übersicht sind die Klammern numeriert):

Ego enim adsentior eorum quae posuisti alterum alteri consequens esse, [1ut, [2quem ad modum, [3si, [4quod honestum sit4], id solum sit bonum3], sequatur2] [3vitam beatam virtute confici3], sic (sequatur)1], [3si vita beata in virtute sit3], [2nihil esse nisi virtutem bonum.2]

Im sogenannten Einrückverfahren:

ut
    quemadmodum
         si
             quod honestum sit
         id solum sit bonum
    sequatur
         vitam beatam virtute confici
sic (sequatur)
         si vita beata in virtute sit
    nihil esse nisi virtutem bonum

Eine besondere Schwierigkeit, die Kenner allerdings für eine besondere Raffinesse und stilistische Geschmeidigkeit des berühmten Redners zu halten geneigt sind, besteht darin, daß im letzten si-Satz die Reihenfolge der Einbettung umgekehrt wird, so daß, ehe der sic (sequatur)-Satz zu Ende geführt, ein weiterer Nebensatz eingeschoben wird. (Sie sehen, man fängt unwillkürlich an, diesen Stil zu kopieren.) Eine weitere Schwierigkeit liegt in der Auslassung ausgerechnet des Verbs im obersten Gliedsatz, also im ut-Satz, das aus dem Vergleichssatz (quemadmodum … ) in der Parallele ergänzt werden muß.

Versuchen wir eine erste – zwar extrem wörtliche – Übersetzung, die aber die Verschachtelung eins zu eins nachzeichnet:

Ich stimme nämlich dem zu, was du behauptet hast, daß nämlich das eine aus dem anderen folge, so daß so, wie, wenn, was anständig sei, allein gut sei, folge, daß das glückliche Leben durch die Tugend erreicht wird, so auch, wenn das glückliche Leben in der Tugend liege, daß nichts gut sei außer der Tugend.

Mh. so daß so, wie, wenn, was – das ist noch kein Deutsch. Die etwas schwerfällige (tut mir leid, Cicero) id … quod-Konstruktion kann man auf Deutsch prima durch eine Nominalisierung ersetzen (das, was anständig ist = das Anständige. Durch Ergänzung des zu Ergänzenden, sowie ein paar Verdeutlichungen der Vergleichskonstruktion wird es noch durchsichtiger:

[…] so daß in der gleichen Weise, wie daraus, daß das Anständige allein gut sei, folgt, daß das glückliche Leben durch die Tugend erreicht wird, daraus auch folgt, daß, wenn das glückliche Leben in der Tugend liegt, nichts gut ist außer der Tugend.

Man ist im Deutschen außerdem gewohnt, die so … wie-Konstruktion umgekehrt aufzuziehen als es im Lateinischen üblich ist. Also:

[…] so daß daraus, daß das Anständige allein gut ist, ebenso folgt, daß das glückliche Leben durch die Tugend erreicht wird, wie auch, daß, wenn das glückliche Leben in der Tugend liegt, nichts gut ist außer der Tugend.

Nominalisierungen haben den Vorteil, daß sie ganze Nebensatzkonzepte in einem einzigen Wort bündeln, sich besser in einem komplexen Gedanken unterbringen lassen und also beim Lesen auch leichter interpretiert werden können. Das Verfahren hat aber seine Grenzen:

[…] so daß aus dem Alleinanspruch des Anständigen auf das Gute ebenso folgt, daß das glückliche Leben durch die Tugend erreicht wird, wie auch, daß die Tugendbasiertheit des glücklichen Lebens den Alleinanspruch der Tugend auf das Gute begründet.

(Die Stelle ist in Tusc. 5.21 zu finden. Es geht um die Frage, ob die Tugend allein zum glücklichen Leben ausreicht.)

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Catull V (L. küssen)

2. Januar 2013 § 7 Kommentare

VIVAMUS mea Lesbia, atque amemus,
rumoresque senum seueriorum
omnes unius aestimemus assis!
soles occidere et redire possunt:
nobis cum semel occidit breuis lux,
nox est perpetua una dormienda.
da mi basia mille, deinde centum,
dein mille altera, dein secunda centum,
deinde usque altera mille, deinde centum.
dein, cum milia multa fecerimus,
conturbabimus illa, ne sciamus,
aut ne quis malus inuidere possit,
cum tantum sciat esse basiorum.

Wir wollen, Lesbia, leben und uns lieben,
und mißgünstiges Reden strenger Greise
soll uns nach Herzenslust gestohlen bleiben.
Allein die Sonne sinkt und steigt doch wieder:
Wenn unser kurzes Lebenslicht gesunken,
so schlafen wir in Finsternis für immer.
Oh, gib mir tausend Küsse, danach hundert,
darauf ein zweites Tausend, nochmal hundert,
und sogar nochmal tausend, nochmals hundert.
Und dann, nach abertausend Abertausend,
verzähl’n wir uns, damit wir’s selbst nicht wissen,
und keiner sie uns übelwollend neide,
die Küsse, wenn er weiß, wieviel es waren.

Diaulus

15. März 2012 § Ein Kommentar

Chirurgus fuerat, nunc est uispillo Diaulus:
     coepit quo poterat clinicus esse modo.

Ehemals Feldscher, verdingt sich Diaulus fortan als Bestatter.
     Beugt er sich jetzt übers Bett, pflegt er sein wahres Talent.

(Mart. 1,30)

Nuper erat medicus, nunc est uispillo Diaulus:
     quod uispillo facit, fecerat et medicus.

Neulich war er noch Arzt, neuerdings ist Diaulus Bestatter.
     Was als Bestatter gelingt, glückte ihm auch schon als Arzt.

(Mart. 1,47)

Ovid, Amores I 2, 17f

7. Dezember 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

acrius invitos multoque ferocius urget
    quam qui servitium ferre fatentur Amor.

Härter nimmt ran, die sich sträuben, und auch noch wüster bei weitem
    Amor, als die bereit, willig zu tragen das Joch.

Seneca Ep. II, 1, 3–5

26. Februar 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Nimm trotzdem, wenn du magst, eine Hilfe an, mit der du dich wappnen kannst. Die Dinge, mein Lucilius, die uns Angst einjagen, sind zahlreicher als die, welche uns wirklich zusetzen, und oft quälen wir uns nicht der Tatsachen wegen, sondern aus bloßem Glauben. Ich spreche jetzt nicht zu dir mit der Stimme des Stoikers, sondern einer milderen; wir sagen ja, daß alles, was uns Stöhnen und Seufzen hervorruft, in Wahrheit leicht sei und verachtenswert. Lassen wir diese großen aber, ihr guten Götter!, wahren Worte einmal beiseite: Ich lege Dir nahe, dich nicht vor der Zeit zu grämen, da doch das, was du als bevorstehend fürchtest, vielleicht niemals eintreten wird, ganz sicher aber noch nicht eingetreten ist. Manches quält uns also mehr als nötig, manches quält uns früher als nötig, und manches quält uns ganz unnötigerweise; wir vergrößern den Schmerz oder nehmen ihn vorweg oder bilden ihn uns ein.

Tamen, si tibi videtur, accipe a me auxilia quibus munire te possis. [4] Plura sunt, Lucili, quae nos terrent quam quae premunt, et saepius opinione quam re laboramus. Non loquor tecum Stoica lingua, sed hac summissiore; nos enim dicimus omnia ista quae gemitus mugitusque exprimunt levia esse et contemnenda. Omittamus haec magna verba, sed, di boni, vera: illud tibi praecipio, ne sis miser ante tempus, cum illa quae velut imminentia expavisti fortasse numquam ventura sint, certe non venerint. [5] Quaedam ergo nos magis torquent quam debent, quaedam ante torquent quam debent, quaedam torquent cum omnino non debeant; aut augemus dolorem aut praecipimus aut fingimus.

Fortsetzung

27. August 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Schon fiel Asche auf die Schiffe nieder, desto heißer und dichter, je näher sie kamen; dann sogar Lavabrocken und schwarze, verbrannte, im Feuer geborstene Steine; dann eine plötzliche Untiefe, und das Ufer von einem Bergsturz abgeriegelt. Nach kurzem Zögern, ob er umkehren solle, sprach er zum Steuermann, der ihm dazu riet, „Dem Tapferen hilft das Glück: Fahr zu Pomponianus.“ Dieser hielt sich in Stabiae auf, durch die Bucht von uns getrennt – denn die Küste weicht hier allmählich in Windungen und Krümmungen zurück –; dort hatte er, obwohl die Gefahr sich noch nicht näherte, aber doch schon abzusehen war, und, würde sie zunehmen, sehr nahe wäre, sein Gepäck auf Schiffe geladen, zu Flucht entschlossen, wenn nur der ungünstige Wind sich erst gelegt hätte. Unter diesem Wind läuft nun mein Onkel ein, umarmt Pomponianus, tröstet den Zitternden, muntert ihn auf, und läßt sich schließlich ins Bad bringen, um so mit seiner eigenen Seelenruhe die Furcht des anderen zu besänftigen; nach dem Bade legt er sich zu Tisch und speist heiter oder – was genauso großartig ist – sich den Anschein der Heiterkeit gebend. Inzwischen leuchteten vom Vesuv her breite Feuersbrünste und hohe Brände, deren strahlende Helligkeit durch die Schwärze der Nacht noch verstärkt wurde. Als Gegenmittel gegen ihre Furcht sagte mein Onkel immer wieder, daß die Bauern in ihrer Panik die Herdfeuer sich selbst und ihre Häuser verlassen hätten, und das es diese seien, die dort nun allein vor sich hin brennten. Dann begab er sich zur Ruhe und schlief auch wirklich; den sein tiefes Atmen, das bei ihm wegen seiner Leibesfülle ziemlich tief und laut war, wurde von denen gehört, die an der Schwelle lauschten. Aber Gelände, von wo man das Gartenhaus betrat, hatte sich schon mit einem Gemisch aus Asche und Lava gefüllt und war so sehr angestiegen, daß, wenn mein Onkel länger im Schlafgemach geblieben wäre, er nicht mehr ins Freie hätte gelangen können. Man weckt ihn, er kommt heraus und gesellt sich zu Pomponius und den anderen, die die Nacht durchwacht hatten. Gemeinsam beratschlagen sie, ob sie im Haus bleiben oder sich lieber draußen aufhalten sollen. Denn die Wände neigten sich unter zahlreichen, heftigen Erdstößen, und wie aus ihrem Fundament gerissen, schienen sie sich mal hierhin mal dorthin zu verschieben und wieder zu ihrer alten Lage zurückzukehren. Unter freiem Himmel andererseits fürchtete man den Hagel von Lavabrocken, wenn diese auch leicht und schon ausgeglüht waren; dennoch sprach ein Abwägen der Gefahren für diesen Weg; bei meinem Onkel trug freilich die eine Überlegung über die andere, bei den übrigen aber die eine Furcht über die andere den Sieg davon. Sie legen sich Kopfkissen aufs Haupt und befestigen sie mit Leintüchern; das war ein Schutz gegen die fallenden Steine. Andernorts war schon Tag, hier aber herrschte noch Nacht, schwärzer und undurchdringlicher als je eine; aber sie wurde auch von Fackeln und verschiedenartigen Lichtern erhellt. Man beschloß, zum Strand hinunterzugehen und aus der Nähe zu sehen, ob das Meer schon eine Fluchtmöglichkeit böte; aber es blieb aufgewühlt und der Wind ungünstig. Dort legte sich mein Onkel auf ein niedergeworfenes Leintuch, bat immer wieder um kaltes Wasser und trank es. Dann lassen Flammen und der Vorbote von Flammen, ein Geruch nach Schwefel, die anderen das Weite suchen, meinen Onkel aber scheuchen sie auf: Gestützt auf zwei Sklaven steht er auf – und bricht sofort wieder zusammen, weil, wie ich vermute, der ziemlich dichte Rauch ihm das Atmen schwer machte, indem sich seine Luftröhre, von ihrer Anlage her schwach, eng und oft flatterig, verschloß. Als das Tageslicht wiederkehrte – es war der dritte seit dem, an dem er zuletzt gelebt hatte – fand man seinen Leichnam unversehrt, ohne Verletzung, in den Kleidern, die er zuletzt getragen. Sein Körper glich mehr einem Schlafenden denn einem Toten.

Währenddessen waren meine Mutter und ich in Misenum – aber das ist für die Geschichte ohne Belang, und Du hattest ja nur vom Tode meines Onkels erfahren wollen. Also schließe ich hier. Eines nur möchte ich hinzufügen, daß ich nämlich alles, bei dem ich selbst zugegen, und auch, was ich gleich danach, als es noch am genauesten im Gedächtnis war, gehört, getreulich berichtet habe. Du wirst daraus das wichtigste auswählen. Es ist nämlich etwas anderes, ob man einen Brief oder ein Geschichtswerk, ob man einem Freunde oder für alle Menschen schreibt. Lebe wohl.

a.d. IX Kal Sept. anno 832 (24. August 79)

24. August 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

C. Plinius grüßt Tacitus

Du bittest mich, daß ich Dir vom Ende meines Onkels schreibe, damit Du den Nachfahren wahrhaftiger davon berichten kannst. Ich danke Dir; denn ich sehe, daß seinem Tode, wird er von Dir gewürdigt, unsterblicher Ruhm zukommt. Denn obwohl er bei der Vernichtung der herrlichsten Landschaften, ebenso wie Bevölkerung und Städte in einem denkwürdigen Untergange zugrundeging, gleichsam, als ob er für immer leben sollte; und obwohl er mehrere bleibende Werke schuf: So wird dennoch die Unvergänglichkeit Deiner Schriften zu seinem Fortleben viel beitragen. Ich halte wahrlich die für glücklich, denen das Göttergeschenk gegeben ist, beschreibenswertes zu leisten oder lesenswertes zu schreiben; am glücklichsten aber die, denen beides gegeben ist. Zu ihnen wird auch mein Onkel zählen, durch Deine Bücher und seine eigenen. Und darum will ich Dir gerne Deinen Wunsch erfüllen, ja, ich verlange selbst nach dem, was du mir aufträgst.

Mein Onkel war in Misenum und befehligte dort persönlich die Flotte. Am 24. August, ungefähr zur siebten Stunde, machte meine Mutter ihn auf die Erscheinung einer Wolke von ungewöhnlicher Größe und Gestalt aufmerksam. Mein Onkel hatte sich gesonnt, danach kalt gebadet, im Liegen etwas gegessen und arbeitete jetzt. Er verlangt seine Sandalen, steigt auf eine Anhöhe, von wo man das Wunder am besten beobachten kann. Die Wolke – von weitem betrachtet war unklar, von welchem Berg; später wurde bekannt, es sei der Vesuv gewesen – die Wolke also stieg in die Höhe und ließ mit ihrer Form von allen Bäumen am meisten an eine Pinie denken. Denn hochgewachsen wie auf einem sehr langen Stamm teilte sie sich in der Höhe in etliche Äste, ich glaube, weil sie von einem Luftstrom vor kurzem hinaufgetrieben worden war, und dann, als dessen Kraft nachließ, von ihm im Stich gelassen oder von ihrem eigenen Gewicht bezwungen, in die Breite ging, an manchen Stellen weiß, an anderen schmutzig und fleckig, je nachdem, wo sie Asche oder Erde emporgerissen hatte. Es schien etwas Großen zu sein, das ein gelehrter Mann näher erforschen müsse. Mein Onkel befiehlt, ein kleines Schiff bereit zu machen; mir stellt er frei, ob ich mitkommen will; ich antwortete, daß ich lieber arbeiten wolle, und zufällig hatte er selbst mir etwas zu schreiben gegeben. Er war im Begriff, das Haus zu verlassen, da bekommt er ein Briefchen von Rectina, der Frau des Tascus, die außer sich vor Angst ist über die drohenden Gefahr – denn ihr Haus lag am Fuß des Berges, und es gab von dort keinen anderen Fluchtweg als mit Schiffen –: Sie bat darum, daß mein Onkel sie dieser Gefahr entreiße. Dieser ändert seinen Entschluß, und was er aus Forschergeist begonnen, nimmt er jetzt aus Großmut auf sich. Er läßt Vierruderer auslaufen und geht selbst an Bord, um nicht allein Rectina, sondern vielen Menschen – die schöne Küste war ja dicht besiedelt – Hilfe zu bringen. Er eilt dorthin, woher andere fliehen, und hält Kurs und Steueruder geradewegs auf die Gefahr zu, derart frei von Furcht, daß er alle Veränderungen und alle Einzelheiten dieses schlimmen Ereignisses diktierte und festhielt, so wie seine Augen es erfaßten.

Schon fiel Asche auf die Schiffe nieder …

Tierträume

25. März 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Zoo. Dunkle Giraffen, die mit gespreizten Beinen trinken und sich dann mühevoll wieder aufrichten. Manchmal stoßen sie ein wunderliches Gebrüll aus, als störe oder beunruhige sie etwas Dieses Gebrüll ist ein langer, dröhnender Schrei, ein Geröhre und Grollen, das sie mit gesenktem Hals ausstoßen. Auf ihrem Rücken sitzen kleine Affen. Später sind die Giraffen aber Kamele; und aus den Affen auf ihrem Rücken sind hohe, verfaltete, eingeknickte und mit langen Fellbüscheln gekrönte, schlanke Wülste geworden, ihre Höcker, so hoch und sperrig, daß man sich fragt, wo denn auf diesem Rücken ein Reiter Platz finden soll.

Giraffa camelopardalis (im Kölner Zoo)

Gestern bei Strabo folgendes gelesen (Geographica, 7.4.8):

ἔστι δὲ τῶν τετραπόδων ὁ καλούμενος κόλος, μεταξὺ ἐλάφου καὶ κριοῦ τὸ μέγεθος, λευκός, ὀξύτερος τούτων τῷ δρόμῳ, πίνων τοῖς ῥώθωσιν εἰς τὴν κεφαλήν, εἶτ’ ἐντεῦθεν εἰς ἡμέρας ταμιεύων πλείους ὥστ’ ἐν τῇ ἀνύδρῳ νέμεσθαι ῥᾳδίως.

„An Vierbeinern gibt es den sogenannten Kólos, der Größe nach zwischen Hirsch und Widder, von weißer Farbe und im Laufe schneller als diese. Er kann mit den Nüstern Wasser in den Kopf aufnehmen, auf das er dann als Vorrat über mehrere Tage hinweg zugreift. So vermag er leicht auch in Trockengebieten zu weiden.“

Über die Zeit (Seneca an Lucilius)

6. Februar 2009 § 5 Kommentare

Immer wieder eine lohnende Lektüre: Seneca:

In hoc enim fallimur, quod mortem prospicimus: magna pars eius iam praeterit; quidquid aetatis retro est mors tenet. Fac ergo, mi Lucili, quod facere te scribis, omnes horas complectere; sic fiet ut minus ex crastino pendeas, si hodierno manum inieceris. [3] Dum differtur vita transcurrit. Omnia, Lucili, aliena sunt, tempus tantum nostrum est; in huius rei unius fugacis ac lubricae possessionem natura nos misit, ex qua expellit quicumque vult. Et tanta stultitia mortalium est ut quae minima et vilissima sunt, certe reparabilia, imputari sibi cum impetravere patiantur, nemo se iudicet quicquam debere qui tempus accepit, cum interim hoc unum est quod ne gratus quidem potest reddere.

Darin nämlich täuschen wir uns, daß wir den Tod als vor uns liegend betrachten: Dabei ist ein großer Teil von ihm schon geschehen; alles, was an Lebenszeit hinter uns liegt, hält der Tod in Händen. Mach es also so, mein Lucilius, wie du es geschrieben hast, und halte alle Stunden fest; so wird es geschehen, daß du weniger am Morgen hängst, wenn du nur erst das Heute in deinen Besitz genommen hast. Das Leben geht vorbei, während man es aufschiebt. Nichts, mein Lucilius, gehört wirklich uns, nur die Zeit ist unser eigen. Dieses einzige Flüchtige und Vergängliche gibt uns die Natur zum Besitz, und es verjagt uns daraus, wer immer will. Und so groß ist die Dummheit der Menschen, daß sie, wenn sie um wertlose oder doch sicher ersetzbare Kleinigkeiten gebeten haben, sich diese in Rechnung stellen lassen, während keiner, dem jemand Zeit geschenkt hat, der Ansicht ist, dem andern etwas schuldig zu sein; dabei ist die Zeit doch das einzige, daß niemand je zurückzahlen kann, und sei er auch noch so dankbar.

Wo bin ich?

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