16. Februar 2012 § 6 Kommentare

Musik im Kopf, und die Landschaft unaufhaltsam. Bewegung, Bewegung. Aufbruch und Zwischenreiche. Die Atemlosigkeit der Bahnsteige. Beton. Schienen und Beton, geborstene Erzählungen. Gräben, in die Stücke vom Horizont hineintauchen. Klang und Land im Kopf, einander widerstreitend. Lärm: der Schmerz der Entfernungen. Diese Heimfahrten immer, ihres Namens nicht würdig. Ich komme nicht nach Hause. Weil ich nicht daheim bin daheim.

Das Bild von Vater und Mutter im Flur. Winken am Fenster. Nachher, beim Auspacken aus der Reisetasche, werden die Kleider noch nach dem anderen Zuhause riechen, in meiner Wohnung nach ihrer Wohnung, nach der Wärme der Küche und dem Dampf auf dem Herd, nach Wein und schöner Seife und Willkommensein. Vier Nächte Schlaf, Wange und Stirn dem behutsamen Raum überlassen. Vor dem Einschlafen der letzte Blick hoch zu den wachenden Titeln der Bücher. Mittags den Schlüssel immer ohne Angst ins Schloß stecken.

Musik im Kopf, ein Zwang. Unter blitzschönen Himmeln wuchert fremdes Land ins Weite, wo Hochhäuser am Horizont schaben. Zahlenspiele der Krähen und Elstern. Schatten winden sich um die Hecken. Minutenlang nur Felder hinter dem Spiegel der Scheiben. Land und Land und Land. Die Einsamkeit der Telegraphenmasten in diesem blauen Triumph von Flächen, das macht mich ganz traurig. Wie diese Bögen aus Draht weiterschwingen und vervielfachte Weiten verknüpfen müssen und niemals ans Ende kommen, um Nachricht zu werden, Stimme und Wort.

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nox antiquissima

12. Oktober 2011 § 3 Kommentare

Noch einmal und noch einmal dieser Himmel, wie er sich von den Wipfeln emporschwingt, als brächte uns das Jahr seine übersehenen Tage zurück. Wir wandern. Über stockundsteinige Wege, quertagein, und die Tage, blinzelnd und taub, stehen Schlange in den Höfen der Lilien. An den Kreuzungen blitzen die Eicheln. Knisternde Gedichte stromern im Laub, stundenlang nähert sich Hufgetrappel, aus einer Ferne mit Flüssen, nähert sich, kommt nie an. Man muß sich die Sterne denken, so hell, daß die Karavanenreiter am Tage sich werden danach richten können. Hände lassen Leinen laufen. Wasser steht unter dem Berg. Wiesenwinde jagen einander Schatten ab, und die Luft lacht von sonnigen Vögeln. Aus der Flasche spritzt es übers Schlüsselbein und schreibt ein Staunen auf deine Brust. Die Blicke bekommen Schwingen, wenn sich der Tag nach langen Stunden an den Scharten der weitesten Hügel bricht, dann an den näheren, dann an den überm Tal stehenden, bis der Westen vor die Füße kollert und der Umschlag zur Nacht gelingt. Müde sind die Schuhe. Ein Kiesel rollt noch vom Weg, dann ist es Nacht. Deine Zunge schmeckt nach Leder und Rauch. Du lachst, daß es von den hängenden Schatten widerhallt. Das Zelt ist aus Himmel, wir liegen, die Hügel wandeln im Traum. Während wir ruhen, quietscht die Nacht in den uralten Angeln.

Dämmerung

30. Oktober 2007 § Hinterlasse einen Kommentar

So ein Himmel, wieder kaum strukturiert, erschöpft von Nässe und den Anstrengungen, die es kostete zu regnen, nachtstunden auf und ab, still jetzt, still und voller blassem Gefädel, zu leicht fast für Vögel. Einen Glockenton bräuchte es für Licht und Sperling, die scharfe Kante eines aufglühenden Schattens, ein Zwinkern der Hundsrose. Aber die Wege sammeln weiter Dämmerungen ein, eine Zehrung den langsam stürzenden Bäumen an ihrer Schulter.

Im Bus

26. September 2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Froh werden an einer Busfahrt. Nicht, daß es regnet, nicht, daß die Sonne scheint, nicht, daß ein Blatt klebenbleibt auf der feuchten Scheibe, unruhig zittert, wieder abfällt und wirbelnd in die Straße zurückgesaugt wird; auch nicht die wetterfeuchten Hecken über dem Dunkel eines Bachs, die glühenden Spitzen des Grases, wie es ins Gewölk überm Feld hinüberleuchtet; oder der traurige Mund eines Jungen, vertieft in eine kiloschwere Lektüre. Froh werden, an etwas, das ein Rätsel ist, und in seiner Rätselhaftigkeit alle Vordergründe überwindet, die minutenlang anhaltende, unumstößliche Gewißheit, am Leben zu sein und in der Welt.

Wo bin ich?

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