kein

24. Februar 2006 § 5 Kommentare

niemand
schreie ich ins nichts
und das nichts
nimmt es hin

das schweigen hat viel raum
da kann man schreien so viel
man will.

paßt immer noch ein
keil verzweiflung
hinein irgendwo
zwischen einmal stille
und zweimal stille

wieder schweigen?
nein
jedes
schweigen
hat ja seine eigene maske

und darunter
wir selbst, unerträglich
gespiegelt

jede keine antwort
ist eine neue keine antwort
ein nie gehörtes kein ja
ein ganz frisches kein lächeln

wie ein frühlingsmorgen
ja, jedes abwenden
lächelt auf seine eigene weise, und

jedes mal leerbriefkasten
fügt dem warten
ein neues steinchen zu

hart wie glas
draus baut man sich einen palast
da ist viel platz, wie im nichts
zeit hat man ja nun

genug

Knittelverse (Naive Dichtung …)

4. März 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

zusammen gelacht
zusammengebracht
zusammengekracht
zusammengedacht

voneinander getauscht
und einander belauscht
und einander berauscht
viel Herz aufgebauscht

Herz hinter Stangen
mancherlei Bangen
ineinander verfangen
Wolkenverhangen

zusammen vermutet
zusammen gehofft
zusammen gezofft
aneinander geblutet

zusammen gekocht
einander gemocht
Gehirnschmalz zermartert
Gefühle gechartert

Gefühle gehabt
Schmerzen berappt
den Mut nicht gehabt
doch nicht geklappt

Gefühle verpfändet
in Zweifel verhaftet
Angst nicht verkraftet
in Panik beendet

aneinander gehangen
doch mehr zu verlangen
viel zu befangen

auseinander gegangen
kein Lieb angefangen

Vergleichsweise

3. März 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

Besser ein Ziel, das man nicht erreichen will, als gar keines.

18. Sterne

22. Juli 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn die Nacht kommt
Und die Stimmen erwachen
Wenn die Finsternis naht
ungerufen wie meist
und die Zufluchten der Stille
abhanden kommen.
Wenn der Himmel sich abwendet:
An welche Sterne hängen wir dann
das Gewicht unserer Seele?

Musik von irgendwoher, Schönheit in
ihre Schranken verwiesen. Unmöglich,
irgendetwas, Seele, Tag, Nacht, Stern, Mond,
Lied, Meer, Land, Wüste, Wald,
auszuhalten, ließen wir ihr,
ließen wir der Schönheit die Zügel gehen.

Aber die Nacht kommt auch ungerufen, und
die Sterne, die Sterne: vergessene Speise der Engel,
verworfenes Mahl, abgelegtes Singen, nachlässig erübrigt, die
Sterne tragen die Last unseres Herzens nicht.

Sagtest du nicht: Halte mich fest, begrenze mich?
Aber du sollst Nacht werden
und Himmel.

Soviele Blicke an dich angehängt. Ziert dich nicht
die Liebesfeuchte sovieler Lider?

Aber falsch: unter deinen Füßen ruht die Straße. Es ist
nicht so, wie ich dachte, und deine Hände schütteln
Liebe von den Bäumen. Greif
in mein Herz, greif durch mich hindurch, nimm mit,
was du an Toden findest, such dir den schönen Schmuck aus und
Die schillernde Einsamkeit, den Vogel, die Spur
seines Fluges im Licht des Morgens
das Gesicht in der Fensterscheibe, das Eisige
des Fingers, der
deine Wange ungefragt berührt hat.

15. An Claudia

20. Juli 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute Morgen die Donnerschläge eines Gewitters, die sich polternd in den halbfertigen Schlaf drücken … Beunruhigungen, Sorgen. Es ist auswegslos. Ich komme an dir nicht vorbei, Claudia. Und doch kann ich nicht zu dir kommen, nicht mit dir sein. Es wäre grotesk. Von allen anderen Schwierigkeiten ganz zu schweigen.

Die Schwingen der Bäume hängen vollgesogen von Regen über den Weg. In den Pfützen stehen zitternd die Umrisse der Wagen und Baumstämme, und die Welt fühlt sich an, als sei sie schon viel später als sie wirklich ist. Der Sommer ist schon vorbei. Unsere Berührungspunkte jede Woche sind vergangen, bevor sie vergangen sind. Traurigkeit macht die Bäume schwer, und bald wird alles, was ich seit April oder Mai erlebe, wie ein immer fernerer Spiegel sein, in dem sich alles immer kleiner und kleiner spiegelt.

11. verrückt

13. Juli 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Ach Claudia, es ist zum Verrücktwerden. Du bist so schön, daß es absurd ist, aberwitzig schön.

9. Claudia (Augenpaar)

6. Juli 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach zwei Wochen, während derer ich unter dem Brand und der Spannung eines Augenpaares gelebt und gedacht habe, drifte ich wieder hinab in die Nachlässigkeit und Selbstindulgenz des Nach-Innen, der Selbstbefriedigung, der Schlaffheit.

Letzten X-tag einige hastige, sich selbst kaum glauben wollende Worte, etwas wie ein Gespräch, ein nur flüchtiges Betasten und doch der Anfang der Wahrnehmung der Wahrnehmung des Anderen, und der Anfang des Wieder-Sprechens. Ich glühte vor Aufregung, wie in früheren Jahren, und nichts wollte hinterher Bestand haben, was nicht ihr Wort war.

Und wie schon so oft, so sammle ich jetzt wieder die Stücke dieses kurzen Wortwechsels auf, finde sie wie verstreute Scherben eines kostbaren, doch rätselhaften Mosaiks, die ich zusammensetze, um dann grübelnd seinen Sinn zu entdecken zu versuchen.

8. Claudia (Nympha)

5. Juli 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach den Gefühlsstürmen gestern heute nur noch eine böse Niedergeschlagenheit. Eine atemlose Nähe mit hastig zuckenden Blicken und sogar zwei Worte, die ich heimlich auf mich beziehe. Sie ist die Nymphe. Die Halbgöttin mit den klugen Augen, dem Mutterkinn, den schönen Händen; die Nymphe mit der schönen, selten zu hörenden Stimme, die in all ihrer Jugend, ihrem Frischsein und Jungsein doch so viel älter ist als ich: ich bin ihrer überhaupt nicht würdig, sie aber einem Gotte. Kaum kam ich nach zwei Stunden wieder zu mir. Ich wollte. Ich mußte. Ich verlangte nach. Ich entbehrte. Stunden blieben ungelebt liegen. Herzschläge vergeudeten sich an ein leeres Zimmer. Vor mir Bett, stiller Raum, Fenster mit blühenden Sträuchern, und überall herrscht Frühlingsauswegslosigkeit. Ich entbehre, und alles, was von irgendeinem Wert wäre, spielt sich fern von mir ab.

4

30. Juni 2004 § Hinterlasse einen Kommentar

… daß ich einen Blick getan habe in ein fremdes Inneres; und den Sog eines fremden Lebenliebenleidens an mir gespürt habe, als wäre es mein eigenes … so nah. Und doch: je tiefer ich eindringe, desto fremder, ja entrückter wird sie mir. Wird mir dies Lieben und Leiden; so fremd, daß ich glauben muß, selbst nicht so tief und hingabevoll leiden-und-lieben zu können. Es ist nicht so, daß ich mich erkenne, denn wie könnte ich? Es ist, wie wenn man etwas schaut, das heilig ist und deshalb verborgen, und das zu schauen nur dem besonderen Augenblick vorbehalten ist; und das zu schauen wohl nicht verboten, nicht versagt ist, aber auch nicht folgenlos bleiben kann. Die Welt wird nicht mehr so sein wie vorher. Wie ein Blinder, der plötzlich sieht und am Sehen schuldigheilig werden kann. Und so bin ich berührt, ja durchwallt und durchwühlt. Die Stimme dieser Frau spricht in mir fort. Nein, sie spricht nicht, aber ich weiß immer um sie. Sie hat etwas in mich gelegt, und indem sie dies tat, etwas bewegt und umgestoßen. So daß etwas neu ist in mir, … oder neuentdeckt?

Das Gefühl ist weiterhin und nach einem Wochenende lang Glühen und Denken und Schwelgen und Rätseln so fremd, daß die Worte nicht heranreichen; was ich auch denke, es kreist nur darum herum, ohne sein Wesen zu treffen. Alle Vergleiche gehen fehl. Es ist als ob ich verliebt wäre in das bunte Herz … nein. Es ist wie etwas Verbotenes geschaut zu haben … nein. Es ist die Fassungslosigkeit vor so viel Tiefe und so viel schön gesungenem Wort … nein.

Es ist von allem etwas, und nichts ganz.

Manchmal auch stelle ich mir vor, daß diese Schilderungen, daß die Geschichte hinter den wildtraurigen Gesängen gar nicht wahr ist. Vielleicht handelt es sich nur um eine Erfindung, wenngleich eine wunderbare? Wäre das eine Enttäuschung?

Dann wieder will ich diesen Gedanken gar nicht denken. Es soll echt sein. Es soll diese Geschichte, diese Gefühle, diese Trauerwildheit geben.

Als Beweis für die Möglichkeit einer solchen Geschichte?

Ja, ich fühle mich auch ausgeschlossen; nicht von dieser Geschichte, aber von den Geschichten überhaupt, die mir mit einemmal unwählbar vorkommen. Unbeginnbar. Unwollbar. Sie geschehen, aber nicht, weil jemand will, und sie geschehen anderen, nicht mir. Die Stimmen eines Festes am anderen Ufer, dahinfließender Feuerschein im Spiegel des Flusses, Gesang und Gitarrenklänge, die herüberzittern und auf den Wassern treiben, und dies warme, menschenbeherzte Ufer mit dem Gesang und den Stimmen und der Liebe, die dort vielleicht zwischen zwei Menschen beginnt, dies Ufer ist unerreichbar weit. Und das Wasser zu meinen Füßen kalt, und das Schilfgras totendunkel. Hinter mir ist nichts und nicht einmal Schlaf und Traum, und hellwach muß ich hinüberblicken und hinüberlauschen, und starr und aller Brücken entbehrend. Die Frage ist, ob wir unsere eigene Geschichte wählen. Vielleicht nicht. Aber vielleicht ermöglichen? War das nicht schon immer die Frage und das quälende Rätsel? Nichts hat sich geändert. Vielleicht schaue ich einfach nicht mehr hinüber. Vielleicht ziehe ich die Vorhänge zu und drücke mir ein Kopfkissen auf die Ohren und warte, bis das Lichtchen zwischen den Föhrenstämmen verglommen ist und die Stimmen unhörbar weit sind. Manchmal ist der Wind in den Wipfeln ein Trost.

Berührt. So wie der langsam verhallende Klang von Haut auf meiner Haut. So fein wie das Spiegelbild, das ein Blick auf meine Augen legte. Berührt von Worten, die ja gar nicht an mich gerichtet waren, wandele ich, reise ich, bin ich unter Menschengelächter und Menschenwärme. Ich höre und sehe es wohl; doch in mir erklingt eine andere Stimme, und hinter meiner Stirn schaut mich eine an, die ich nicht kenne. Sind wir nicht stundenlang in einem Café gesessen und haben geredet und geredet? Haben sich unsere Hände nicht berührt, miteinander einverstanden, so daß meine Haut noch von deinen Fingern singt?

Nein, du weißt nichts von mir, und hast doch dein Herz mir geöffnet. Berührt bin ich von dir. Ich bin gezeichnet und heilig befleckt. Ich habe dich gesehen, und es ist, als wärest du nackt gewesen, doch verhüllt dein Antlitz, verschlossen dein Auge. Du kennst mich nicht, und bist mir doch gefolgt, überallhin. Tagelang gab es nichts Schöneres, als über dich und dein verhülltes Antlitz und deinen verschlossenen Mund nachzudenken. Verschwendet waren die Stunden ans Menschengelächter, an Speise und Sonnengang und Buch, ja, an die Stimme der Freundin. Lieber wollte ich es dir nachtun, in ein dampfendes Bad gleiten um dort zu-lesen-und-nicht-zu-lesen.

Wo bin ich?

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