Mitnotiert: Rehe

12. Oktober 2017 § Ein Kommentar

Noch nie bin ich einem Reh so nahe gekommen, fast hätte es einen Zusammenstoß gegeben. Das erste entschied sich, noch über den Weg zu laufen, fürs zweite wurde die Zeit zu knapp – es blieb mit einem Ruck stehen, den Körper halb zur Flucht gedreht, die Beine unsortiert über Kreuz, die Augen zwei Reflexe des Schreckens. Das Tier war verblüffend klein; hätte es neben mir gestanden, hätte es mir höchstens bis zum Knie gereicht. Die im Vergleich zum Kopf riesigen Ohren waren aufgestellt und nach vorne gerichtet. Alles an diesem Tier war Alarm. Und mir tat es leid, es erschreckt zu haben. Ich entließ es aus dem Bannkreis der Lampe, ließ den Wald hinter mir in die Dunkelheit zurückfallen, wandte mich, fiel wieder in Trab. Hinter mir knackte es leise im Unterholz.

Einmal habe ich an einem Herbstmorgen am Bahnhof einen Vogel am Boden liegen gesehen, von dem ich glaubte, er sei tot. Es war ein Rotkehlchen. Neben dem winzigen Leib, so winzig, daß man glauben mochte, er wiege nichts, lag eine zerfledderte Illustrierte; abseits rollte ein Coffee-to-go-Becher vor sich hin; vor dem Vogelköpfchen erhob sich riesig und das Leuchtstoffröhrenlicht des Unterstands spiegelnd eine Glasscheibe. Wahrscheinlich war der Vogel dagegengeflogen. Jetzt lag er halb auf der Seite, halb hockte er aufrecht, so daß das zum schmalen Schlitz geöffnete linke Auge in der leichten Drehung des Körpers nach oben wies, auf mich gerichtet war. Ich bekam einen Schreck: Lebte der Vogel denn noch? Tote Vögel, überlegte ich, haben geschlossene Augen. Ich bückte mich näher. Das Rotkehlchen lag völlig reglos, sein Auge starrte mit halbem Blick, es war nicht zu sagen, ob es tot war oder tief in seinem winzigen Innern noch lebte, noch litt.

Man kommt dem Tier nie wirklich nahe; es bleibt immer eine Kluft. Wir wissen ja nicht einmal, wie unsere menschlichen Zeitgenossen fühlen, wieviel weniger können wir es bei einem Tier ahnen. Eine Kluft, eine Traurigkeit, eine Sehnsucht: Nach dem verlorenen Leben, nach der verlorenen Unschuld. Die Sehnsucht danach, fraglos dazusein, und dazu keiner Hilfsmittel zu bedürfen: selbstwirksam und selbstgenügsam, sein eigener Herr. Die Sehnsucht auch, keine Zukunft zu kennen, keine Not, bis auf den Hunger des Augenblicks. Sicher, auch das Tier stirbt. Es stirbt, und weiß aber nicht, daß es stirbt. Wir aber haben den Tod ein ganzes Leben lang bei uns. Ist dieser lang erwartete Tod besser?

Ich konnte nichts tun. Ich entfernte mich leise, wie man sich von einem Schlafenden entfernt, stellte mich in eine andere Ecke des Unterstandes und schaute in den zunehmenden Regen. Ich war völlig allein auf dem Bahnsteig. Ich und der Vogel. Ein paar Momente verstrichen. Ich schaute wieder hin. Das Tier war im verschlissenen Licht der Leuchtstoffröhren kaum mehr als ein unscharfer Fleck. Ich schaute wieder weg. Tiere sterben, dachte ich, Tiere leiden, du kannst nichts tun. Ich schaute wieder hin, zwanghaft, wie man das Photo einer Greueltat in der Zeitung anschauen muß. Ich bekam einen Schreck: Hatte der diffuse Fleck sich bewegt? Oder war es das schwache Licht, das im Verein mit meiner unausgeschlafenen Müdigkeit die Umrisse des Vogelflecks neben der Illustriertenruine tanzen ließen?

Einmal, auf einer Wanderung, traf ich auf ein totes Frettchen. Es lag, alle Viere von sich gestreckt, auf dem Rücken, den Kopf nach hinten und zur Seite geneigt, mitten auf dem Feldweg, vollständig außer Deckung. Äußerlich unverletzt, klebte auf der Schnauze ein winziger Blutstropfen. Um den buschigen Schwanz herum trocknete eine Urinpfütze in der warmen Sommersonne. Was immer geschehen war, es war eben erst geschehen, und es war endgültig geschehen. Die Felder waren menschenleer. Kein Raubtier, kein Auto, kein Traktor zu sehen. Die Wege spannten sich in alle Richtungen. Am Himmel zogen Schönwetterwolken. Ich war der einzige Zeuge. Ich ging weiter.
Man dachte, es müßte verschwinden, so ein Anblick hielte die Entfernung nicht aus, das Triviale des Raums, das Triviale der Unkenntlichkeit; aber als ich mich nach ein paar, nach zehn, nach hundert Schritten umdrehte, war es immer noch da, kleiner und unkenntlicher mit jedem Umdrehen, einem absurden und trivialen Gesetz unterworfen, für das es einfach nicht gemacht schien, nicht passen wollte. Aber es war genauso tot wie etwas, das nie gelebt hatte. Und dann war es nur noch ein Fleck in der Wegtiefe, der alles mögliche bedeuten konnte, Pferdeapfel oder Erdkrümel oder Maiskolben.

Nein, das Rotkehlchen bewegte sich wirklich. Der Kopf pickte, spähte, drehte sich hierhin und dahin, mit jener zuckenden Bewegung, wie sie kleinen Vögeln eigen ist. Ich beobachtete das eine Weile, trat aus dem Unterstand heraus und näherte mich der Stelle von der anderen Seite, von außen. Ich hatte den Fleck kaum ausfindig gemacht, als das Rotkehlchen auch schon davonschoß, mühelos, flink. In drei Bögen war es über die Gleise weg und verschwand, nur ein Fingerschnippen der Nacht, in der Dunkelheit jenseits der Bahnhofslaternen.

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Erzähl er nicht weiter, Herr Urian!

2. Oktober 2017 § 9 Kommentare

Früher war es das Reisen.
Eine gebotene Narrheit, ein Traum, hatte das Reisen zur Hauptperson jemanden, der ich nicht war, der ich aber gerne gewesen wäre. Das Reisen erforderte Eigenschaften, die ich im höchsten Maß nicht besaß, aber besitzen wollte, Coolness, Anpassungsfähigkeit, Angstfreiheit, Extrovertiertheit, Neugier, Unerschrockenheit, Schläue, Abenteuerlust, und gerade deshalb war ich so oft auf Reisen, so mit verbissener Leidenschaft, Hartnäckigkeit, ja Trotz unterwegs, als könnte ich auf diese Weise die mangelnde Coolness erwerben oder einüben, bis sie saß. Je öfter gereist, je schwieriger die Umstände, desto cooler, auf Dauer. Dachte ich.
Großgeworden im Zeitalter des aufstrebenden Rucksacktourismus (Stichwort „Land und Leute kennenlernen“), neuentdeckter Authentizität von Balsamico-Essig und Single-Malt-Whisky, in einer Generation, die plötzlich genau zu wissen glaubte, wie das Originalrezept für Tiramisù gehe, und denen „Insalata caprese“ leichter über die Lippen kam als „Grünkohl mit Pinkel“, unter Menschen, die größere Vertrautheit mit dem Didgeridoo als mit der Zupfgeige bewiesen – in dieser plötzlich ganz dem Außen zugewandten, Weltoffenheit und -läufigkeit demonstrativ zur Schau stellenden Umwelt galt für mich nicht minder, was für alle Altersgenossen galt. Wer jung war, mußte reisen. Wer es nicht tat, galt als vorzeitig vergreister Toast-Hawaii-Esser. Das wollte ich natürlich nicht sein. Niemand wollte das, auch wenn der Toast Hawaii heimliche Lieblingsspeise blieb. Man war nicht ehrlich, man verschwieg das, und bildete sich ein, die „original italienische Salami“ vom Discounter sei besser. Wenn ich ehrlich zu mir gewesen wäre: Dann hätte ich lieber Ostfriesenmischung als Assam FTGFOP getrunken. Und wenn ich noch ehrlicher gewesen wäre: Dann wäre ich zu Hause geblieben.


Denn wohl habe ich mich nie gefühlt auf Reisen. Ich habe es immer schon gemütlich, vorhersagbar und bequem haben wollen. Zwar wäre ich gern ein Abenteurer gewesen, nur Abenteuer erleben, das war nun doch etwas viel. Ich wollte mutig sein, aber nicht in Situationen geraten, die Mut erfoderten. Sein, nicht machen: Ich wollte jemand sein, für den es keine Gefahren, sondern nur Herausforderungen gab, kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung (und schlechte Laune), einer, dem es gelingt, die ganze Welt zu seinem Wohnzimmer zu machen. Dabei haßte ich schon den unbedeutendsten Zwischenfall, einen verspäteten oder verpaßten Zug etwa, oder wenn ich mich in einer Altstadt verlief, mir die Landessprache trotz Intensivkurs verschlossen blieb oder eine Hoteladresse nicht zu finden war. Schmutzige Betten, kaltes Duschwasser, unlesbare Fahrpläne, überlaufene Sehenswürdigkeiten konnten mich ebenso ärgern wie nervtötende Eigenschaften Einheimischer, etwa, immer freundlich „ja“ zu sagen, wenn sie „nein“ meinten (Bolivien), mir das Blaue vom Himmel herunterzulügen über das hübsche Hotel des Schwagers (Griechenland), bei Regenwetter mit Sonnenbrille herumzulaufen (auch Griechenland), oder aus zehn Kilometern zehn Meter zu machen (überall auf der Welt).

Ich arbeitete hart an mir. Irgendwann mußte es mir doch gelingen, die albernen Sonnenbrillen exotisch zu finden und das Ramschgeschäft mit dem heruntergekommenen Hotel des Schwagers für unverfälschte autochthone Gastfreundlichkeit zu halten. Das machten die andern doch schließlich auch! Laß es einfach auf dich zukommen, sprach ich zu mir selbst mit zusammengebissenen Zähnen, alles ist Erfahrung, urteile nicht so viel, entspann dich einfach. Ich entspannte mich – und verpaßte den Bus, weil ich den Fahrplan nicht zu entziffern vermochte.

Wenn ich reiste, war ich nicht so sehr irgendwoher irgendwohin unterwegs; besuchte ich nicht andere Länder oder Gegenden; war ich nicht auf der Suche nach etwas, sondern nach meiner Rolle dabei. Spaß machte das nicht. Meistens nicht. Natürlich gab es Momente seltsamer Intensität, an die ich heute noch gerne zurückdenke. Die Fahrt um Mitternacht Ortszeit vom Flughafen El Alto hinunter in den Canyon, an dessen Hängen das Lichtermeer von La Paz, tief, tief unten, emporbrandete; ein fetter Vollmond, geschwollen wie eine leuchtende Made über Piräus, beim Auslaufen der Fähre hinüber nach Kreta; ein Tagesanbruch in einem Park in Hieraklio, griechische Erde und Sonne, das Blitzblanke eleganter Frauen beim Morgenspaziergang mit ihrem Hund. Aber diese Erinnerungen, eingebettet in den größeren Kontext der Widerwärtigkeiten, die solchen Momenten vorausgingen (Streit mit Taxifahrern) und folgten (stressige Hotelsuche im Zustand völlier Übernächtigung), sind heute stets begleitet von der Erleichterung, daß es vorbei ist – und dem Bedauern darüber, daß das Reisen insgesamt nicht schön gewesen ist, und ich an der Stelle meines Scheiterns an Widerständen, meiner Unfähigkeit, auch diese Widrigkeiten als positive Erfahrung abzuspeichern, gern eine andere Erinnerung über dieselben Ereignisse und Begegnungen besäße, eine angenehmere, anders gefärbte ebenso wie eine versöhnlichere, stolzere von mir selbst.

Das Reisen war insofern eine Probe, in der ich mich selbst zu spielen versuchte – und scheiterte. Ich mochte nicht das Reisen, ich mochte die Vorstellung vom Reisen, ebenso wie es mir mehr Freude und Erkenntnis bringt, bei einer Tasse Kaffee einen Ausstellungskatalog zu studieren, als selbst ins Museum zu gehen. Ich mochte über fremde Länder lesen; sie selbst zu bereisen, dazu fehlte mir jedes Talent, jedenfalls, wenn ich dabei einen Genuß haben wollte.
Nicht nur Mut, Anpassungsfähigkeit, Coolness fehlten. Es fehlten auch die Hartnäckigkeit und die Neugier des Entdeckers. Nicht, daß ich nichts hätte entdecken wollen. Nur wollte ich es um des Entdeckens, nicht des Entdeckten Willen. Ich wäre gern der erste gewesen, ein erfolgreicher Jäger von Kuriosem, Grandiosem, bis dato unentdeckt Spektakulärem, wäre gern auf das gestoßen, was man heute so paradox als Geheimtip weitergibt. Auch hier ging es nicht ums Reisen, auch nicht darum, etwas Aufregendes zu erleben oder etwas Neues zu sehen. Es ging einzig darum, später einem staunenden Publikum davon berichten zu können. Natürlich entdeckte ich auf diese Weise nichts, weil mir ja, was es vielleicht zu entdecken gegeben hätte, im Grunde egal war.

Einmal, auf Klassenfahrt in London, ging ich allein ins British Museum. Wir hatten einen Nachmittag zu unserer freien Gestaltung, und meine Wahl fiel auf das BM. Sicher wird mich das Museum interessiert haben, es gibt dort derart viel zu sehen, daß für jeden etwas dabei ist. Aber das war es nicht. Mir gefiel die Vorstellung von mir, wie ich ganz allein in London ins British Museum ginge. Wie ich einer wäre, dem eine solche Unternehmung Spaß machte und – gelänge. Ich ging also hin und sah – nichts. Ich hatte nicht die geringste Vorstellung von den schier unermeßlichen Dimensionen dieser Institution, ich hatte mich nicht informiert, ich zog keine Pläne zu Rate, ich fragte nicht nach einer Führung. Ich sah mich in der allerersten Halle ein wenig um, wo es irgend etwas Altägyptisches zu sehen gab, versuchte vergeblich, etwas von dem griechischen Text auf dem Rosetta Stone zu entziffern, nickte dennoch fachmännisch mit dem Kopf (sieh da, Griechisch) – und ging wieder. Nach einer halben Stunde. Weil ich dachte, das sei alles. Ich war weder enttäuscht noch verwundert, weil ich nicht wußte, was ich hätte erwarten sollen. Ich war auch eigentlich nicht besonders neugierig. Ich war dagewesen, damit war es gut. Erst später ging mir auf, daß ich vielleicht ein Promill des Museums gesehen hatte, das erste Wort im ersten langen Satz eines tausendseitigen Romans. Es war so, wie stolz darauf zu sein, die erste Seite von Schuld und Sühne aufgeschlagen zu haben. Ein bißchen schämte ich mich später dafür, aber in dem Moment, wo ich das British Museum an jenem Nachmittag wieder verließ, im Glauben, es gesehen zu haben, zählte nur eins: Ich war ganz allein in London ins British Museum gegangen. Und außerdem war mir langweilig. Jahrzehnte später las ich Neil McGregors Geschichte der Menschheit in hundert Objekten, eine kulturhistorische Schwarte, die an hundert ausgewählten Exponaten des BM entlangerzählt ist; ich fand es großartig, zum Durchlesen, zum Stöbern, zum Immer-wieder-Nachblättern und Staunen. Damals, in London, hätte ich auch besser einen Katalog oder eine Geschichte der Pharaonen zur Hand genommen, als durch die sommerheiße, schmachtende City of London zu latschen, um sowohl einer Rolle zu entsprechen, wie auf der Suche nach etwas, von dem ich erzählen könnte.

Und so war es eben oft. Doch mochte ich mir nie eingestehen, daß ich die Landkarte spannender fand als die Landschaft, deren Abstraktion sie war, eine Landschaft, deren tatsächliche, sicht- und anstaunbare Merkmale, egal wie großartig diese auch sein mochten, immer hinter der Unendlichkeit der imaginierten Räume zurückbleiben mußte, die das bedruckte Papier in seiner abstrakten Repräsentation anbot. Ich mochte mir nicht eingestehen, daß Reiseberichte weit vergnüglicher waren, als sich selbst auf den Weg zu machen. Denn mein Wunschbild von mir selbst war nicht das eines gelehrten Stubenhockers, da hätte ich niemals hineinschlüpfen können; sondern das eines Unerschrockenen, der sich selbst ein Bild von der Welt macht. Ich mochte mir nicht eingestehen, daß ich, selbst wo ich versuchte, die Rolle dieses Draufgängers möglichst echt zu spielen (wozu immer auch gehörte, daß ich mich so zu fühlen bemühte, wie ich meinte, daß sich ein Draufgänger fühlen müsse), doch nichts weniger als ein Draufgänger war. Ich hoffte, meinem Rollen-Ich immer ähnlicher zu werden, bis wir zwei, der Schauspieler und seine Rollenfigur, dereinst ununterscheidbar geworden wären.

Was ich nicht begriff, oder jedenfalls erst viel später, war, daß das Reisen, weit entfernt davon, den Reisenden in eine mutigere Version seiner selbst zu verwandeln, im Gegenteil sein wahres feiges Selbst überhaupt erst richtig zum Vorschein brachte, quasi freipräpariert vom Skalpell der Fremdheit, die es umgibt. So wurde ich auf Reisen nicht der, der ich sein wollte, sondern unvermeidlich der, den ich in mir selbst am meisten verachtete.

Aequinoctium

22. September 2017 § 2 Kommentare



Klamm sind die Hände des Winds in den pelzigen Taschen der Sonne.
      Schatten im kahlen Gezweig tauchen nach tieferem Blau.
Süßer jetzt schmecken die Küsse mit Borden aus Wind, der Kalender
      sterbend um Tage sich schließt wie um den Zucker die Frucht.

Mitnotiert: zunehmende Dunkelheit

20. September 2017 § Ein Kommentar

Daß es immer dunkler wird, merke ich inzwischen nicht mehr beim Loslaufen sondern beim Heimkommen. Sieben Uhr und immer noch dämmrig. Dieselbe Stunde, die im Sommer voller Leben war, fühlt sich jetzt desolat an. Selbst die Mitternacht im Juni, scheint es, ist nicht so finster wie fünf oder sechs Uhr früh Ende September. Von Mittwinter zu schweigen, wo im Grunde selbst der Mittag nur eine kurze Pause zwischen zwei langen Mitternachten ist. Was noch lebt, schenkt sich her, taumelt einer letzten Sonne entgegen, verausgabt die letzten Flügelschläge, gibt sich hin, einer Straßenlaterne, einem Autoscheinwerfer, der Stirnlampe. Als risse für einen Moment die Struktur des Dunkels entzwei, zerschlitzt an einer winzigen Naht von einem sterbenden Falterflügel.

Dann ist es aber nicht die Morgendämmerung, die das erste Licht an den wolkenverhangenen Himmel wirft, sondern der gelbliche Streif im Norden stammt von den Lichtern der Raffinerie in Wesseling. Zurückgeworfen von den tiefhängenden Wolken, sieht das Licht aus, als regne dort Schwefel herab. Ausgerechnet in diesem Moment heult eine Feuerwehrsirene los. Alle Lichter der Ebene scheinen schockstarr stehen zu bleiben. Nur eine Ampel wechselt noch von rot auf grün, aber niemand fährt. Nach ein paar Minuten, die Sirene ist eben verstummt, ertönen die Signalhörner von Einsatzwagen. Das Dunkel verformt die Wahrnehmung. Es scheint, als könnten echte Katastrophen nur in der Morgendämmerung stattfinden.

Losgehen in Dunkelheit, steifbeinig vor Schlafmangel im Schein der Stirnlampe über die Blöcke eines Moränendamms staksen, während voraus, wie dümpelnd in einer See aus Finsternis, sich die Kette der übrigen Lampen den Gletscher hinaufzieht, manchmal hört man das Klappern eines Pickels, das Rieseln von Eis; oder den Reißverschluß des Zeltes aufziehen, hinausleuchten, geblendet vom Widerschein der Lampe auf den Atemwölkchen; es scheint, als müsse jegliche Helligkeit aus dem Zelt in die Nacht ausfließen und für immer entweichen; oder mit dem Fahrrad unter eiskaltem Sternenhimmel über die Feldwege zur Arbeit, links die Kammlinie der Berge, durch den Saum eines schwachen Schimmers vom Himmel abgesetzte Massen, als drängelten sich dahinter Sterne, begierig, nach oben zu kommen. Bei Dunkelheit aufbrechen hat etwas Befreiendes, es ist, als bekäme man endlich etwas zu tun, ein Mittel in die Hand gegen die Dunkelheit; als können man das Licht herbeilaufen. In der Dunkelheit anzukommen ist dagegen niederschmetternd.

Die kolossale Wucht totaler Dunkelheit, wann erfährt man die noch? Die Hand nicht mehr vor Augen sehen – für die meisten von uns ist das eine leere Phrase, die keinerlei Erfahrung aufruft. Das dunkelste, was der städtebewohnende Mensch erlebt, ist der Kinosaal zwischen dem Erlöschen des Lichts und dem Beginn des Films. Und in einer Vorortstraße denkt man, das ist jetzt dunkel, dabei kann man höchstens den Himmel meinen, oder daß halt nacht ist, denn dunkel ist es keineswegs. Und dann verläßt man den Strahlungsbereich der letzten Laterne und biegt auf den Feldweg ein und denkt, na, jetzt ist es aber dunkel. Dunkel ist es aber immer noch nicht. Streulicht schwappt aus den besiedelten und ausgeleuchteten Zonen bis ins Feld, wird von den Wolken zurückgeworfen, pflanzt sich in Dunst fort, mogelt sich an unterschiedlich dichten Luftschichten entlang. Wirklich dunkel wird es erst unterm geschlossenen Kronendach des Waldes.

Seltsam, daß ich nie von Dunkelheit träume. Es gibt Menschen, bei denen brennt tag und nacht Licht, selbst zum Schlafen wird es nicht gelöscht, ein Lämpchen zumindest muß berennen. Ich habe mal einen gekannt, der konnte ohne die bewegten Bilder eines stumm geschalteten Fernsehers nicht schlafen. „Ich brauche immer ein bißchen Leben um mich herum.“ So ein Dauerlicht und noch dazu ein bewegtes, das wäre eine Methode, mich subtil zu foltern. Ich habe mich schon als Kind nie vor der Dunkelheit gefürchtet. Daß unter meinem Bett Monster wohnen könnten, der Gedanke kam mir nicht einmal. Ich mochte auch gerne allein gelassen werden in der Dunkelheit. Niemand mußte an meinem Bett singen, damit ich schliefe, oder um mir die Nacht freundlich zu machen. Auf die Toilette bin ich immer im Dunkeln gegangen. Das ist insofern seltsam, als ich ein furchtbar ängstlicher Mensch bin. Ich habe vor tausenderlei Dingen Angst. Die Dunkelheit gehört nicht dazu.

Dunkelheit ist wie Stille ein Fehlen von Reiz, das für manche Menschen etwas Bedrückendes hat. Beide, Dunkelheit und Stille, befruchten einander aber. Die Dunkelheit gibt die Dinge anders zu schauen; die Stille erweitert den Raum alles Hörbaren. Die Stille gibt dem Raum Substanz; die Dunkelheit der Luft. Die Dunkelheit vermengt die Entfernungen; die Stille macht sie deutlich. Man muß sich einlassen, auf die Dunkelheit wie auf die Stille. Die Dunkelheit macht, daß wir den ganzen Müll plötzlich überscharf sehen, mit dem unsere Augen zugehängt und zugestellt sind; und um die Stille zu hören, muß man erst einmal die Ohren von all dem Geschepper befreien, mit dem sie beständig verstopft sind, weil des Lärmens nirgends ein Ende ist. Wer das nicht erträgt, wer diesen inneren Müll in Ohr und Auge nicht loswird, der überdeckt ihn lieber mit neuem Müll, aus dem Radio, aus Kopfhörern und Laptop-Sounkarten; oder er starrt stundenlang auf einen Bildschirm, der immer schon ein neues Bild auswirft, noch bevor das erste verdaut ist. Stille aber hat etwas Reinigendes, Dunkelheit auch. Sie befreien, sie beruhigen, sie erlösen.

Auf dem Rückweg gibt es eine Stelle, wo einen die Nacht plötzlich aus den Höhen des Villerückens entläßt und mit einem sanften Schubs an den Rand der Ebene befördert, und wenn sich unter einem dann die Lichter spreizen, die Straßenzüge sich strecken, die Autoscheinwerfer hin und her streben, Ampeln bewußtlos ihre Lichter wechseln, Logistikzentren und Gewerbegebiete sich ducken, angestrahlt wie Justizvollzugsanstalten – dann hat sich das Vertraute und das Fremde umgekehrt, und das Gewirr aus Lichtern da unten ist plötzlich kein Ort, an den man heimkehrt, sondern das Land, wo man sein Exil verbringt.

Zum Thema …

14. September 2017 § Hinterlasse einen Kommentar



… Dunkelheit und Geheimnis. Die Schriftstellerin und Publizistin Juli Zeh. Hier.

Mitnotiert: Lob der Dunkelheit

13. September 2017 § 3 Kommentare

Und heute das erste Mal mit Stirnlampe unterwegs. Kein Zusammenhang damit: gegenüber ist die gräßliche Straßenlaterne, ein anderthalb Meter langes Leuchtstoffungetüm, das außer Wurfweite (mit gutem Grund, nehme ich an), an einem Ausleger am Giebel des gegenüberliegenden Hauses festgeschraubt ist, so daß mir das durchaus übertrieben helle Licht nachts aufs Kissen scheint, dieses scheußliche Ding ist also kaputt, und wunderbare, schlaffördernde Dunkelheit liegt über der Straße. Hätte Gott gewollt, daß es nachts hell ist, hätte er unseren Planeten in ein Doppelsternsystem gesetzt. Hat er aber nicht. Wo hell ausgeleuchtet wird, wird auch hart durchgegriffen, wird überwacht und drangsaliert. Wer über das Licht gebietet, hat die Macht. Wer leuchten will, will meist auch wissen, unter Umständen etwas, das ihn gar nichts angeht. Licht kann einschüchtern. Ermittler strahlen einem Festgenommenen eine Lampe ins Gesicht. Gefangenen entzieht man, um sie zu quälen, die für den Schlaf nötige Dunkelheit. Aber nicht nur für den Schlaf ist das Dunkel nötig oder zumindest hilfreich, nicht allein beim Schlafen ist Licht störend. Im Dunkeln ist gut munkeln, weiß der Volksmund. Die Dunkelheit ist der Schutz fürs Geheime, fürs Private, fürs Intime. In der Dunkelheit mag man sich trauen, zu sagen, was man bei Licht verschweigt: Liebesgeständnisse, sexuelle Vorlieben, Taten, deren man sich schämt: Im Beichtstuhl ist es ebenso dunkel wie ums Liebeslager. Licht dagegen macht nackt und wehrlos.

In dem Roman Archipel Gulag von Alexander Solschenizyn wird eine Gefängniszelle beschrieben, in der Tag und Nacht Licht brennt. Durch einen Türspion werden die Insassen rund um die Uhr überwacht. Eine Anordnung schreibt vor, daß die Gefangenen auf dem Rücken zu liegen haben, Hände sichtbar über der Bettdecke. Wer es wagt, eine andere Haltung einzunehmen, riskiert einen Brüller oder Schlimmeres. Wozu diese Anordnung, insbesondere das Gebot, die Hände auf der Bettdecke zu lassen, dienen soll, ist nicht schwer zu erraten. Nicht einmal mehr der eigene Körper darf als geheimer Raum dienen. Indem die Intimität mit sich selbst unterbunden wird, wird der Körper dem Selbst entfremdet, die Verbindung des Opfers zu sich selbst gekappt, eine besonders subtile Form der Leibeigenschaft. Ein Sklave im römischen Reich, könnte man sich vorstellen, war freier. Der nächste Schritt liegt auch schon nahe. Nach der Aneignung des Körpers kommt die Aneignung der Gedanken und Gefühle. Wer jetzt an Gehirnwäsche denkt, ist in primitiven Vorstellungen verhaftet. Das ist Schnee von Gestern. Schon jetzt kann ebenso mühelos wie zuverlässig aus meinem Internet-Verhalten mein Buchgeschmack, meine sexuelle Orientierung, die Wahrscheinlichkeit, daß ich ein schweres Verbrechen plane und manches mehr errechnet werden. Und Ingenieure und Softwareentwickler arbeiten bereits an automatisierter Erkennung der Gefühlslage anhand etwa von Stimmdaten. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, daß eines Tages ein Gerät wie Siri schon beim Aufstehen prognostizieren kann, was für Laune ich habe, noch bevor ich es selber weiß. Hier wirft der Algorithmus ein grelles Licht in mein tiefstes Inneres. Er durchleuchtet mich bis in meine Gefühle hinein – und errechnet mein wahrscheinliches Verhalten, zum Beispiel, ob ich dazu neigen werde, eine Ordnungswidrigkeit zu begehen oder unfreundlich zu sein und Wirtschaftsabläufe zu stören.

Von unserer Abstammung her sind wir Fluchttiere, wir haben nie am oberen Ende der Nahrungskette gestanden, wo uns keiner was konnte. Die Dunkelheit empfinden wir sowohl als Gefahr (weil wir nichts sehen) wie als Schutz (weil wir nicht gesehen werden). Nicht gesehen zu werden, ist eine Beruhigung. Fällt Licht auf uns, ein Suchscheinwerfer, das Rampenlicht, das automatische Licht eines Bewegungsmelders, das Licht der Eltern, die unverhofft ins Kinderzimmer traten, werden wir nervös. Freilich werden andere Leute umgekehrt nervös, wenn sie nicht genau sehen können, was im Dunkeln vor sich geht. Wie war das? „Wenn sie etwas vorhaben, wozu sie den Schutz der Dunkelheit benötigen, sollten Sie das vielleicht lieber nicht tun.“ Oder so ähnlich. Es sind Pläne bekannt geworden, beide Aspekte, Licht und Überwachung, in sinnreicher Erfindung zusammenzubringen in Gestalt einer Straßenlampe, die beides kann, leuchten, lauschen und lauern. Eine grauenhafte Vorstellung, wenn man mir nicht nur aufs Kopfkissen strahlen, sondern mich dort auch noch filmen kann.

Von mir aus brauchte es gar keine Straßenbeleuchtung. (Stirnlampe!). Im ländlichen Raum etwa gibt es in kleinen Ortschaften oft keine, oder sie schalten sich am späten Abend aus. Wie sehr man sich daran gewöhnt hat, daß es auch nachts hell ist, zeigt sich aber darin, daß solche Laternen mit einer roten Farbmarkierung versehen sind: Daran sollen Autobesitzer erkennen können, daß ihr Fahrzeug, wenn sie die Absicht haben sollten, es unter dieser trügerischen Lichtquelle abzustellen, möglicherweise am nächsten Morgen im Dunkeln steht. (Nicht auszudenken!)

Gegen nächtliches Lichtspektakel habe ich seit jeher eine starke Abneigung. Ich mag echtes Licht, Sonne, Mond, zu ihren jeweiligen Zyklen, Auf- und Untergängen. Ich habe nie die Läden unten, keine Gardinen, keine Vorhänge. Verhängte Fenster beklemmen mich. In Kranken- und Sterbezimmern sind die Vorhänge zu, Vorhänge haben was von Migräne und bettlägerigem Leiden. Ich mag es, im Sommer schlafen zu gehen, wenn es noch hell ist, und mit der Morgendämmerung wach zu werden. Künstliches Licht außerhalb der eigenen vier Wände ist mir ein Greuel und läßt mich an das schöne Wort Immission denken. Nach störendem Privatlicht – etwa durchgängig in Betrieb befindliche Außenanlagen vor Haustüren oder in Höfen mit Zugangsverkehr – ist mir der rücksichtslose Einsatz des Aufblendlichts auf Landstraßen oder – leider motorisiert befahrbaren – Wirtschaftswegen ein ganz besonderes Ärgernis. Als Radfahrer zählt man nämlich für solche Leute nicht als ernstzunehmender Gegenverkehr. Als Fußgänger ist man quasi stehendes Gut, auf das nicht mehr Rücksicht genommen werden muß als auf die Rindviecher und Pferde auf der Weide nebenan.

Im Wald gibt es – noch – keine Laternen, und um kurz nach sechs ist es mittlerweile stockfinster unter den Fichten. Das nächste halbe Jahr werde ich wieder den Lichtkegel der Lampe wie einen Fächer über den Weg schieben. Eine Welt der Dunkelheit, in die ich eindringe wie ein Taucher, die ich kurz zwinge, sich zu Farben und Gestalten aufzuraffen, ehe sie wieder ins geflüsterte, formlose Dunkel zurückfallen darf. Wassertropfen glänzen, ein Streifen Verpackungsmüll strahlt wie ein Maschinenbauteil, glitzernde Wegschnecken scheinen sich von dem Kegel wegzukrümmen. Laub liegt wie verwitterte Münzen auf dem Waldweg. Bewegliche Schemen erstarren bei ihrem Eintritt in den Lampenkreis zu Ästen, Fichtenzapfen oder Baumstümpfen. Manchmal zeigt mir ein merkwürdiges Geräusch die Anwesenheit von Tieren im Unterholz, kurzer Schwenk der Lampe, ein Augenhintergrund strahlt hellgelb zurück. Diese Anwesenheiten erschrecken mich nicht mehr, sie erscheinen bei fast jedem Lauf. Um die Tierkörper in der Dunkelheit sichtbar zu machen, ist die Lampe zu schwach, aber die Augen nachtaktiver Tiere schicken einen Strahl zurück, der ihre Augen in der Finsternis schweben läßt, als hätte der Wald selbst Augen bekommen. Er mustert mich, der Wald. Im Gegensatz zu Behörden ist das ist sein gutes Recht.

Daherkommen

11. September 2017 § Ein Kommentar

Wann fing das eigentlich an? Seit ein paar Jahren fällt mir auf, daß Bücher in Rezensionen nicht einfach sind oder wirken oder auftreten oder einen ersten Eindruck machen, sondern, und ich finde diese Wortwahl irritierend bis lächerlich: sie kommen daher.
Da heißt es dann, das Buch kommt behäbig daher. Oder: Der Text kommt elegant daher. Oder gediegen. Oder monumental. In jedem Fall drängt sich mir immer das Bild eines gespreizten Adligen auf, der in erster Linie bewundert werden will. Manierierter Gang, manikürte Fingernägel, samtbeschlagener Schmerbauch, vorneweg ein Herold, ein Lakai trägt hinterdrein die Schleppe. Es mag sein, daß das für manche Bücher ein ganz passendes Bild ist; indessen wird das Verb aber so häufig von Rezensenten benutzt, so viele manierierte Adlige unter ihnen kann es eigentlich nicht geben. Wenn mit dem Ausdruck bereits etwas über das Werk ausgesagt sein soll, mag es ja noch angehen. Moby Dick etwa kommt durchaus daher; oder die Buddenbrooks; oder Hoffmanns Elixiere des Teufels. Aber würde man wirklich von einem feinen Fontane oder einem verliebten Eichendorff sagen, daß ihre Werke daherkommen? Fontanes Romane öffnen leise die Tür wie ein alter Diener, der das Licht bringt; Eichendorffs Erzählungen kommen angestolpert wie ein begeistertes Kind. Wieder andere Bücher, könnte man sich denke, schleichen sich an. Oder fallen mit der Tür ins Haus. Was weiß ich. jedenfalls kommen die allerwenigsten daher.
Bücher haben Charakter; Verben haben Charakter. Als Rezensent sollte man darauf achten, daß Verb und Werk zueinander passen.

Alpwach

6. September 2017 § 4 Kommentare

Kälter jetzt und noch dunkler, die Dämmerung strenger, der Tagesanbruch wie eben frisch aus dem Kühlschrank geholt, naßfremd und versiegelt. Ich verzichte auf die Lampe, ich will schauen, wie weit ich ohne Licht ins Jahr komme. Wenn ich den Weg nicht mehr sehen kann, ist es soweit. Vorher nicht. Es ist viel zu warm für künstliches Licht.

So wie die Einbildung aus der Sicht der Realität völlig unglaubhaft scheint, scheint ebenso unglaubhaft die Realität aus der Sicht der Einbildung. Wach liegen und sich ein Geräusch einbilden, nein, ein Geräusch hören: Jemand schleicht ums Haus, jemand atmet laut vor der Tür, jemand hockt unterm Fenster und knistert mit einer Plastiktüte. Überzeugt sein, gegen alle Vernunft, daß es so sein müsse, daß es gar nicht anders sein kann. Oder noch schlimmer: Die Silhouette eines Kopfes im Fenster. Alles ist wahrscheinlicher als die Deutung, daß es wirklich ein Kopf ist, aber keine andere Deutung fällt einem ein. Und am schlimmsten: sich plötzlich krank zu fühlen, Übelkeit, Halskratzen, Schmerz, so echt und furchterregend, daß es absolut unglaubhaft, daß es entgegen der tatsächlichen Verhältnisse als ferne Einbildung scheint, vielleicht doch gesund zu sein.

Wenn man im Dunkeln losläuft, scheint der Tag mit Sonnenschein und Mittagswärme eine ferne Einbildung; so wie die kühlen Wege in der Dämmerung, die verhangenen Felder und tintigen Wiesenstreifen zwei Stunden später schon, beim Warten an der Straßenbahnhaltestelle, eine traumartige Beschaffenheit angenommen haben; eins wie das andere erscheint bis zur Unzugänglichkeit entfernt. Die Laufschuhe stehen im Flur, schon abgekühlt und trocken, wie etwas, das man vom Grund eines Sees herausgeholt hat; etwas Reales von einem im Grunde irrealen Ort.

Nachts an einem irrealen Ort voller Schmerzen gefangen sein, dabei wach sein, schlimmer als Träume, aus denen man immerhin aufwachen könnte. Ich muß warten, bis die Nacht erwacht und zum Tag wird, mich wie den bösen Traum, der ich mir selbst bin, vergißt und mich mitnimmt dorthin, wo Rettung ist. Aber der Morgen ist vielleicht, wie bei Prousts einsamem kranken Hotelgast, der, aus kurzem Schlummer erwachend, die Abend- für die Morgendämmerung hält und glaubt, bald Hilfe bekommen zu können, dann aber erkennt, daß die Dunkelheit erst begonnen hat, und „er die lange Nacht wird durchleiden müssen“ –: dieser Morgen ist vielleicht noch fern.

Und auch dann gibt es vielleicht keine Rettung.

Endlich ist es hell, schütteln sich die Wege frei. Ein paar glattgestrichene Wolken stehen starr am Himmel, als hätte die Nacht sie dort zum Trocknen aufgehängt und vergessen. Am Horizont Pferde vor Waldsäumen, weiß, unbeweglich, Pinselstriche auf dunkler Leinwand. Plötzlich das Schwirren einer gefährlich nahen Raubvogelschwinge direkt an meinem Ohr, fast meine ich, den Luftzug auf der Wange zu spüren, in Kopfhöhe teilt der unglaubhaft schwere Körper die Luft wie ein Schiffsbug, hebt sich davon, empor zu einem Waldrand, wo ich ihn aus den Augen verliere. Es ist derselbe Vogel, denke ich mir, der hier schon zweimal vor mir geflohen ist, beide Male aus dem Unbemerktsein herausgeflogen wie ein Steinschlag aus Luft. Morgen, nehme ich mir vor, wird er mich abermals entlassen aus der Nacht in den wartenden Tag.

(Wie betäubt im Immernochtraum nach der durchwachten Nacht zur Haltestelle gestolpert. Die Gesichter der anderen Wartenden so klar, die Blicke so scharf, als wären sie schon immer wach gewesen in ihrem eigenen Traum.)

Life-Photoalbum

4. September 2017 § 2 Kommentare

Es ist merkwürdig, sich einem Ort zu nähern, den man, früher oft und gern frequentiert, seit ein paar Jahren nicht mehr betreten hat. Es ist, als habest du den Ort vergessen. Aber der Ort erinnert sich besser an dich als du dich an den Ort. Du fühlst dich wiedererkannt. Das heißt nicht, daß du schon willkommen bist, und wer bist du denn eigentlich und stiefelst hier herum, als gehörtest du dazu? Du wirst taxiert. Du bist fremd geworden, du bist hier ganz allein, allein mit deinem Packen Zeit, das du mit dir rumschleppst, und mit dem du dir so lächerlich vorkommst, als trügest du die Mode eines vergangenen Zeitalters: Mache ich auch alles richtig? Man möchte das irgendwie loswerden, diesen Ballast. Und hier wie zum ersten Mal erscheinen, am kurzen Mittagsschatten einer Erzählung, die jetzt erst anfängt. Aber hier ist ja alles herbstlich. Wie ein abgelassenes Schwimmbecken, an dessen regenfeuchtem Grund Laub liegt, die Umkleidetüren sind abgeschlossen, die Duschen abgedreht, der Eiswagen dichtgemacht, auf den Tischtennisplatten liegen Ahornsamen und Vogeldreck. Der Ort liegt verlassen und seines Zwecks verlustig da, wie ein Freibad im Winter.

Es ist ein Freibad! Aber es ist Sommer, abermals Sommer, doch nicht mehr dein Sommer, nicht mehr einer jener Sommer, du weißt schon. Als die Zukunft vibrierend überall bereit lag, man mußte nur zugreifen. Als es noch nicht schnell genug gehen konnte mit ihr. Als sie noch unendlich war und in dieser Unendlichkeit sich für jedes Unglück ein Trost, für jede Niederlage ein Sieg, für jeden Verlust ein anderer Reichtum finden ließ. Es würde alles, alles gut werden, lachte diese Zukunft, nach jedem schwierigen Stück Wegs ist immer noch genug von mir da für ein leichtes, für jede triste Zeit hab ich immer noch genug in mir für eine heitere, du kannst auf mich und zu jeder Zeit immer noch einen Tag hinzuzählen, der alles wieder wettmacht, aufhellt, überwindet, was dir an Argem zustoßen wird. Einmal hat dich ein Mädchen auf der Liegewiese angelächelt, und dann warst du zu schüchtern. Das beschäftigte dich eine Weile, aber dann machte es nichts. Es gab ja die Zukunft, und wofür du heute zu gehemmt warst, morgen würde es sicher klappen, wie überhaupt genug Zeit für alles war, um einmal einzutreffen und sich zu zeigen. Schüchtern sein, sich nicht trauen, es war nur die andere Seite der Stärke, die andere Seite von Mut, der Anfang vom Werden und Wachsen, über dich hinaus, so weit, bis du ein ganz anderer Mensch geworden sein würdest, der Mensch, der du immer sein wolltest, der Mensch, der du hättest werden sollen, der Mensch, der du ja eigentlich immer schon warst – in der Zukunft würdet ihr beide endlich eins werden, du und dieser Mensch. Wenn nicht morgen, dann nächstes Jahr, und dann würdest du, denn die Zukunft hielt so viele Wiederholungen bereit, wie du brauchtest, wieder hier liegen, das Mädchen würde dir zulächeln, und wie im Film deines eigenen Lebens würdest du dann aufstehen, zu dem Mädchen hingehen und ganz genau wissen, was du zusagen hättest, das Zauberwort.

Das warst du. Das war hier. Hier. Zwar war es auch andernorts, doch hier, hier hat es der Ort wie nirgendwo sonst aufgehoben. Und der Ort spiegelt es dir wieder zurück: als einen Betrug, dem du damals aufgesessen bist. Du kommst zurück in dieses alte Schwimmbad, in dein Lieblingsbad, das erste, das du, noch ganz neu in der Stadt, ausprobiertest, in das Bad, in dem du so oft verliebt warst oder vor Sehnsucht nach dem anderen, nach dem gänzlich fremden Glück schmachtetest, wo du im Hochgefühl des eigenen jungen Körpers, geschmeidig gemacht und aufgeladen durch Wasser, Bewegung und Sonnenhitze, einen ebenso glühenden, dir aber als etwas gänzlich Fremdes, als warmes, lebensechtes Anderssein begegnenden Leib imaginiertest (wie du und doch nur fast wie du), entwarfst und schmerzlich vermißtest (du mußtest immer wieder mit dem eigenen, vertrauten Leib vorlieb nehmen) – hierher also kommst du zurück, kehrst du wieder, als könntest du nochmal etwas von der damals prachtvollen Zukunft zurückhaben, jener Zukunft, die an die Stelle jeder Sehnsucht eine Erfüllung zu setzen versprach. Aber natürlich ist da nichts. Die jungen Frauen, diese fast unglaubhaft jungen Körper sind unerreichbar, und im Gegensatz zu damals werden sie es auch bleiben. Keine Zukunft wird daran mehr was ändern, keine Zeit verspricht dir noch was, und hier, hier ist die Zukunft, deine Zukunft, einmal verlorengegangen. Die jungen Männer am Dreimeterturm stehen wie Blinde gegen deren eigene Zukunft; nur schwer erkennst du dein damaliges Selbst in ihnen wieder, es ist, als wärst du auch in deinen Erinnerung plötzlich kurzsichtig geworden.

Damals, denkst du, während du dich ins Wasser läßt (sie haben das Becken erneuert, der Wasserspiegel ist jetzt ebenerdig, vormals ragte der Rand einen Kopf über den Schwimmern empor, eine Überlaufrinne säumte den Innenrand, man brauchte eine Leiter, um auszusteigen, das ist nach heutiger Sicht wohl zu gefährlich), damals, als alles Verheißung war, als ständig etwas in der Luft lag, als du dir sicher warst, bald, noch eher der Sommer vorbei wäre, würde etwas passiert sein, eine neue, frische Liebe, die Rothaarige aus dem Yukatekischseminar oder die Dunkle aus Theorien und Modelle, oder wieder eine andere, unbekannte, irgendeine, es wäre auf jeden Fall die richtige. Und dann passierte es tatsächlich. Die Versprechen der Zukunft gingen alle so sicher in Erfüllung, daß du dich nicht zu wundern brauchtest. Du erinnerst dich so genau, du weißt sogar noch, auf welcher Bahn du damals in welche Richtung schwammst, als dich dieses Gefühl größter Zuversicht und Ruhe durchströmte, zugleich dieses Gefühl, daß das Glück einfach sei und niemals ausbliebe, und daß dir nur geschehen würde, was dein rechtmäßiger Anteil sei, was dir billig zustehe.

Dieser Ort also, jetzt. Als bewegte man sich durch ein Photoalbum. Nur daß es das für die andern, die hier entweder jung sind oder mit diesem Schwimmbad durch eine Kontinuität verbunden, die sie niemals dem Ort entfremdet hat, nicht so ist, für die ist das alles hier primär, einzigartig, das unvergleichliche Original des Lebens, das einzige, was zählt, alles, was es gibt und, aus ihrer Sicht noch, überhaupt je geben wird. Noch keine Erinnerung gibt sich her für einen Vergleich. Und diese Wehmut, die dich von diesen Kacheln, den Hecken, den Rasenflächen, dem Vogelgezwitscher und dem Lichtgespiegel, den Brüsten der Mädchen und braunen Schultern der Jungs, dem Gejohle und dem Plonk! der Arschbomben, von diesem prallen, fröhlichen Leben her anspringt, die ist ganz deine, und nur deine, diese Unfähigkeit, in diesem Ort etwas anderes zu sehen als eine Kulisse vergangenen Lebens, einen Raum für deine Erinnerungen. Man kann ja den Erinnerungen nicht entkommen, ihrer schieren Menge und Anhäufung. Ein Spiegel, ganz wörtlich. In der Umkleidekabine schaut dir einer entgegen, den du kaum als dich selbst erkennen magst. Die Muskeln, die Schultern, der Mund scheinen dieselben zu sein, und doch, und doch. Da ist dieser stärkere Bart, da sind die Fältchen, da ist die kahle Stirn, vor allem aber dieser Schatten von gelebter Zeit in den Augen, die etwas kummervoll blicken und sich gleichzeitig der Lächerlichkeit eben dieses Blicks, seines kindischen Jammers, nur zu bewußt sind; aber für ironische Brechung, gar Sarkasmus, fehlt ihnen – der Mut? Die Kraft. Ja, die Kraft. Die Sicherheit, gewonnen zu haben, Sieger geblieben zu sein, bei allem, trotz allem, die fehlt ganz entschieden. Auf dem Gelände die Bäume, alter, dunkler Ahorn und schöne, schlanke Pappeln, stehen noch immer. Sie haben es leichter.

Du kannst diesen Ort so wenig erneuern wie diesen Leib, wie dieser trägt jener die Spuren von Leben und Erinnerung. Du kannst nicht so tun, als ließe sich hier oder mit diesem alternden Bündel aus Muskeln, Knochen, Organen und Blutgefäßen noch einmal ein neues Leben, etwas Frisches beginnen, etwas, das nicht schon vom eigenen Scheitern und Vergehen spricht, noch ehe es begonnen hat, nein: Es ist vorbei. Du kannst auch mit dieser Erinnerung nicht weiter kommen als nur zu noch einer weiteren Erinnerung, die über die erste hinwegsieht, und jede nächste Erinnerung wird von ihren Vorläuferinnen gesättigter sein. Schon das Erinnern ist ja ein anderes. Die Erfahrung färbt die Wahrnehmung, diese wird wiederum Erfahrung, eine Rekursion bis zur allerallerletzten Wahrnehmung, derjenigen, die keine Erinnerung mehr werden wird. Was jetzt aber noch kommt, ist mit dem Brot der Wehmut aufgebrockt, geschieht und vollzieht sich im Gefühl eines Rests, ist wie ein Besuch in eben diesem Freibad, ein Blick auf die ewig anders jungen Mädchenkörper. Die tausend Meter in kaltem Wasser sind anstrengend gewesen, sind fast zuviel gewesen, jetzt zitterst du am ganzen Körper, in den Ohren klingelt es. Das wäre dir früher nichts als Ansporn gewesen. Heute mußt du dich fragen, ob diese an Übelkeit grenzende Erschöpfung nicht schon ein Zeichen des Alters und des Abbaus ist. Und so geht es mit allem. Nicht: Wohin jetzt? Sondern: Wie lange noch. Der Ort sagt: Früher, als du noch oft hierher kamst, hattest du gar keinen Ehrgeiz. Den brauchtest du ja auch gar nicht zu haben. Heute, sagt der Ort, bist du in einem Alter, wo du dir etwas beweisen mußt. Also finde dich ab, daß du schwindest – oder beweise halt.

Beides aber, das weißt du, ist gleich schlimm. Das Wenigerwerden wegen des Wenigerwerdens; und das Beweisen, weil es lächerlich ist, und weil du so einer nie hast sein wollen. So einer. Einer von denen. Einer von den Mittvierzigern, die plötzlich die Krise kriegen und mit dem Bungeespringen anfangen oder mit dem Marathonlauf. Die „es noch einmal wissen wollen“. Warum haben manche Jugendliche eine Todessehnsucht in sich? Weil sie „so einer“ nie werden, weil sie genau an diesen Punkt niemals kommen wollen (im Gegensatz zu dir ist es ihnen aber tödlich ernst damit), an den Punkt, wo sie ihr altes Freibad nach Jahren ephemeren Lebens noch einmal aufsuchen und sich an den tausend Metern abkämpfen in der Illusion, den jungen Leuten vielleicht noch was vormachen zu können. Noch, noch, noch. Und irgendwann nicht mehr. Die innere Sicherheit, nur wollen zu müssen, dann ließe sich alles erreichen, jederzeit: vorbei, längst vorbei. Die Pappeln rauschen, Füße klatschen über Beton und Gras, die Jungen stoßen einander ins Wasser, Gekreisch und Gejohle. Sie werden es auch in zwanzig, dreißig, fünfzig Jahren noch tun, immer dieselben jungen Körper. Was du aber jetzt noch erreichen kannst, ist weniger ein Ergebnis deines Wollens, als vielmehr ein gänzlich zufälliges Zustandekommen, ein Geschenk, das schwindende, jederzeit aufkündbare Almosen der Zeit.

Mitnotiert: Weltenbrand

30. August 2017 § Ein Kommentar

Am östlichen Horizont eine straff gespannte Fläche gleich einer zum Platzen gefüllten Blase, in der Mitte feuchtmetallisch glänzend, am oberen und unteren Rand eingetrübt, von scharf abgezeichneten dunklen Bändern wie von eruptiven Rissen durchzogen, die ein körniges Triefen von Rot unter sich lassen, den Grund der Berge verschattend, bis hoch zum Mittag aufragend, als wälze sich von dort der Himmel einer tödlichen, fremden Welt über den grauschwarz verfärbten, narbigen Grund der bekannten und begrabe und zermalme dabei alles unter sich. Über dieser Walze ein einzelner blasser Stern am noch ungetrübten Himmel, wie etwas, das sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hat.

Später, auf dem Anstieg vom Brenig zum Römerhof hat sich die Walze in ein orangegelbes Brennen hinein aufgelöst, das den ganzen westlichen Himmel erfüllt. Die Farbe ist von einer Kraft beseelt, die auf Zerstörung aus ist, besitzt die Zeichen einer fernen Katastrophe, deren Lautlosigkeit im Ablauf die Vollständigkeit der Zerstörung umso deutlicher verkündet. Alle Vögel haben den Himmel längst verlassen. Sie werden trotzdem nicht entkommen. Wie die Schockwellen von Detonationen hängen Streifenwolken vor dem von Minute zu Minute fahler werdenden Brand, ihr Stillstand täuscht aufgrund der Entfernung über die rasante Geschwindigkeit hinweg, mit der sich die Vernichtung ausbreiten muß.

Inzwischen ist der Himmel unter einen schwefelgelben Schleier getaucht. Langsam wandelt sich das Licht zum Grünlichen. Weiterhin Stille. Die Wiesen glühen, Schatten schlagen sich wie Nägel in den Grund, Glut legt sich um die Stämme der Birken, jeden Moment können Flammen aus dem erstorbenen Holz herausschlagen, die Blätter scheinen sich um rote Stifte zu krümmen, bevor sie verbrennen. Auf der Weide steht ein Unterstand oder Geräteschuppen, klein, von Feuer angehaucht, geduckt, er sieht aus wie jene schwarzen Kakteen im Vordergrund der Bilder von der Trinity Test Site. Lebendig im Tode. Ein hölzernes Gatter glänzt wie Metall, die Beschläge glühen. Stößt man es auf, wartet dahinter der Tod. Ein paar hundert Meter entfernt die weißen Silhouetten zweier Pferde, Momente, bevor ihr Skelett unter der Haut und dem verdampfenden Fleisch für kurze Zeit sichtbar wird, ehe auch dieser Schatten verbrennt.

Mit erhobenem Haupt untergehen? Nein. Sich niederhocken, sich klein machen, so klein, wie man wirklich ist, ein Stück letzte Erde vor Augen, ein letztes Gewimmel von Ameisen oder Käfern, ahnungslos in ihrem letzten Fleiß, und ehe die Glut über den Nacken schießt, über den Scheitel rast und alles schon ausgelöscht hat, bevor es zu Ende ist: einen Grashalm betrachten, einen Unkrautschößling, die unscheinbarste Blüte der ganzen Wiese für ein letztes, ein allerletztes Bild.

  • Sententiae recentissime prolatae

    Lakritze zu Mitnotiert: Rehe
    Trippmadam zu Erzähl er nicht weiter, Herr U…
    Solminore zu Erzähl er nicht weiter, Herr U…
    Trippmadam zu Erzähl er nicht weiter, Herr U…
    Anhora zu Erzähl er nicht weiter, Herr U…
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